Donnerstag, Februar 2, 2023
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Abschuss geschützter Arten Widerstand gegen die Trophäenjagd kommt aus Afrika

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Artenschützer in Afrika sind sauer: Auf einer Jagdmesse in Dortmund wird für Trophäensafaris in Afrika geworben. Beide Seiten werfen sich gegenseitig neokoloniales Denken vor.

Afrikas Naturschutzorganisationen sind empört über Europas größte Jagdmesse, die nächste Woche in Dortmund stattfindet. Der Grund: Bei der „Jagd und Hund“-Veranstaltung in der Westfalenhalle wird in Hochglanzmagazinen und auf großen Werbeplakaten für Trophäenjagden in Afrika geworben: Elefanten töten in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun, Reisen nach Namibia zur Wildtierjagd – eine teure Hobby, denn die entsprechenden Endzulassungen in den jeweiligen Ländern kosten Zehntausende von Euro.

„Unser Ziel ist es, eine wahrhaft afrikanische Perspektive zu vermitteln“, heißt es in einem offenen Brief der führenden afrikanischen Artenschutzorganisationen und der Welt an den Bürgermeister von Dortmund: „Afrikaner haben eine tiefe Abneigung gegen den neokolonialen Charakter der Trophäenjagd“, heißt es die Initiatorin des Briefes, Stefania Falcon vom Wild Animal Protection Forum South Africa (WAPFSA).

Auf Druck internationaler Naturschutzorganisationen haben die meisten afrikanischen Länder drakonische Strafen für die Jagd auf Wildtiere eingeführt. In vielen Ländern wird das Töten eines geschützten Wildtiers mit lebenslanger Haft bestraft. Gleichzeitig dürfen sich reiche, meist westliche Jäger mit viel Geld teure Abschussscheine kaufen und die erbeuteten Stoßzähne, Felle oder andere Trophäen mit nach Hause nehmen – in den Augen der Afrikaner eine enorme Ungerechtigkeit.

Es ist nicht das erste Mal, dass Europas größte Jagdmesse in die Kritik gerät. Die Veranstaltung findet seit über 40 Jahren mit weit über 80.000 Besuchern und rund 800 Ausstellern in Dortmund statt. Deutsche Jäger sind nach den Amerikanern Spitzenreiter bei Jagdreisen nach Afrika. Zwischen 2016 und 2021 wurden Trophäen von 3779 Tieren international geschützter Arten nach Deutschland importiert, darunter 142 Leoparden, 138 Flusspferde, 140 Braunbären, 119 Elefanten und 103 Löwen – also Tiere, deren Bestände als „gefährdet“ gelten.

Für die Einfuhr ist eine Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz erforderlich. Dieser prüft auch die Ausfuhrgenehmigungen aus den Ländern, in denen das Tier geschossen wurde. Seit 2021 fordern die weltweit führenden Artenschutzorganisationen jedoch von der Bundesregierung, diesen Import ganz einzustellen.

Einige europäische Länder haben die Einfuhr solcher Trophäen bereits verboten. Im Jahr 2015 stellte Frankreich nach viel Aufregung als erstes Land in Europa den Import von Löwentrophäen ein. 2016 verhängten die Niederlande ein Einfuhrverbot für Trophäen aller gefährdeten Arten. In Großbritannien wird derzeit über ein entsprechendes Gesetz diskutiert, und in Belgien hat das dortige Parlament die Regierung aufgefordert, ein Importverbot einzuführen. Finnland hat im Dezember ein entsprechendes Gesetz verabschiedet.

Weltweite Tierschutzverbände, darunter eine Ethikgruppe der Weltnaturschutzunion (IUCN), forderten im vergangenen Jahr die grüne Bundesumweltministerin Steffi Lemke auf, ein Importverbot einzuführen. Daraufhin teilte das Ministerium im April 2022 mit: „Aufgrund artenschutzrechtlicher Auflagen wollen wir die Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten so weit wie möglich reduzieren.“ In Einzelfällen soll die Einfuhr solcher Trophäen komplett verboten werden, insbesondere „wenn Zweifel an der Nachhaltigkeit und Legalität der Jagd bestehen“, so das Ministerium.

Gegen diese Ankündigung gehen Deutschlands Jäger nun auf die Barrikaden. Der Internationale Jagdrat (CIC) in Deutschland und der Deutsche Jagdverband (DJV) erklären in einer gemeinsamen Pressemitteilung: Ein Importverbot ist quasi „neokoloniales“ Denken: „Es ist das Recht souveräner Staaten, ihre eigenen natürlichen Ressourcen zu nutzen nachhaltig“, argumentieren die Jäger . „Die Jagd auf besondere Tierarten wie Eisbären kann ein Rechtsanspruch indigener Völker wie der Inuit sein – Importverbote stellen daher eine Menschenrechtsverletzung dar.“ Bis zu 90 Prozent der Jagdeinnahmen würden in den Schutz von Lebensräumen und die Beschäftigung der lokalen Bevölkerung fließen.

Die Naturschutzorganisation IUCN weist diese Behauptung zurück. Die IUCN hat errechnet, dass die lokale Bevölkerung Afrikas im Durchschnitt nicht einmal umgerechnet 2 Cent pro Person und Jahr durch Jagdtourismus verdient, wenn überhaupt. In vielen Ländern findet die Jagd nicht einmal in staatlichen Schutzgebieten statt, sondern auf privatem, eingezäuntem Ackerland – hiervon profitieren weder die afrikanische Staatskasse noch die Bevölkerung.

Im Dezember einigte sich die Weltgemeinschaft auf der Endangered Species Conference in Kanada auf ein Rettungspaket für die Artenvielfalt und kündigte an, 30 Prozent des Planeten als Schutzgebiete ausweisen zu wollen. Deutschland ist einer der größten Geber dieses Plans. Vor diesem Hintergrund macht eine gleichzeitige Werbung für die Trophäenjagd in Dortmund keinen Sinn, so Afrikas Artenschutzverbände.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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