Donnerstag, Juni 23, 2022
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Als die deutsche Hoffnung im Kugelhagel starb

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Im Juni wollten dann weitere Attentäter Philipp Scheidemann mit Gift töten. Der sozialdemokratische Politiker wurde nur verschont, weil er sich mit einer Waffe wehrte. Der Grund: Scheidemann hatte am 9. November 1918 die Deutsche Republik ausgerufen.

Erzberger, Scheidemann und schließlich Rathenau: Für jede dieser Taten waren Mitglieder der Konsulorganisation verantwortlich. Gegründet wurde die Terrorgruppe von Hermann Ehrhardt, einem ehemaligen Offizier der Kaiserlichen Marine, der bereits 1920 im sogenannten Kapp-Putsch die Demokratie beseitigen wollte. Vergeblich griffen Ehrhardt und Konsorten daraufhin zu Attentaten.

Es waren dann Erwin Kern als Schütze und Hermann Fischer als Handgranatenwerfer, die Walther Rathenau am 24. Juni 1922 in Berlin ermordeten. Zuvor hatten sie die Gewohnheiten ihres Opfers studiert, Rathenaus Fahrer fuhr morgens fast immer dieselbe Route, es war fast immer dieselbe Uhrzeit. Auch Kern, 23, und Fischer, 26, fanden heraus, dass der Politiker keinen Personenschutz hatte. Genau das hatte Rathenau abgelehnt.

So hatten die beiden Mörder und ihr Fahrer Ernst Werner Techow Erfolg mit ihrem Plan. Die Flucht war jedoch weniger erfolgreich. Die Ermittler kamen den Tätern bald auf die Spur, und Ende des Monats waren ihre Namen im ganzen Land bekannt. Fahrer Techow wurde festgenommen, Kern und Fischer von der Polizei gefasst. Ersterer wurde von einem Beamten erschossen, sein Komplize beging daraufhin Selbstmord.

Nach Bekanntwerden des Mordes an Walther Rathenau stand Deutschland unter Schock. Bundeskanzler Joseph Wirth klagte im Reichstag: „Zuerst sollen die Führer der Republik fallen, dann soll die Republik selbst fallen.“ Er wird der nächste sein, wurde ihm von rechts gesagt, wie Autor Mark Jones schreibt.

In der Todesstunde Rathenaus zogen die Demokraten zusammen. Am 27. Juni 1922 strömten während einer Trauerfeier im Reichstag Zehntausende nach Berlin, um des Toten zu gedenken und ihre Solidarität zu bekunden. Harry Graf Kessler schätzte ihre Zahl auf über eine Million.

Bald verabschiedete der Reichstag das Gesetz zum Schutz der Republik, und zum Schutz der Republik wurde ein Staatsgerichtshof eingerichtet. Allerdings wurden die Lehren aus Rathenaus Tod zu wenig beachtet, wie das traurige Ende der Weimarer Republik 1933 beweist. „Worte erschrecken die Banditen nicht“, zitiert Mark Jones einen damaligen Reichstagsabgeordneten, der ein härteres Vorgehen gegen die Rechtsextremisten forderte. „Du musst diesem Biest deine Zähne zeigen.“

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