Dienstag, August 9, 2022
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Ab heute neue Regeln für nachhaltige Geldanlagen

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Geld anlegen und gleichzeitig Gutes tun – das ist gar nicht so einfach. Begriffe wie „grün“, „nachhaltig“ oder „klimafreundlich“ sind nicht geschützt. Neue EU-Richtlinien sollen für mehr Klarheit sorgen.

Grüne Investments boomen – vor allem in Europa und Deutschland. Laut dem Analysehaus Morningstar stammen 80 Prozent der Investitionen, die in grüne Investments geflossen sind, aus Europa. Allein aus Deutschland sind das insgesamt mehr als 130 Milliarden Euro: Laut dem aktuellen Bericht des Branchenverbands „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ haben Privatanleger in Deutschland ihre als nachhaltig geltenden Geldanlagen im vergangenen Jahr verdreifacht.

Die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für Wertpapierschutz, Jella Benner-Heinacher, stellt das wachsende Interesse an grünen Geldanlagen fest, rät aber zur Vorsicht: „Leider gibt es noch keine wirklich präzisen Mindeststandards und auch kein echtes Label das sagt: Es ist nachhaltig, also ist es grün.“ Dadurch „wird vieles, was eigentlich ein Klassiker ist, als grün verkauft“, sagt Benner-Heinacher.

Genau hier will die EU-Kommission mit einer Reihe von Verordnungen Licht ins Dunkel bringen. Unter dem Kürzel „Mifid II“ treten seit 2018 schrittweise neue Richtlinien in Kraft, die den Verkauf von Wertpapieren transparenter und gleichzeitig das Finanzsystem nachhaltiger gestalten sollen.

Ein weiterer Teil dieses Reformprogramms tritt heute in Kraft: Finanzberater müssen Anleger fortan explizit fragen, ob sie ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Doch auch hier lauern Fallstricke, glaubt Anlagestratege Christian Kahler von der privaten Vermögensverwaltung Kahler und Kurz Capital: „Wir kennen diese Prozesse: 20 bis 30 Seiten Kleingedrucktes werden ausgehändigt. Am Ende muss der Kunde noch unterschreiben.“ , und es besteht immer die Gefahr, dass im Detail nicht alles so genau gelesen wird.“

Verbraucherschützer raten ohnehin dazu, sich über das Kerngeschäft des Unternehmens oder des Fonds zu informieren. Denn manche Anbieter investieren nicht in Kohle oder Waffen, sondern investieren vor allem in höchst umstrittene Sektoren wie Atomkraft. Und das sogar mit EU-Siegel.

Denn die sogenannte EU-Taxonomie, eine Art Katalog für klimafreundliche Geldanlagen, soll Anlegern helfen, ihre Investitionen einzuordnen. Sie erkennt aber auch Investitionen in Gas und Atomkraft als klimafreundlich an. Das sorgte im Vorfeld für Kritik. Anlegeranwalt Benner-Heinacher hält es daher für entscheidend, dass Anleger sich Gedanken darüber machen, welche Kriterien ihnen beim Investieren wichtig sind: „Die meisten Anleger, die sich an uns wenden, wollen mit ihrer Investition auch etwas bewegen. Das nennt sich ein ‚Impact Fund‘.“

Die Idee nachhaltiger Geldanlagen findet der Experte zwar gut, aber: „Man sollte trotzdem sehr genau hinschauen und ganz wichtig, Kosten, Rendite und Risiken nicht aus den Augen verlieren. Nachhaltig heißt schließlich nicht ohne.“ Risiko und ohne Kosten.“

All diese Punkte lassen sich laut Experten nicht pauschal abwägen. Zumal die Nichtregierungsorganisation Finanzwende in einer Studie zu nachhaltigen Fonds festgestellt hat, dass sich deren Zusammensetzung kaum von herkömmlichen Fonds unterscheidet.

Auch Ölmultis mit schlechter Umweltbilanz oder Online-Händler mit fragwürdigen Arbeitsbedingungen wurden in sogenannte Nachhaltigkeitsfonds aufgenommen. Unterm Strich müssen Anleger genau hinschauen, wie nachhaltig die Unternehmen oder Fonds sind, in die sie investieren wollen.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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