Samstag, Mai 21, 2022
StartKULTUR UND KUNST"Es ist höchste Zeit, dass Deutschland sich zurückzieht"

"Es ist höchste Zeit, dass Deutschland sich zurückzieht"

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Deutschland droht am Samstag ein weiteres ESC-Fiasko. Dies würde den Trend der letzten Jahre bestätigen. Soll Deutschland also künftig nicht mehr mitmachen? Ani Palyan und Nils Kögler diskutieren.

Für deutsche Fans der

Der Eurovision Song Contest lief in den letzten Jahren miserabel: Es regnete Ergebnisse jenseits von Platz 20 – die Kandidaten für Deutschland landeten oft sogar auf dem letzten Platz. Seit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 hat es Deutschland nur dreimal in die Top 10 geschafft. Michael Schulte lieferte 2018 das beste Ergebnis ab, schaffte es mit seinem vierten Platz aber nicht einmal auf das Podium.

Im italienischen Turin findet am Samstag zum 66. Mal Europas größtes Musikspektakel statt. Weil Deutschland eine üppige Summe Geld liefert, ist es wie jedes Jahr für das Finale gesetzt. Allerdings sehen die Buchmacher den deutschen Beitrag auf dem letzten Platz. Die Misere der letzten Jahre droht fortzusetzen. In ihrem Für und Wider diskutieren Ani Palyan und Nils Kögler daher die Frage:

Der Profi von Nils Kögler, Azubi bei theaktuellenews

Ja bitte! Mal ehrlich: Weißt du, wer dieses Jahr Deutschland beim ESC vertritt? Nein? Ich dachte auch! Dass Deutschland jedes Jahr schlecht abschneidet, ist bestenfalls ein Symptom für das eigentliche Problem: Deutsche Acts sind einfach unglaublich langweilig und werden weder national noch international wahrgenommen. Wenn sich Deutschland nicht jedes Jahr mit viel Geld seinen Platz im Finale erkaufen würde, würde es regulär im Halbfinale enden und unsere Auftritte würden noch schneller in der musikalischen Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Das liegt nicht zuletzt an dem veralteten nationalen Auswahlverfahren, mit dem wir unsere ESC-Teilnehmer ermitteln. Spätestens seit dem Desaster um die Nominierung des Verschwörungsgläubigen Xavier Naidoo traut sich der zuständige NDR nichts mehr. Zu Oma Ernas 80. Geburtstag werden jedes Jahr drei neue Provinzmusiker ins Fernsehstudio entführt. Was folgt, ist eine „Show“, die besser wirkt als jede Schlaftablette. Eine Handvoll Zuschauer, die das Wunder des Einschaltens UND Wachbleibens geschafft haben, können sich dann das vermeintlich kleinste Übel aussuchen und auf die viel zu große ESC-Bühne schicken. Ein lieblos geplanter Auftritt und letzter Platz später ist die Karriere des neuen deutschen Gesangstalents wieder vorbei. Wenn so unsere musikalische Förderung aussieht, dann herzlichen Glückwunsch.

Erfahrene ESC-Zuschauer wissen: Kleinere Länder sorgen für das Spektakel. Im Gegensatz zu Deutschland bedeutet ihnen ein gutes Abschneiden beim ESC noch etwas – und dieser Einsatz spiegelt sich in ihren Leistungen wider. Das Fehlen Deutschlands hätte maximale finanzielle Auswirkungen, würde aber der Attraktivität der Veranstaltung keinen Abbruch tun.

Also: Es wird höchste Zeit, dass sich Deutschland – zumindest vorübergehend – aus dem Wettbewerb zurückzieht. Sollten wir unseren Beitrag nach einigen Jahren schmerzlich vermissen (ich bezweifle es), können wir jederzeit zurückkehren. Dann hoffentlich mit neuer Motivation und einem frischen Konzept.

Die Nachteile von Ani Palyan, Senior Editor in der SEO-Abteilung

Nein auf keinen Fall. Zugegeben, der Eurovision Song Contest ist kitschig und überflüssig. Aber genau das ist das Schöne an der Show! Es gibt wohl kein anderes Event, das europäische Länder auf diese Weise zusammenbringt und weltweit über 180 Millionen Zuschauer begeistert. An diesem Abend werden politische Auseinandersetzungen und Wirtschaftskrisen für ein paar Stunden beiseite gelegt – und der Fokus liegt auf Musik und Bühnenshows.

Dass Deutschland trotz garantiertem Startplatz im Finale immer mehr das Schlusslicht der Rangliste bildet, ist natürlich frustrierend. Aber mit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut 2010 oder dem Viertplatzierten Michael Schulte 2018 haben wir bewiesen, dass es auch anders geht. Mit einer Absage an diese TV-Tradition würden wir uns solcher Erfolgsmomente berauben und für ganz Europa als schlechte Verlierer dastehen.

Ohne Deutschlands Beteiligung könnte es eine große Zahl von Zuschauern geben, die bei der Punktevergabe jubeln und sich von Künstlern aus den unterschiedlichsten Ländern inspirieren lassen. Der ESC lebt davon, dass jedes Jahr die Karten neu gemischt werden und durch einen Sieg auch kleinen Staaten die Möglichkeit gegeben wird, ein Musikspektakel zu veranstalten.

Also sollten wir unseren Stolz für einen Abend beiseite legen und trotz 0 Punkten die Show genießen – schließlich haben auch wir nach dem WM-Debakel die deutsche Nationalmannschaft angefeuert. Warum also nicht auch unsere Musiker?

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