Freitag, Juni 24, 2022
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Affenpocken – Die WHO überprüft den internationalen Gesundheitsnotstand

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Wegen der Affenpocken hat die WHO das Notfallkomitee einberufen, um zu prüfen, ob es einen internationalen Gesundheitsnotstand ausruft. Es gebe ähnliche Anlaufschwierigkeiten wie 2020, sagt ein Genfer Virologe.

An der Glastür des Hochsicherheitslabors des Universitätsspitals Genf hängt ein handgeschriebener Zettel mit Warndreiecken in Neonschrift: «Reinigungspersonal kein Zutritt – Affenpocken». Hier werden täglich neue Proben von Verdachtsfällen aus der Schweiz untersucht. Aufsteigende Tendenz.

Die Virologin Isabella Eckerle leitet das Genfer Zentrum für neuartige Viruserkrankungen. Sie vermutet eine hohe Dunkelziffer: Denn die Infizierten haben oft Symptome, die den Bildern in medizinischen Lehrbüchern kaum ähneln.

„Das Problem ist, dass wir die Krankheit bisher hauptsächlich aus Afrika kennen, dass es sich um ein Virus handelt, das wir in unseren Regionen bisher nicht kannten“, sagt Eckerle. „Das heißt, man muss daran denken, dass eine Hautläsion durch Affenpocken verursacht werden kann.“

Eckerle sagt: „Die Kombination all dieser Faktoren hat es in den letzten Wochen und Monaten, vielleicht sogar Jahren, erschwert, diese Fälle zu erkennen.“

Auch Christian Lindmeier von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht größten Handlungsbedarf bei der Diagnose und generellen Erkennung möglicher Affenpockeninfektionen – unabhängig davon, ob die internationalen Experten des WHO-Notfallkomitees die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands empfehlen oder nicht.

„Rot bedeutet nicht, dass uns die Katastrophe ereilt, und grün bedeutet nicht, dass wir damit überhaupt kein Problem haben“, sagte Lindmeier. „Es ist wichtig, dass alle Länder testen.“ Bisher sind Affenpocken hauptsächlich bei Männern sichtbar geworden, die Sex mit Männern haben.

„Aber es kann wirklich jeden treffen“, sagt Lindmeier. „In afrikanischen Ländern, in denen Affenpocken endemisch sind, sind Säuglinge an Affenpocken gestorben. Das ist der ernste Teil – jeder kann sich damit infizieren.“

Anders als das Coronavirus können Affenpocken auch durch gemeinsam genutzte Dinge – zum Beispiel Bettwäsche oder Handtücher – übertragen werden.

„Denn diese Viren sind in der Umwelt relativ stabil“, erklärt Virologe Eckerle. „Das heißt, sie können relativ lange außerhalb des Körpers überleben. Auch über gemeinsame Gegenstände im selben Haushalt kann man sich anstecken.“

Die gute Nachricht sei, dass die meisten Infektionen derzeit relativ mild verlaufen, sagt Eckerle. Auch Erfahrungen und Strukturen der Corona-Pandemie-Eindämmung könnten genutzt werden.

Aber auch die Gesundheitssysteme sieht sie vor neuen Herausforderungen: „Das ist nur ein weiterer neuer Erreger. Bis vor kurzem hatten wir überhaupt keine kommerziellen Tests.

„Wir hatten am Anfang eigentlich die gleichen Probleme wie beim SARS-Coronavirus2 – dass man die Tests validieren will, dass man Positivkontrollen zwischen Laboren austauschen will“, sagt Eckerle. „Sie haben die gleichen Anfangsschwierigkeiten wie wir im Januar 2020.“

Täglich werden aus verschiedenen Ländern neue Infektionen oder Verdachtsfälle gemeldet. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 2.100 bestätigte Fälle in 42 Ländern.

Es seien vor allem drei Kriterien, die erfüllt sein müssten, um wegen Affenpocken – wie Corona – einen internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen, sagt WHO-Sprecher Lindmeier: „Eines ist eine ungewöhnliche Ausbreitung. Das andere ist ein Risiko einer internationalen Ausbreitung. Und das Letzte wäre, dass auf das Ganze international koordiniert reagiert werden muss.“

„Wenn diese drei Fragen mit einem klaren Ja beantwortet werden, besteht die Möglichkeit, einen Gesundheitsnotstand auszurufen“, sagte Lindmeier.

Ein möglicherweise entscheidender Unterschied zu den Anfängen der Covid-19-Pandemie ist, dass es bereits wirksame Impfstoffe gegen Affenpocken gibt. Sie sollten jedoch allen zur Verfügung stehen, die sie benötigen. Und zwar auf der ganzen Welt.

„Es gibt Impfstoffe. Und natürlich ist es wichtig, sie gerecht zu verteilen“, sagt Lindmeier. „Es ist nicht wichtig, hier die gesamte Bevölkerung zu impfen – also ist das, was wir im Moment über Covid wissen, sicherlich nicht notwendig. Im Moment geht es darum, bestimmte Bevölkerungsgruppen und natürlich auch das Pflegepersonal zu schützen. Der Impfstoff, das ist auf der Welt verfügbar, auch fair zu verteilen und nicht massenhaft in einem Gebiet.“



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