Samstag, Mai 21, 2022
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"Ich will meinen Lebensstil nicht entschuldigen"

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Rolf Zuckowski feiert heute seinen 75. Geburtstag. Mit theaktuellenews spricht er über seine politischen Ansichten, Kindheitserinnerungen und seine ablehnende Haltung gegenüber dem Thema Gender.

Seine tiefe, ruhige Stimme ist am Telefon unverkennbar. Rolf Zuckowski ruft minutengenau zum vereinbarten Termin für das Vorstellungsgespräch an. Er hat gute Laune, so kurz vor seinem 75. Geburtstag. „Ich habe das große Glück, gesund zu sein“, sagt er zufrieden und verweist darauf, wie viele seiner Altersgenossen mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben.

Der Singer-Songwriter selbst kämpft nur gegen ein Missverständnis, das ihn ärgert: das Geschlecht. Denn, wie er im theaktuellenews-Interview erklärt, darüber, was geschlechtsneutrale Sprache beim Singen macht, redet nie jemand. „Ich würde mir wünschen, dass mehr darüber gesprochen wird“, sagte Zuckowski. Wie der Norddeutsche das traditionelle Familienbild verteidigt, Bundeskanzlerin

Olaf Scholz wehrt sich und erinnert sich an das Trauma der Nachkriegszeit, lesen Sie das Interview.

theaktuellenews: Sind Sie immer gut gelaunt, Herr Zuckowski?

Rolf Zuckowski: Wenn man sich meine Songs anhört, schwingt oft ein bisschen Melancholie und Nachdenklichkeit mit. Nur ein Witzbold, bin ich nicht.

Belastet Sie der Krieg in der Ukraine?

Der Krieg im Osten, von dem niemand sicher sagen kann, ob er sich weiter ausbreiten wird, macht mir das Herz schwer. Mit Liedern kann man viel tun, um sich ein wenig zu beruhigen. Aber diese Bedenken werden Sie nicht los.

„‚Immer lächeln und immer Spaß haben‘ war vielleicht das Lied Ihres Lebens“, schreiben Sie in Ihrer Autobiografie über Ihre Mutter. Hast du ihr deine fröhliche Art zu verdanken?

Allerdings heißt es in dem Text auch: „Immer lächeln und immer fröhlich, immer zufrieden, was auch immer passiert. Es ist also ein Lied der Verzweiflung, das meine Mutter zu verwenden versuchte, um sich selbst Mut zu machen.

Warum brauchte sie das?

Meine Mutter war eine typische Nachkriegsfrau. Ihr erster Mann ist im Krieg gefallen, dann hat sie meinen Vater geheiratet, ich bin 1947 geboren. Man musste sich unbedingt mit Liedern Mut machen. Aber sie könnte auch viel Spaß haben. Wenn sie gute Laune hatte und Gäste da waren, tanzte sie auf dem Tisch und sang laut. Ich denke, das war eine Art Ausgleich für die vielen harten Entbehrungen in der Nachkriegszeit.

Auch das erinnert an Bilder aus der Ukraine. Menschen, die in Luftschutzkeller Zuflucht zur Musik finden, gemeinsam singen, Musik machen, sich Mut machen.

Das war damals so, ja. Man sollte sich zwar genau überlegen, welches Lied man in Kriegsgefangenschaft oder in Krisensituationen hören möchte, aber es stimmt: Musik stärkt eine Gemeinschaft. Getreu dem Motto: „Hier kommen wir durch“.

Sie sind im Hamburger Stadtteil Winterhude zu einer Zeit aufgewachsen, als weite Teile der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört waren. Wie sehr hat Sie diese Erfahrung geprägt?

Das waren Jahre des Wiederaufbaus. Wir haben in meiner Kindheit gesehen, dass die Trümmer nach und nach weggeräumt wurden. Manchmal haben wir auch in den Trümmern gespielt, was nicht ungefährlich war und eigentlich verboten war.

Haben Sie sich deshalb bis heute einen gewissen Pragmatismus bewahrt?

Jedenfalls haben uns unsere Eltern keine Vorlesungen gegeben, sie haben einfach ihren Alltag gelebt. Meine Mutter hat gearbeitet und wir Kinder haben mitgeholfen, das war ganz normal und ist für mich bis heute so geblieben.

Auch beim Musizieren?

Singend kann ich mich oft besser ausdrücken als im Gespräch. Songs entstehen aus einer Stimmung oder Laune heraus und sind für mich eine komprimierte Meinung, die musikalisch präsentiert wird.

