Freitag, Juni 24, 2022
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7.200 Mitarbeiter fehlen an deutschen Flughäfen

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Während der Corona-Pandemie wurde nur sehr wenig geflogen, viele Mitarbeiter suchten nach neuen Jobs. Deshalb fehlt es mittlerweile an Fachkräften: An deutschen Flughäfen sind rund 7.200 Beschäftigte beschäftigt.

Flugausfälle nehmen zu, Reisende müssen mit Verspätungen und Warteschlangen rechnen. Laut einer Studie fehlen derzeit rund 7.200 Fachkräfte an deutschen Flughäfen. Gleichzeitig gibt es laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) „keine Reserven mehr auf dem Arbeitsmarkt“, um diese Lücken an Luft- und Bodenpersonal zu füllen.

Sie nimmt die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Branche, die stark unter den Einschränkungen gelitten hatte, genau unter die Lupe. Ab Ende 2019 wurde der Flugverkehr aufgrund der Pandemie zunehmend eingeschränkt, der Passagierverkehr kam zeitweise fast vollständig zum Erliegen. Die Autoren betonten, dass Personal abgebaut werden musste, viele Mitarbeiter sich umorientieren und nun nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Jetzt, wo Fliegen wieder möglich ist, decken wenige Mitarbeiter die hohe Nachfrage und es gebe „deutlich mehr offene Stellen als Arbeitslose“, so das IW. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten in der Luftfahrt zwischen 2019 und 2021 um rund vier Prozent geschrumpft.

Besonders betroffen ist den Angaben zufolge der Bereich der Servicefachkräfte im Luftverkehr, darunter Flugbegleiter. Hier sank die Zahl der Beschäftigten trotz Kurzarbeit von der Vorkrisenzeit 2018/2019 auf 2020/2021 um 15 Prozent. Die Zahl der sogenannten Facharbeiter im technischen Luftverkehr, zu denen beispielsweise Flugzeugabfertiger zählen, ging im gleichen Zeitraum um 12,9 Prozent zurück.

Besser sieht es bei den Piloten aus, wo die Mitarbeiterzahl nur um 1,5 Prozent zurückging. Ihr Wissen lässt sich der Studie zufolge kaum auf andere Arbeitsfelder übertragen. Fachkräfte im Kundenservice und in der Logistik hätten hingegen vergleichsweise gute Chancen gehabt, einen neuen Job zu finden, etwa im Zugverkehr oder im pandemiebedingt boomenden Onlinehandel.

Die entstehenden Lücken sind nicht einfach zu schließen, wie die Studie zeigt: Im April 2022 waren bundesweit rund 888 Stellen für Servicefachkräfte im Luftverkehr offen, aber nur 846 entsprechend qualifizierte Arbeitslose – daraus resultiert eine sogenannte Fachkräftelücke von 42 Personen. Im technischen Flugbetrieb ist dieser Abstand mit 633 noch größer.

Und der Fachkräftemangel dürfte sich verschärfen, denn laut Studie heben nicht mehr so ​​viele Flugzeuge ab wie vor der Corona-Krise. Zudem mussten mehrere für den Sommer geplante Flüge wegen Personalmangels abgesagt werden, darunter auch die Lufthansa. „Ein reibungsloser Start in die Sommerferien dürfte für viele eine unrealistische Hoffnung bleiben“, warnte IW-Ökonom Alexander Burstedde. „Mittelfristig muss die Branche daran arbeiten, als Arbeitgeber wieder attraktiver zu werden.“

Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di hat dieser Mangel die Arbeitsbelastung der verbleibenden Mitarbeiter extrem erhöht. Die Gewerkschaft fordert deshalb höhere Löhne für das Lufthansa-Bodenpersonal. Dies könnte die Suche nach dringend benötigtem zusätzlichem Personal erleichtern. Behle bezeichnete die Situation des Lufthansa-Bodenpersonals als prekär. Mehr als ein Drittel der Stellen wurden während der Corona-Krise abgebaut. Diese Arbeit müssten jetzt, da der Flugbetrieb schnell hochfährt, von den verbleibenden Mitarbeitern übernommen werden.

Die Lufthansa selbst hat mit ihrem drastischen Personalabbau dafür gesorgt, dass der Hochlauf nicht richtig gelingt. „Die Zeche dafür zahlen die Fahrgäste, vor allem aber die Mitarbeiter, die tagtäglich dem Ärger der Fahrgäste ausgesetzt sind.“

Ver.di fordert für rund 20.000 Lufthanseaten am Boden eine Gehaltserhöhung von 9,5 Prozent. Bei einer einjährigen Tarifvertragslaufzeit muss es mindestens eine Erhöhung des Monatsgehalts um 350 Euro geben, wie die Gewerkschaft mitteilte. „Nach drei Jahren Lohnkürzungen hat die hohe Inflationsrate die Beschäftigten besonders hart getroffen. Deshalb gilt es jetzt, die Beschäftigten mit deutlichen Lohnerhöhungen bei der Lufthansa zu halten und mit attraktiven Gehältern neue Mitarbeiter zu gewinnen“, erklärte die Abgeordnete ver .di-Chefin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa, Christine Behle. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 30. Juni geplant.

Lufthansa erklärte sich zu Verhandlungen bereit, Höhe und Dauer der Forderung seien aber angesichts der aktuellen Lage des Unternehmens schwer nachvollziehbar. „Die Herausforderungen des Konzerns werden nicht berücksichtigt“, hieß es in einer Mitteilung. Die während der Corona-Krise gestiegenen Schulden müssten abbezahlt werden. Darüber hinaus bergen hohe Kerosinpreise und der Krieg in der Ukraine konjunkturelle Risiken.



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