Sonntag, Oktober 17, 2021
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„Grande Dame der Fotografie“ – Evelyn Richter ist gestorben

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„Eigenständig und originell, zugleich voller Adel“: Die Fotografin Evelyn Richter galt als wichtige Chronistin des DDR-Alltags. Nun ist der Künstler im Alter von 91 Jahren gestorben.

EVelyn Richter, einer der bedeutendsten Fotografen Deutschlands, ist tot. Wie das Museum der bildenden Künste (MdbK) in Leipzig am Dienstag mitteilte, starb sie am 10. Oktober im Alter von 91 Jahren.

Richter galt als Chronist der Lebens- und Arbeitswelt der DDR. Sie porträtierte Menschen in alltäglichen Situationen – bei der Arbeit, im öffentlichen Verkehr, auf der Straße. Aber sie fotografierte auch urbane Landschaften, die die Tristesse und den Verfall im Arbeiter- und Bauernstaat dokumentierten.

Richter wurde am 31. Januar 1930 im ostsächsischen Bautzen geboren. Nach einer Ausbildung zur Fotografin in Dresden begann sie ein Studium in Leipzig, wurde aber laut MdbK nach zwei Jahren unfreiwillig exmatrikuliert. „Richters hohe Erwartungen an die künstlerische Lehre wurden nicht erfüllt.“ Außerdem kollidierten ihre Bildideen mit denen des sozialistischen Staates. Sie arbeitete immer als freiberufliche Fotografin. Im vergangenen Jahr wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem Bernd- und Hilla-Becher-Preis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet.

Anlässlich ihres 90. Geburtstags im vergangenen Jahr sagte die Berliner Kunsthistorikerin Gabriele Muschter, Richter sei viel mehr als eine „Grande Dame der Fotografie“. „Eigenständig und originell, zugleich voller Noblesse, unverwechselbar und doch verkörpert den oben genannten Zeitgeist.“ Ihre Bilder zeigten, „dass Fotografie nicht nur mit Bildung zu tun hat, sondern auch mit der Entwicklung des Herzens, etwa der Fähigkeit, sich in die Lage seines Gegenübers zu versetzen, es in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren“.

Richter konnte ihre Werke weder veröffentlichen noch verkaufen und arbeitete „für die Kiste“, wie sie selbst sagte. Erst 1979 hatte sie ihre erste Einzelausstellung und zwei Jahre später bekam sie eine Anstellung: 1981 bekam sie einen Lehrauftrag an der Universität, von dem sie als Studentin verwiesen wurde, und 1991 erhielt sie ein Professur. Dafür war sie frei in ihrem Tun und konnte ihre Themen selbst wählen.

2014 zog Richter in ein Pflegeheim, ihre letzten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2012. Ein Großteil ihrer Arbeit lagert im 2009 gegründeten „Evelyn Richter Archiv“ im Museum der bildenden Künste in Leipzig. „Aufgrund ihrer umfangreichen künstlerischen Arbeit (…) sowie vieler intensiver Gespräche und gemeinsamer Reisen wird Evelyn Richter für uns unvergesslich bleiben“, erklärte die Leiterin des Archivs, Jeannette Stoschek. „Sie wird in ihren Werken weiterleben.“

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