Sonntag, November 28, 2021
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Nicht nur Hotspots in Not Wo man jetzt nicht ernsthaft krank werden sollte

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Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten wächst weiterhin rasant, immer mehr Krankenhäuser haben keine freien Kapazitäten mehr. Intensivbetten werden vor allem in den Corona-Hotspots knapp, aber auch in anderen Bundesländern ist es besser, nicht ernsthaft zu erkranken.

Der Frust ist groß: Obwohl viele im Frühjahr noch daran zweifelten, war im Sommer genug Impfstoff vorhanden, um jeden Erwachsenen gegen Covid-19 zu impfen. Deutschland hätte mit hoher Quote die Chance gehabt, einen zweiten Horrorwinter zu vermeiden. Ja, die Impfstoffe verhindern nicht alle Infektionen, aber die meisten verhindern schwere Verläufe. Was möglich gewesen wäre, zeigt sich in Dänemark, wo mit einer noch höheren Inzidenz als in Deutschland die Zahl der Krankenhauseinweisungen deutlich ansteigt, der Anstieg der Intensivbelegung aber deutlich geringer ausfällt.

In Deutschland hingegen verläuft die Kurve der Intensivbettbelegung durch Covid-19-Patienten seit Mitte Oktober fast senkrecht nach oben. Inzwischen gibt es rund 4050 Patienten, knapp 300 mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig stehen aufgrund des erhöhten Personalmangels deutlich weniger bedienbare Betten zur Verfügung. In ganz Deutschland sind es noch rund 2.300, am 24. November 2020 waren es knapp 5.000. Wenn die Entwicklung weitergeht, könnten zu Weihnachten rund 6.000 Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen versorgt werden müssen – so viele wie nie zuvor in der Pandemie.

Die Lage ist jetzt dramatischer als noch vor einem Jahr, und selbst wenn die jetzt ergriffenen Maßnahmen greifen sollten, werden sie auf den Stationen erst in einigen Wochen Auswirkungen haben. Viele Krankenhäuser können bereits jetzt keine neuen Intensivpatienten aufnehmen, und deren regionale Verlagerung wird in einigen Bundesländern bald oder nicht mehr möglich sein. Aus diesem Grund wurde die sogenannte Kleeblattkonferenz aktiviert, die eine länderübergreifende Verteilung von Patienten organisiert.

Laut DIVI-Intensivregister befinden sich derzeit bereits sieben Bundesländer im kritischen Bereich. Damit sind weniger als zehn Prozent der dort bedienbaren Betten noch frei. Zu den betroffenen Ländern zählen die aktuellen Corona-Hotspots Sachsen, Bayern und Sachsen-Anhalt, aber auch Hessen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bremen mit deutlich geringeren Fallzahlen.

Letztlich sind nicht die Vorfälle ausschlaggebend, sondern neben der Zahl der Schwerkranken auch die Grundkapazitäten der Krankenhäuser, die aus Kostengründen oft schon vor der Pandemie voll ausgelastet waren. Zudem mussten Operationen, die in den Vorwellen verschoben worden waren, neu terminiert werden.

Eine durchschnittliche deutsche Intensivstation hat etwa zwölf Betten, erklärt der Leiter des DIVI-Intensivregisters Karagiannidis im NDR-Podcast „Corona-Update“. Normalerweise versucht jede Station, 10 Prozent der Betten frei zu halten, um Notfälle bewältigen zu können. Bei zwölf Betten entspricht ein freies Bett bereits 8 Prozent. „Das heißt, wenn wir unter 10 Prozent abrutschen, wird es schwierig“, sagt der Intensivmediziner. „Wenn die Kliniken weniger als 5 Prozent freie Betten haben, lebt man quasi von der Hand in den Mund und ist im Prinzip nicht mehr handlungsfähig.“

Dies gilt ausgerechnet für Bremen, das die beste Impfrate aufweist und mit 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner eine der niedrigsten Inzidenzen der 16 Bundesländer ist. Derzeit gibt es dort nur 159 Betten, von denen 140 bereits von „normalen“ Patienten belegt sind. Bei einer so geringen Grundkapazität reichen 19 Covid-19-Fälle aus, um den Anteil der freien Betten auf 3,1 Prozent zu reduzieren.

Bremen kann die Welle aber möglicherweise überleben, weil dort die Zahl der Intensivpatienten aufgrund des breiten Impfschutzes der gefährdeten Gruppen nahezu stagniert. Heute waren 20 Covid-19-Patienten in Bremen auf Intensivstationen, auch am 10. November, am 11. waren es vorübergehend 25.

Solche Schwankungen können durch die Notreserve ausgeglichen werden, die Bremen offensichtlich bereits angegriffen hat. Denn hier sank die Kapazität von 128 auf 84 Betten. Das funktioniert aber nicht überall, denn dafür muss Personal von anderen Stationen abgezogen werden, was nur bedingt möglich ist.

Nicht so gut sieht es aus in Berlin, wo die Charité Anfang des Monats Alarm geschlagen hat. Derzeit sind in der Hauptstadt nur 8,2 Prozent der betreibbaren Intensivbetten frei, das entspricht gerade einmal 87 freien Betten in der Metropole mit mehr als 3,6 Millionen Einwohnern. Im Schnitt kommen derzeit täglich fast sechs neue Covid-19-Patienten auf die Intensivstationen der Hauptstadt.

