Samstag, Mai 21, 2022
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Ralf Siegel: "Das habe ich nie verstanden"

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Heute Abend heißt es Daumen drücken, jubeln und jubeln. Ganz Europa blickt auf Turin, den Austragungsort des 66. Eurovision Song Contest. theaktuellenews sprach mit „Mr. Grand Prix“ Ralph Siegel.

Niemand sonst hat es

ESC geprägt wie er: Der deutsche Komponist Ralph Siegel hat bereits 25 Mal am europäischen Musikwettbewerb teilgenommen, davon 14 Mal für Deutschland.

Zu Beginn des Interviews bringt Siegel zunächst seine drei Hunde aus dem Raum, damit er sich ungestört unterhalten kann. Aus dem geplanten zehnminütigen Gespräch wurde eine halbe Stunde. Der 76-Jährige hat viel zu erzählen.

theaktuellenews: Herr Siegel, sitzen Sie heute Abend vor dem Fernseher und schauen sich den ESC an?

Ralf Siegel: Aber natürlich! Ich habe Freunde zu mir nach Hause eingeladen, um mit ihnen zuzuschauen. Wie jedes Jahr wird es ein sehr emotionaler Abend für mich. Viele Gedanken und schöne Erinnerungen kehren zurück. Und ich werde ein bisschen träumen, dass ich wieder dort sein kann.

Du möchtest wieder mitmachen?

Ja, sehr gleichmäßig! Es würde mich unglaublich glücklich machen. Ich habe dieses Jahr auch zwei wunderbare Songs für Deutschland eingereicht. Leider schafften sie es nicht einmal in die Vorrunde. Darüber bin ich sehr traurig.

Sie haben für Deutschland, aber auch für andere Länder am ESC teilgenommen. Hat sich das emotional anders angefühlt?

Natürlich vertrittst du lieber dein eigenes Land. Wenn das nicht funktioniert, versucht es der Komponist woanders. Die Teilnahme am ESC bereitet mir einfach große Freude. Außerdem bedeutet es, dass Millionen von Menschen zuschauen. Das macht mich als Komponist glücklich. Ich habe die ganze Welt mit meinen Eurovisions-Songs erreicht und hatte dadurch viele internationale Möglichkeiten. Kaum jemand weiß es, aber es gibt 100 Lieder von mir, die ins Afrikaans übersetzt wurden. Viele meiner Lieder werden auf Spanisch oder Italienisch gesungen. Ich mag es.

Wie nervös waren Sie vor jedem ESC-Auftritt?

Das war immer anders. Aber ich war nie extrem nervös. Ich habe ein gutes Bauchgefühl, dem ich vertrauen kann. Als ich 1982 mit Nicole und A Little Bit of Peace in Harrogate antrat, wusste ich schon vorher, dass wir gewinnen würden. Davon war ich absolut überzeugt. Ich sagte zu Nicole: „Wir werden heute Abend gewinnen, aber wir werden es noch niemandem sagen.“

Seitdem sind 40 Jahre vergangen. Leider ist die Botschaft des Liedes vier Jahrzehnte später sehr aktuell. Wie fühlst du dich?

Es ist so schrecklich, was gerade in der Ukraine passiert. Ich kann es nicht glauben und es tut mir so leid. Ein „bisschen“ Ruhe reicht nicht mehr aus. Der große Frieden muss heraufbeschworen werden. Leider weiß ich auch nicht wer das macht.

Obwohl Sie viele gute Platzierungen für Deutschland erreicht haben, wurden Sie von Presse und Kollegen bei jeder Teilnahme oft belächelt und nicht gerade nett behandelt. Wie war das für dich?

Nennen Sie es Neid oder Dummheit. Das habe ich nie verstanden. Einige Leute dachten: „Kann nicht einmal das Siegel aufhalten.“ Aber es wäre schlimm gewesen, wenn ich mit 37 aufgehört hätte. Ein Fußballprofi spielt auch so lange, bis er nicht mehr kann. Ein Picasso malte mit 90 Jahren noch. Warum also sollte ein Komponist aufhören? Wenn ich das getan hätte, wäre ich bestimmt nicht 76 geworden.

Sie werden im September 77 Jahre alt. Wie geht es deiner Gesundheit?

Ein Tag ohne Musik…

… ist für mich unvorstellbar! Ich arbeite jeden Tag und habe noch viele Ideen im Kopf und in der Schublade. Vom 19. Mai bis Mitte Juli wird mein Musical „Zeppelin“ in Füssen aufgeführt. Ich freue mich darauf und kann es kaum erwarten.

Ich mache weiter Musik, bis der liebe Gott mich in seine Band aufnimmt. Zum Glück spiele ich nicht so gut Klavier wie alle anderen, die schon oben sind. Ich würde gerne noch etwas länger hier unten bleiben.

Malik Harris wird Deutschland mit „Rockstars“ beim ESC vertreten. Welche Chance sehen Sie für die Sängerin?

Unserem Malik geht es sehr gut. Ich wünsche ihm, dass er so eine tolle Leistung abliefert wie in der Vorrunde. Er ist ein guter Performer, aber die Konkurrenz ist hart. Viele gute Künstler treten mit starken Songs und Performances auf. Es wird ihm nicht leicht fallen. Erst als Malik es schafft, sich auf Platz 1 in die Herzen des Publikums zu singen, wird nach ihm gerufen.

Was würdest du Malik auf der Bühne als guten Wunsch oder Ratschlag mit auf den Weg geben?

Ein kurzes Gebet kann nicht schaden.

Hast du einen Favoriten?

Ja. Stefan mit dem Song „Hoffnung“ für Estland. Aber egal wer gewinnt – ich freue mich für jeden Sänger. Jeder tut sein Bestes, um sein Land zu repräsentieren. So wie ich es immer getan habe.

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