Samstag, Mai 21, 2022
StartKULTUR UND KUNSTJulian Reim: "Ich konnte meine Miete nicht bezahlen"

Julian Reim: "Ich konnte meine Miete nicht bezahlen"

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Genau wie sein berühmter Vater Matthias Reim möchte auch Julian Reim als Musiker durchstarten. Im Interview mit theaktuellenews verrät er, wie es ihm geht Zu sein „Sohn von“ und gibt Einblick in die Beziehung zum Schlagerstar.

Matthias Reim ist einer der erfolgreichsten Sänger des deutschen Schlagers. Sein Sohn Julian Reim will ihm nun nacheifern. Mit Musik irgendwo zwischen deutschen Texten, Pop und Schlager hat er gerade sein Debütalbum „In meinem Kopf“ veröffentlicht. Seit gut zwei Jahren arbeitet er an seiner Karriere, veröffentlichte Singles, trat mit Florian Silbereisen auf – doch dann kam die Corona-Pandemie.

Julian wurde ausgebremst und es begannen schwierige Zeiten für den 26-Jährigen. Mit theaktuellenews blickt der Sänger auf seine bisherige Karriere zurück und spricht auch offen über psychische Probleme, mit denen er leben musste.

theaktuellenews: Sie sind Neuling. Mussten Sie jemals Ihren Vater um Hilfe bitten?

In der Tat. Ich konnte meine Miete nicht bezahlen und meinen Kühlschrank nicht füllen. Es ist natürlich ein Glück, dass ich aus einer prominenten Familie komme. Matthias war das Netz, das mich gefangen hat. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Es war nicht schön, ihn anrufen und um Hilfe bitten zu müssen. 2021 waren meine Ersparnisse weg.

Was hat dir so eine Phase angetan, in der du auch deine Familie um Hilfe bitten musst und es nicht so rund läuft?

Es war schlecht. Als Musiker definiere ich mein Selbstwertgefühl auch über meine Karriere. Und wenn du dann nichts erreichen kannst, fühlst du dich nicht gut. Ich hatte damals mit meiner Freundin eine Fernbeziehung. Wir haben uns kurz getrennt, sind jetzt aber wieder zusammen. Ich wusste nicht wohin mit mir.

War das eine Lektion in Demut?

Auf jeden Fall. Ich bekam den Plattenvertrag und dachte zuerst, ich wäre ein gemachter Mann, die Leute warten nur auf mich.

Das klingt nach einem „aber“.

Ich hatte einen tollen Start, trat in der Silbereisen-Show auf, bekam die Schlagershows und „The Big Ticket to the Hit Boom“ und plötzlich war ich in einer Millionen-Dollar-Show. Doch dann kam die Pandemie…

… was dich verlangsamt hat.

Neuankömmlinge werden gerne vergessen. Ich habe das Glück, dass ich wieder Kontakt gefunden habe und dass es wieder vorwärts geht. Aber all das hat mir eines gezeigt: Die Aufmerksamkeit, die man als „Sohn von“ bekommt, war für mich selbstverständlich. Daraus habe ich auf jeden Fall gelernt.

Werden Sie oft als „Sohn von Matthias Reim“ gesehen oder verbessert sich das mit Ihren eigenen Erfolgen?

Ich habe viele verschiedene Phasen durchlaufen, was meine Einstellung zu meinem Nachnamen betrifft. Gerade wenn man einen erfolgreichen Vater wie mich hat, will man es allen beweisen. Ich beschloss schließlich, mich nicht zu verstecken und meinen Nachnamen als Künstlernamen zu behalten.

Wie meinst du das?

Einige Türen haben sich geöffnet, weil ich diesen Nachnamen habe. Aber ich denke, ich verdiene es, durch diese Türen zu gehen. Ich ruhe mich nicht auf meinem Nachnamen aus. Ich arbeite dafür.

Das sagst du ganz offen. Andere würden sich jetzt um eine Antwort bezüglich ihrer Familie winden.

Es ist halt wie es ist. Andere Künstler müssen versuchen, die Aufmerksamkeit des Labels zu bekommen. Sie schicken ihre CDs an Plattenfirmen in der Hoffnung, auf Partys oder an den richtigen Orten die richtige Person zu treffen. Matthias hat mir die Möglichkeit gegeben, mein Material an eine Plattenfirma zu schicken. Also ja, ich habe von Vitamin B profitiert. Aber ich würde jetzt kein Album veröffentlichen, wenn die Musik niemanden überzeugen würde.

Kannst du jetzt von deiner Musik leben?

Ja, Gott sei Dank!

Sie gehen auch sehr offen mit Ihrer GA, Generalized Anxiety Disorder, um. Wie drückt sich das aus?

Das hatte ich zum ersten Mal 2018, als ich auf Mallorca war und nicht wirklich wusste, wie es mit meiner Karriere weitergeht. Mein Herz fing an zu rasen, ich hatte Probleme beim Essen und ich brach in Schweiß aus. Ich habe dann diese schreckliche Angstreaktion, aber es gibt keinen Grund dafür. Und weil es keinen gibt, versucht mein Verstand nach Gründen zu suchen. Das bringt dich in eine Spirale und du suchst so intensiv nach Gründen für diese Angst, dass die Angst immer größer wird.

Wie gehen Sie damit um?

Ich habe meine eigenen Wege gefunden, damit umzugehen. Es ist viel, viel besser geworden

Können Sie sich noch an Ihre erste Panikattacke erinnern?

Ich erinnere mich nicht an das erste Mal, aber ich erinnere mich an das erste Mal, als es nicht wegging. Ich war in meiner Wohnung auf Mallorca. Ich konnte nachts nicht schlafen und war tagsüber todmüde, weil mein Herz die ganze Zeit raste. Diese Angst tat körperlich wirklich weh. Ich konnte nichts mehr essen, was mich immer schwächer, immer müder und lustloser machte.

Wie geht Ihr Umfeld damit um, wenn Sie in einer solchen Phase stecken?

Es ist super schwierig für mich, mit mir selbst umzugehen. Sie wollen Ihren Freunden oder Ihrem Partner nicht zur Last fallen. Ich kristallisierte meine Symptome heraus und teilte sie meinen Mitmenschen mit. Damit sie verstehen, warum ich mich komisch verhalte.

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