Freitag, Juni 24, 2022
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"Das war längst überfällig"

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Es ist ein besonderer „Tatort“, der am Sonntagabend erstmals ausgestrahlt wird. Warum, erklärt Franziska Weisz im Interview mit theaktuellenews. Außerdem spricht die Schauspielerin, die in Norddeutschland ermittelt, über Gehaltsunterschiede und Nachhaltigkeit.

„Schattenleben“ heißt der neueste „Tatort“ des Ermittlerduos Falke und Grosz, gespielt von Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz. Letzteres zeigt sich im in

Hamburg zeigt sich von ihrer verletzlichen, persönlichen Seite und steht im Mittelpunkt.

Nachdem Ela, eine ehemalige Freundin und Kollegin von ihr, überraschend wieder in Grosz‘ Leben auftaucht und plötzlich wieder verschwindet, schleicht sie sich als Undercover-Agentin in die linke FLINTA*-Szene ein, um nach ihr zu suchen. In einer WG lernt sie Elas Lebensgefährtin Nana (Gina Haller) kennen.

In dem Fall, der am Sonntag, 12. Juni 2022 um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen ist, kommen nach und nach Dinge ans Licht, die Nanas Leben aus den Fugen bringen. Es bleibt spannend bis zum Schluss.

Der „Tatort“ ist nicht nur deshalb ein besonderer, weil Franziska Weisz‘ Figur Julia Grosz erstmals im Mittelpunkt des Films steht, sondern auch, weil bei den Dreharbeiten der sogenannte Inclusion Rider zum Einsatz kam. Im theaktuellenews-Interview erklärt die 42-Jährige unter anderem, was das ist und warum sie es für so wichtig hält.

theaktuellenews: Bei diesem „Tatort“ kam der „Inclusion Rider“ erstmals in Deutschland zum Einsatz. Können Sie kurz erklären, worum es geht?

Franziska Weiss: Der „Inclusion Rider“ sorgt dafür, dass marginalisierte Gruppen die Möglichkeit erhalten, sich an dem Projekt zu beteiligen. Minderheiten werden aktiv einbezogen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde diese Vertragsklausel 2018 durch die Oscar-Rede von Frances McDormand bekannt. Ihre letzten Worte waren einfach: „Inclusion Rider“.

War das angesichts des „Tatorts“ nötig?

Ja, das war längst überfällig. Diese Chance müssen wir Menschen geben, die in unserer Gesellschaft nicht die Möglichkeit haben, Erfahrungen zu sammeln. Ablehnungen werden oft damit begründet, dass eine Person nicht über genügend Erfahrung verfügt. Aber dann beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

Welche weiteren Vorteile hat der „Inclusion Rider“?

Wir hatten ein junges und motiviertes Team. Das ist wunderbar und eröffnet neue Perspektiven. Es ist immer toll, mit erfahrenen Kollegen zusammenzuarbeiten, aber man hat eine ganz andere Wertschätzung gespürt. Unsere Regisseurin Mia Spengler hatte mit viel Gefühl den „Inclusion Rider“ durchgesetzt. Das befreit Sie von Klischees. Die Darstellung von queeren Menschen zum Beispiel ist viel einfacher, wenn queere Menschen am Set sind. Sie wissen im wahrsten Sinne des Wortes, worum es geht, das ist etwas ganz anderes, als wenn alle nur den Blick von außen haben.

Muss der „Inclusion Rider“ zum Standard werden?

Auf jeden Fall. Genau wie beim Quotensystem war ich anfangs skeptisch, weil der Gedanke aufkam, dass Frauen nur wegen ihres Geschlechts Jobs bekommen. Aber unsere Gesellschaft hatte genug Zeit, dass sich die Gleichberechtigung von selbst einschlich, aber es geschah nicht. Deshalb bin ich sicher, dass diese Richtlinien notwendig sind. Ich bin optimistisch, dass Quotenregelungen obsolet werden, wenn mehr Vielfalt bald zur Norm wird.

Stichwort: Chancengleichheit von Männern und Frauen im Filmgeschäft. Wo sind wir jetzt?