Die vorhandenen Kapazitäten werden derzeit hauptsächlich von Menschen belegt, die nicht am Coronavirus erkrankt sind. Dadurch seien kaum freie Betten für die Covid-19-Versorgung verfügbar, sagte Martin Kreis, Vorstand für das Gesundheitswesen des Universitätsklinikums RBB. 90 Prozent der Corona-Patienten sind ungeimpft.

Große Krankenhäuser wie die Charité sind von der Krise besonders hart getroffen, weil sie vor allem sehr schwere Fälle mit invasiver Beatmung bewältigen können. Im schlimmsten Fall ist ECMO, die extrakorporale Membranoxygenierung, auf Ihren Stationen möglich. Im Prinzip handelt es sich um eine künstliche Lunge. Durch sie fließt das Blut des Patienten und wird mit Sauerstoff angereichert, da die eigene Lunge dies nicht mehr kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass solche Patienten oft mehrere Wochen auf den Stationen bleiben und besonders intensiv betreut werden müssen. Sie binden also viel Personal für lange Zeit, weshalb die Krankenhäuser erst mit großer Verzögerung entlastet werden, wenn die eingeleiteten Maßnahmen erfolgreich sind.

Deshalb hat Sachsen mit 8,1 Prozent freien Betten auch ein besonders großes Problem. Denn es gibt bereits 36,9 Prozent der Intensivpatienten Corona-Fälle. Ähnlich besorgniserregend ist der Anteil von 31,4 Prozent in Bayern, wo noch 9,2 Prozent der Betten frei sind.

Der Zusammenbruch ist absehbar: Zuletzt kamen in Sachsen durchschnittlich 23 Covid-19-Patienten zur Intensivbehandlung, heute waren insgesamt 114 Betten frei. Bayern hat täglich rund 35 Neuzugänge mit 294 freien Betten.

Thüringen liegt offiziell noch nicht im kritischen Bereich mit 11,8 Prozent verfügbarer Kapazität. Das entspricht aber insgesamt nur 75 Betten im Bundesland. Wegen der hohen 7-Tage-Inzidenz im Land von mittlerweile mehr als 720 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner ist die Zahl der Intensivpatienten im Freistaat zuletzt um rund 60 Fälle pro Tag gestiegen. Die Kapazitäten dort werden bald erschöpft sein.

Umgekehrt ist die Situation in Hessen mit derzeit 180 freien Betten und einer noch verfügbaren Kapazität von 9,9 Prozent nicht ganz so dramatisch, da derzeit nur drei neue Corona-Patienten täglich mit einer Inzidenz von rund 250 auf die Stationen kommen Ähnlich sieht es in Nordrhein-Westfalen (9,6 Prozent) aus, wo mit 509 freien Betten täglich rund 15 Covid-19-Fälle auf der Intensivstation liegen.

Baden-Württemberg (10,2 Prozent) hingegen ist ein Beispiel für Bundesländer, die derzeit kaum noch nicht im kritischen Bereich liegen, aber aufgrund der stark ansteigenden Intensivfälle in Kürze sein dürften. Dort wurden in den vergangenen zwei Wochen im Schnitt rund 17 Covid-19-Patienten aufgenommen. 229 Betten sind noch frei, der Anteil der Corona-Fälle ist mit 23 Prozent hoch.

Auch Brandenburg liegt mit 620 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohnern offiziell noch nicht im kritischen Bereich mit einem Corona-Patientenanteil von 10,5 Prozent. Allerdings hat das Land nur 68 freie Betten und die Intensivstationen nehmen täglich rund fünf neue Covid-19-Fälle auf.

Der große Unterschied, den eine hohe Impfrate ausmachen kann, sieht man in Hamburg ebenso wie in Bremen sehr gut. Dort stehen zwar nur 10,8 Prozent der Kapazität zur Verfügung, aber die 55 Betten plus Notfallreserve könnten ausreichen, da täglich nur noch zwei bis drei Corona-Patienten mehr intensivmedizinisch betreut werden müssen. Zudem ist der Anteil der Covid-19-Fälle in der Hansestadt mit rund 9 Prozent der zweitniedrigste aller Bundesländer.

Relativ entspannt ist die Lage derzeit nur in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz, die noch 16,5 bzw. 16,2 Prozent freie Kapazität haben. Das entspricht 118 bzw. 163 Betten. Auch Schleswig-Holstein glänzt mit dem niedrigsten Anteil an Corona-Patienten auf den Intensivstationen, dort machen sie nur 5,5 Prozent aus.

In beiden Bundesländern haben die Covid-19-Neuaufnahmen zuletzt zugenommen – in Rheinland-Pfalz um durchschnittlich rund vier Patienten pro Tag, in Schleswig-Holstein um zwei. Es bleibt jedoch noch etwas Spielraum, um Fälle aus anderen Bundesländern einzubeziehen.

Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben noch 12,4 bzw. 14,2 Prozent freie Kapazität. Sie werden jedoch nicht sehr viele Patienten aufnehmen können, denn das entspricht nur 224 bzw. 86 freien Betten. In Niedersachsen gibt es derzeit täglich rund fünf weitere Corona-Fälle auf den Intensivstationen, in Mecklenburg-Vorpommern knapp vier.

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