Sonntag, Januar 23, 2022
StartKULTUR UND KUNSTMartin Kippenberger: Der Künstler, der zu viel Bier getrunken hat

Martin Kippenberger: Der Künstler, der zu viel Bier getrunken hat

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EINLtbier ist eine Spezialität aus dem Rheinland und Westfalen. Es gibt ihn in Rot-Braun-Tönen und wird meist aus runden, zylindrischen Gläsern getrunken – oder direkt aus der Dose. Martin Kippenberger (von 1953 bis 1997) war in den Achtzigerjahren häufiger Gast im Punkschuppen „Ratinger Hof“ in der Düsseldorfer Altstadt und wird dort das eine oder andere alte Schloss getrunken haben.

Insgesamt trank er gern, aber er schien auch kein Feinschmecker zu sein. „Alles anmaßend“, schrieb Susanne Kippenberger in ihrer Biografie ihres Bruders, „war ihm fremd, als der Kellner ihm den Korken eines teuren Rotweins reichte, um daran zu riechen, bekam er es ins Auge.“

Die Dose Bier ist die Antithese zu ausgefallenen Cocktails und komplexen Weinen. Du öffnest sie, trinkst sie und wirfst sie weg. Bierdosen sind semantisch mit dem Proletariat und der Subkultur verbunden. Selbst Kippenbergers multiple „Alkoholfolter“ (Bierdose, Plastik, Heftpflaster, 1989, monogrammiert, datiert und nummeriert, Schätzpreis 750 Euro) erscheint auf den ersten Blick naiv.

Auf dem Bogen befindet sich ein Aufnäher mit Initiale und Nummer, die Hälfte der drei Originaldosen wurde nicht angetastet. Laut Auktionshaus Christian Hesse, bei dem das Objekt in der Online-Auktion Moderne Kunst versteigert wird, handelt es sich um ein Geschenk von Kippenberger an einen Hamburger Galeristen.

Einige kennen vielleicht das 1981/82-Gemälde „Alkoholfolter“. Im Selbstporträt trägt der Künstler die hohlen Silikonringe um seine Handgelenke und reicht sie dem Betrachter wie eine Handschelle: Martin Kippenberger, ein Gefangener der beliebten Droge Ethanol.

Im Vergleich dazu erscheint das Multiple noch radikaler: Es ist ein Werk, das erst im Spiel von Bezügen, Sprache und Biografie des Künstlers seinen Wert gewinnt. Dass Auktionator Christian Hesse sie gerade anbietet, passt perfekt: Viele haben im Januar einen trockenen Monat. So können Sie ein Bier kaufen, das Sie mit Sicherheit nicht trinken werden.

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