Mittwoch, Dezember 8, 2021
StartGESUNDHEITKeine Sicherheit mit 2G plus Wie zuverlässig sind Schnelltests für Geimpfte?

Keine Sicherheit mit 2G plus Wie zuverlässig sind Schnelltests für Geimpfte?

- Anzeige -


Geimpft, getestet – und trotzdem infiziert. Ein Einzelfall? Virologen sehen erste Hinweise darauf, dass Schnelltests gerade bei vollständig geimpften Menschen nur bedingt sinnvoll sind. Was die Ursache sein könnte, erklärt The Aktuelle News.

Eine Geburtstagsfeier mit 20 Teilnehmern – alle geimpft und zusätzlich getestet. Die auf dem Markt erhältlichen Antigen-Schnelltests zeigen ein eindeutiges Ergebnis: negativ. Doch nur wenige Tage später kommt die bittere Nachricht: „Hey Leute, ich habe gerade einen Corona-Test gemacht und der ist positiv.“ Ein Schock. Auch der Rest der Partygäste greift wieder zu Stäbchen. Die Bilanz zum Schluss: Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen waren 10 der 20 Anwesenden mit dem Coronavirus infiziert.

So beschrieb kürzlich ein Twitter-Nutzer seine Erfahrungen. Ein erstes Szenario, das vielen bekannt vorkommen dürfte. Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen und des nachlassenden Impfschutzes wollen immer mehr Geimpfte vor privaten Treffen auf der sicheren Seite sein – und setzen verstärkt wieder auf Schnelltests. Doch wie zuverlässig ist 2G plus wirklich?

Für den Charité-Virologen Christian Drosten ist die Beschreibung des Twitter-Nutzers kein Einzelfall. Er sieht dies vielmehr als Hinweis darauf, dass Antigen-Schnelltests nur eine begrenzte Aussagekraft haben. „Vor dem Auftreten von Symptomen sind Schnelltests einfach nicht sensitiv genug“, schreibt der Wissenschaftler unter den Artikel. Der „Bild“-Zeitung sagte er weiter: „Nach meiner vorläufigen Einschätzung sieht es so aus, als ob Infektionen bei Geimpften durch den Antigen-Schnelltest gerade in den ersten Tagen der Ansteckung nicht so gut nachgewiesen werden können. Leider ist die Studienlage noch immer“ dort unbefriedigend.“

Auch Virologin Sandra Ciesek betont im NDR-Podcast, dass ein zusätzlicher Corona-Schnelltest Geimpften keine hundertprozentige Sicherheit bieten würde. „Etwa die Hälfte der Infektionen wird übersehen.“ Ideal wäre ein tagesaktueller PCR-Test, so der Direktor der Medizinischen Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. Aber das ist bei den meisten Veranstaltungen kaum machbar und schon gar nicht bei kleineren privaten Treffen.

Die Infektiologin Claudia Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg hat die Zuverlässigkeit der Antigen-Schnelltests im Vergleich zu PCR-Tests untersucht. „Bei Geimpften und Rekonvaleszenten ist die Viruslast bei der Infektion insgesamt geringer“, sagt sie dem SWR. „Es dauert länger, bis er ansteigt, und er fällt schneller wieder ab. Daher reagieren die Tests nicht so gut.“ Das bedeutet, dass die Schnelltests Infektionen bei geimpften und rekonvaleszenten Patienten frühzeitig erkennen. Aber: „Die Infektionen mit hoher Viruslast, die vor allem zur weiteren Übertragung der Infektionen beitragen, werden nachgewiesen.“

Auch wenn die Tests nicht so gut ansprechen wie bei Ungeimpften: Die Infizierten, die aufgrund ihrer hohen Viruslast am stärksten ansteckungsgefährdet sind, werden weiterhin zuverlässig identifiziert. Jetzt haben die Geimpften aber eher einen eher schwachen Krankheitsverlauf mit niedriger Viruslast. Ob und inwieweit diese trotz negativem Schnelltest ansteckend seien, sei noch nicht ausreichend erforscht, sagt Denkinger.

„Letztendlich gibt es ganz am Anfang der Infektion eine Pause, wenn die Viruslast ansteigt und die Antigentests noch nicht funktionieren“, erklärt der Infektiologe. Sie ist der Meinung, dass bei engmaschiger Testdurchführung auch Antigentests an Geimpften ausreichend Sicherheit bieten würden. „Wenn wir uns regelmäßig testen, ist dieses Intervall für den Infektionsschutz sehr wenig relevant, denn dann werden wir es beim nächsten Test wiedererkennen.“

Schnelltests bei geimpften und rekonvaleszenten Patienten können somit helfen, das Auftreten der Infektion besser zu erfassen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) wies frühzeitig darauf hin, dass die Abschaffung der kostenlosen Schnelltests in bestimmten Altersgruppen „zu einer Zunahme der Untererfassung führen könnte“. Tatsächlich konnte sich die vierte Corona-Welle weitgehend unbemerkt und schnell aufbauen, weil die Dunkelziffer der Infektionen so hoch war.

Auch eine regelmäßige und flächendeckende Anwendung der Schnelltests hält Drosten trotz der Mängel für „absolut sinnvoll“. Teste man in einem Unternehmen immer wieder dieselbe Gruppe und schicke diese Gruppe im positiven Fall in eine kurze Quarantäne, könne das einen großen Unterschied machen, sagt der Virologe der „Zeit“. Bei Restaurant- oder Pflegeheimbesuchen würde er sich jedoch nicht auf Schnelltests verlassen. Tests allein reichen beim Schutz alter Menschen in Heimen nicht aus, sagt Drosten. Er fordert daher strenge Regeln: „Alle Bewohner müssen aufgewertet und natürlich alle Mitarbeiter geimpft werden – genauso wie alle Besucher.“

Eine Ansteckung – mit oder ohne Impfung – ist für ältere Menschen noch viel gefährlicher als für jüngere. Daher ist es nach wie vor wichtig, sie besonders zu schützen. Die Partygäste rund um die Twitter-Userin kamen mit den Horror- und Erkältungssymptomen davon. Auch wenn die Wirksamkeit der Corona-Impfung bei symptomatischen Infektionen mit der Zeit deutlich nachlässt, bieten sie nach aktueller Studienlage weiterhin ausreichend Schutz vor schweren Verläufen. Wer sich nicht anstecken möchte, rät Virologe Ciesek, seine Kontakte zu reduzieren. Viele Menschen in einem geschlossenen Raum sind in der Pandemie noch immer gefährdet – und Schnelltests sind kein Allheilmittel.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare