Mittwoch, Januar 19, 2022
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Er war 83 Jahre alt. Filmemacher Herbert Achternbusch ist tot

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Trauer um Herbert Achternbusch: Der Romancier, Dramatiker, Dichter, Filmemacher, Maler und Schauspieler ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er hinterlässt ein großartiges Werk.

Herbert Achternbusch ist tot. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, starb der Regisseur und Autor Anfang dieser Woche nach Angaben seiner Weggefährten. Er war 83 Jahre alt.

Vor acht Jahren klagte der Filmemacher über Schmerzen in den Beinen. Ihm gehe es nicht gut, er könne kaum die Treppe herunterkommen, sagte er damals der Deutschen Presse-Agentur. „Ich mache nichts mehr, gehe nur essen und scheißen“, sagte Achternbusch in seiner notorisch ungeschminkten Sprechweise am Telefon.

Herbert Achternbusch ist inzwischen gestorben. Er hinterlässt ein tolles Werk. Seine Filmbibliothek umfasst fast 30 Filme, 20 Theaterstücke, 40 Buchveröffentlichungen und Hunderte von großformatigen Bildern. Malerei war eine seiner Leidenschaften.

Herbert Achternbusch wurde als unehelicher Sohn eines Sportlehrers und eines Zahntechnikers in München geboren und wuchs im Bayerischen Wald auf. Nach dem Abitur in Cham studierte er ein wenig an den Kunsthochschulen in München und Nürnberg und kam mit Gelegenheitsjobs durch, bevor er mit dem Schreiben begann.

Mit seinem ersten Roman „Alexanderschlacht“ sicherte er sich einen festen Platz in der literarischen Avantgarde der 70er und 80er Jahre. Für seine in rascher Folge entstandenen Theaterstücke gewann er zweimal den Mülheimer Dramatikerpreis. Sein Zweipersonenstück „Gust“ (1986) mit Sepp Bierbichler als aus der Zeit gefallener Bauer, der kurz vor dem Verlust seiner Frau steht, lief jahrelang erfolgreich an den Münchner Kammerspielen. 2017 feierte „Dogtown Munich“ am Münchner Volkstheater Premiere, einmal mehr ein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt und vielleicht so etwas wie ein Vermächtnis.

Herbert Achternbusch: Der Maler starb im Alter von 83 Jahren. (Quelle: imago images)Herbert Achternbusch: Der Maler starb im Alter von 83 Jahren. (Quelle: imago images)

Bereits in den 1970er Jahren kam Achternbusch mit der Szene deutscher Autorenfilmer um Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta in Kontakt. Seine oft mit wenig Aufwand gedrehten Strips zielten regelmäßig auf die unangepasste und subversive sowie autoritäre und bigotte bayerische Volksseele. In „Der Depp“ (1983) ließ er seinen Lieblingsfeind Franz Josef Strauß vergiften, im halbdokumentarischen „Bierkampf“ rechnet er mit einem bayerischen Heiligtum: dem Oktoberfest.

Als er in „Das Gespenst“ Jesus Christus vom Kreuz herabsteigen lässt, um mit Maria eine Bar zu eröffnen, hatte der damalige CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann genug. Er weigerte sich, dem ungehorsamen Direktor die letzte Rate zu zahlen, weil er die „religiösen Gefühle großer Teile der Bevölkerung“ verletzt habe. Danach bekam Achternbusch im Fernsehen nie ein Bein auf den Boden.

Achternbusch gehört seit langem zum Inventar des bundesrepublikanisch-bayerischen Kuriositätenkabinetts. Zu seinem 80. Geburtstag huldigte ihm das Filmmuseum München mit acht seiner Spielfilme und einem Filmporträt. Jetzt, drei Jahre später, ist der Filmemacher gestorben.

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