Regie gilt als Männerdomäne und in der Schauspielerei gibt es mehr Rollen für Männer. Dank des Quotensystems wird das massiv besser.

Inwieweit ist das Ganze eine Männerdomäne?

Ein einfaches Beispiel aus dem Kinderfernsehen: Bei den „Schlümpfen“ gibt es viele Jungs mit unterschiedlichem Aussehen und unterschiedlichen Charakteren – und ein Mädchen. Ich könnte eine lange Liste von Shows aufzählen. Erst in den letzten Jahren wurde darauf geachtet, dass Mädchen nicht klischeehaft dargestellt werden. Wir müssen wirklich vorsichtig sein mit den Inhalten, die wir unseren Kindern erzählen, sie übertragen sich ins Erwachsenenalter.

Was ist mit dem Thema Gehalt im Film – Stichwort Gender Pay Gap?

Wir alle wissen, dass der Equal Pay Day mitten im Jahr ist. In Deutschland war der Tag, bis zu dem wir Frauen im Vergleich zu Männern mehr oder weniger umsonst arbeiten, der 07.03.2022.

Bekommen Sie und Ihr „Tatort“-Kollege Wotan Wilke Möhring das gleiche Gehalt?

nein

Bekommst du mehr oder weniger?

Weniger.

Wird darüber gesprochen?

Nein, eigentlich nicht.

Ist das in Ordnung für dich?

Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Wie denkst du über das Geschlecht?

Was denkst du wäre am besten?

Die Menge macht das Gift. Wenn wir einen Weg finden würden, Fleisch oder Milchprodukte auf gesunde Weise zu konsumieren, wäre das ein großer Schritt nach vorne. Unserem Planeten würde es viel besser gehen, wenn alle mehr wie die Menschen in Indien essen würden: sehr wenig Fleisch. Wir Europäer müssten eine klare Richtung vorgeben: Weg von Tönnies und hin zu einem gewissen Selbstreflexionsdenken.

Wie könnte das „ein bisschen drüber nachdenken“ aussehen?

Wenn Sie an „fliege ich oder fahre ich Zug“ denken, sollten Sie auch den Fleischkonsum stärker abwägen. Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein – warum nicht zweimal in der Woche Qualitätsfleisch. Die Kosten sind gleich. Der CO2-Fußabdruck von Fleisch ist so viel schlimmer als das Fliegen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn Sie dieses Thema ansprechen?

Die Sojakarte wird oft gespielt. Mir wird kalt, wenn Leute sagen, dass Ihr Tofu den Regenwald abholzt. Nein: Fünf Prozent der weltweit angebauten Sojabohnen landen in Form von Sojamilch oder Tofu im Kühlregal. Der Rest ist das Futter für Kühe und Schweine und Hühner, das wir im nächsten Schritt essen.

Gibt es noch etwas, das Sie aus ökologischen oder ethischen Gründen nicht verwenden?

Ich fahre nur, wenn es nicht anders geht, aber in Berlin fahre ich kaum. Dort unternehme ich viel mit dem Rad und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Längere Strecken fahre ich mit dem Zug. Außerdem habe ich den Konsum von Kleidung stark reduziert. Abgesehen davon ist die Minimierung von Plastik ein großes Thema für mich. Ich mache zum Beispiel seit fünf Jahren selbst Deo. Seitdem habe ich kein einziges Deo mehr gekauft.

Woher?

Sie benötigen nur ein Glas, das Sie immer wieder verwenden können. Ein bisschen Natron kommt rein, ein bisschen Kokosöl und wenn nötig etwas Duftendes, wie ein Tropfen Lavendelöl. Man mischt es zusammen und man bekommt das beste Deo – ohne Mineralöle, ohne Aluminiumsalze. Mittlerweile mache ich vieles selbst, aber das Deo ist mein Lieblingsprodukt.

Bist du ein Bauchmensch oder ein Kopfmensch?

Ich bin eine schwierige Mischung. Ich versuche viel mit meinem Kopf herauszufinden, aber irgendwann rebelliert mein Magen, wenn der Kopf sich schlecht benimmt. Kopfentscheidungen bereue ich häufiger, Bauchentscheidungen fühlen sich besser an.

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