Viele Ihrer größten Erfolge hat Ihr Vater nicht mehr erlebt. Er nahm sich 1980 im Alter von 62 Jahren das Leben. Hat er Ihnen viel über den Krieg erzählt? Schließlich diente er als Marine und geriet in niederländische Gefangenschaft.

Sehr wenig. Die Erlebnisse waren wahrscheinlich zu hart und zu dramatisch, um sie in irgendeiner Form an Kinder weiterzugeben. Aber er sagte uns, dass er an Bord des Marineschiffes sehr wichtig sei und vielen Menschen Anweisungen geben könne. An Land war das nicht mehr möglich. Er war nicht mehr der Chef, nur Papa. Und ich glaube nicht, dass er mit dieser Dichotomie sehr gut umgegangen ist.

Wie spiegelte sich das in seinem Verhalten wider?

Grundsätzlich war er ein positiver Mensch, aber er war ein für die damalige Zeit typischer Vater. Vor allem wollte er uns Kindern sagen was wir zu tun haben und jeder der Kinder hat weiß das auch Kinder widersprechen und nicht immer so leicht zu überzeugen sind und damit musste er irgendwie umgehen. Heute denke ich aber viel mehr an meine Mutter, die mich auch musikalisch geprägt hat und meiner Karriere viel mehr folgen konnte.

Sie bezeichnen sich selbst als „konservativ“. Was genau meinst du damit?

Naja, das ist ein bisschen kurz… eine differenzierte Antwort braucht vielleicht etwas mehr Zeit.

Wir haben sie. Loslegen.

Ich bin in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen und stehe daher grundsätzlich den Ideen der Sozialdemokratie sehr nahe. Ich denke, es ist zwingend notwendig, dass es eine Balance gibt zwischen denen, die viel haben und viel geben könnten, und denen, die hart arbeiten, aber benachteiligt sind. Das geht durch viele Berufe. Insofern habe ich noch viele sozialdemokratische Ideale.

Aber?

Ich bin ein traditioneller Familienmensch. Wir leben es. Meine Frau und ich sind verheiratet, wir sind seit über 50 Jahren zusammen. Dieses Familienbild bedeutet uns sehr viel. „Familie und Trubel“, dieser Satz von Gerhard Schröder mit Bezug auf das Familienministerium – damit konnte ich nichts anfangen. Was die konservative Einstellung betrifft, bin ich jemand, der die traditionelle Familie sehr schätzt. Aber auch alle heute gewachsenen Familienbilder werden akzeptiert und respektiert. Natürlich gibt es so viele Alleinerziehende und gleichgeschlechtliche Beziehungen und mehr sollte es auch nicht sein, aber ich finde trotzdem, dass die traditionelle Familie sehr, sehr wichtig ist und nicht nur als Auslaufmodell gesehen werden sollte.

Welche Werte sind Ihnen noch wichtig?

Die Ökologie natürlich. Es gibt Dinge von den Grünen, die ich sehr nützlich finde. Wir müssen mit diesem Planeten so umgehen, dass er für unsere Urenkel noch bewohnbar ist, deshalb sind mir auch Gedanken der ökologischen Bewegung wichtig.

Zuletzt haben die Diskussionen um Waffenlieferungen die Medienlandschaft aufgewühlt. Auf welcher Seite standen Sie in dieser Frage – und warum beteiligen Sie sich nicht an Aktionen wie den Offenen Briefen an Bundeskanzler Olaf Scholz?

Weil ich keine klare Meinung habe. Ich bin politisch nicht so klug, wie viele Leute denken, dass ich es bin. Ich mache mir meine eigene Meinung. Aber dazu muss ich öffentlich nichts sagen. Wir haben eine gewählte Regierung, die meiner Meinung nach gut damit umgeht. Wir haben Leute in der EU und in der NATO, die viel tun, und ich hoffe, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen werden.

Ich höre: Wo andere Olaf Scholz Zögern und Zögern vorwerfen, sehen Sie eine überlegte, nachdenkliche Seite an ihm, die Sie schätzen?

Ja, natürlich. Schließlich ist es nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen, wenn es um Waffenlieferungen geht. Wir als Deutschland haben eine unglaubliche Verantwortung für das, was wir während des Krieges getan haben, und ich denke, eine gewisse Zurückhaltung und eine gute Abstimmung mit unseren Verbündeten ist sehr wichtig.

Sie ziehen also einen besonnenen Kanzler wie Scholz einem Regierungschef vor, der schnell und konsequent handelt?

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