Montag, Oktober 18, 2021
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Sobald getanzt wird, hebt dieser Film ab

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Die Regisseurin Katja von Garnier („Abgeschminkt“, „Ostwind“) drehte mit der Berliner Freestyle-Truppe „Flying Steps“ einen Tanzfilm. Es ist völlig unwichtig, dass die Handlung aus reinen Klischees besteht. Es ist eine Freude, den jungen Künstlern zuzusehen.

Der Schwierigkeiten beim Zusehen kommt schnell. Über die vorgeschnittenen, ästhetisch optimierten Decals und die völlig vorhersehbare Handlung, die hier wieder als deutsche Filmrealität präsentiert wird. Doch die Regisseurin Katja von Garnier hatte es seit ihrem Debüt 1993 mit der Hochschularbeit „Make up!“ nicht wirklich mit der Realität geschafft.

So sieht jetzt, fast 30 Jahre später, der am meisten gerockte Berliner Assi-Kietz in ihrem neuesten Opus „Fly“ immer noch super stylisch aus, selbst die Underdog-Wohnung hat Shabby Chic, der böse Autoritätshengst (Aleksandar Jovanovic) wohnt im edlen Glasdach-Loft , und Spree-Athen zeigt sich noch einmal routiniert von seiner schönsten touristenwütigen Oberbaumbrücke-zum-Tempelhofer-Feld-Seite: Die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche in Mitte wird zum malerischen Aufführungsraum und das alte DDR-Sport- und Erholungszentrum zu einem Rotziger Hip-Hop-Battle-Ort. Das Bode-Museum geht als lebendiger Skulpturengarten viral, und selbst die luftige Freitreppe im Haus der Kulturen der Welt dient als luxuriöser Krankenhauseingang. Zu schön um wahr zu sein.

Und dann die Story: Nach dem Brandtod ihres Bruders wird die von einem Feuer aus der Bahn geworfene Streetworkerin (Jasmin Tabatabai), die jetzt Taxi fährt, von ihrer besten Sozialtherapeutin (Nicolette Krebitz) zum Streetdance überredet mit einer Gruppe multikultureller sturer Jugendschläger, nicht nur als Reha-Maßnahme, um jeden offiziellen Widerstand und den eigenen Widerwillen zu überwinden, sondern um den verlorenen Seelen eine solche künstlerische Sichtbarkeit und sogar eine Zukunft zu geben. Die Klischees kreischen in jeder Bewegungskurve. Am Ende springt natürlich die perfekt abwechslungsreiche Fab Nine der flotten Breakdance-Truppe, ganz in Weiß gekleidet, als edles Ensemble ins Licht – Freeze. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Man merkt ganz schnell: Katja von Garnier dreht mit „Fly“ gerade einen selbstreferentiellen Nostalgie-Loop, in dem sie ihre alten „Bandits“-Kumpels (ja, Katja Riemann ist auch als freche Anwältin dabei) aufruft, damit diesmal Sie hört nicht auf zu singen, sondern spricht über das Tanzen als Versuch, auszubrechen. Doch je länger es dauert, desto klarer wird: Nicht das „Was“ interessiert hier fast kriminell vernachlässigt, sondern das „Wie“.

Denn man muss sich „Fly“ einfach als eskapistischen Musikfilm ansehen und dann kann man dieses eskapistische Feinmärchen auf jeden Fall genießen. Als deutsches „La-La-Land“ sozusagen. Es ist ein bisschen ausgebrannt, aber vor allem völlig unrealistisch. Die Dialoge sind aus Papier, die Kameraden aus Pappe. Trotzdem sieht es einfach schön aus, wenn die verkehrsunfall-mit-todtraumatisierte Bex (Svenja Jung) in ihrer Zelle in Zeitlupe in den ein- und ausströmenden Wellen rollt, in denen sie beinahe ertrunken und einen anderen verkrüppelt hätte. Natürlich verliebt sie sich zufällig in seinen ahnungslosen Bruder Jay (Ben Wichert).

Alle Klagen am Rande, denn „Fly“ hebt so richtig in einen anderen Raum ab, wenn die großen Tänzer der mittlerweile berühmten Berliner Freestyle-Truppe „Flying Steps“ in den Fokus rücken. Dann gibt es wirklich, befeuert von Torsten Breuers Kamera, der fließende musikalische Schnitt von Claus Wehlisch, Alexander Dittner, Sven Budelmann und Robert Eyssen, das sanft malende Licht, die mitreißenden kinetischen Ideen von vier Choreografen und die fette Klanglandschaft von Vivan und Ketan Bhatti Fireworks von Geschwindigkeit und Rhythmus niedergebrannt – flotte, aber auch poetisch. Und eine Augenweide.

Es ist also in Ordnung, wenn die Synergy Challenge angenommen wird und sogar Rilkes alter Panther ausprobiert wird. Sie können mit den Augen rollen, aber sie wackeln wie ein König mit dem Hintern auf dem Bildschirm. Und das willst du sehen!

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