Freitag, Oktober 7, 2022
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Als erstes Ökosystem in Europa vergibt Spanien eigene Rechte an der Salzwasserlagune

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Die Natur als Klägerin? Als Ergebnis einer landesweiten Bürgerinitiative verlieh Spanien der Mar-Menor-Küste einen Personenstatus. Bürgerinnen und Bürger können nun für ihre Rechte für die stark verschmutzte Lagune kämpfen. Mit der Entscheidung wird Spanien zum europäischen Vorreiter im Kampf gegen die Umweltzerstörung.

Die Salzwasserlagune Mar Menor (Kleines Meer) an der spanischen Mittelmeerküste erhielt als erstes Ökosystem in Europa eine eigene Rechtspersönlichkeit mit durchsetzbaren Rechten. Das hat der Senat in Madrid mit großer Mehrheit beschlossen, nachdem ihm das Repräsentantenhaus bereits im April zugestimmt hatte. Lediglich die rechtspopulistische Partei Vox stimmte wie schon im April dagegen.

Mit Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens und der Veröffentlichung im Gesetzblatt kann jeder Bürger – auch wenn er selbst nicht betroffen ist – wegen einer vermuteten Rechtsverletzung in Europas größter Salzwasserlagune die Justiz anrufen. Ziel ist es, die Lagune als Ökosystem zu schützen. Ein Gremium aus sechs Vertretern der Behörden und der Gesellschaft soll den Schutz, Erhalt und die Wiederherstellung der Lagune überwachen.

Die Entscheidung geht auf ein in der spanischen Verfassung verankertes Bürgerrecht zurück, ein Gesetzgebungsverfahren auszulösen. Dafür müssen mindestens 500.000 Unterschriften gesammelt werden. Mehr als 640.000 Menschen haben die Initiative unterzeichnet.

Das flache Mar Menor ist seit Jahrzehnten vor allem durch intensive Landwirtschaft, aber auch durch Bergbau und Tourismus bedroht. Überdüngung fördert das Algenwachstum. Besonders bei Hitzewellen kann Sauerstoffmangel zum Massensterben von Fischen und anderen Wassertieren führen. Während des ungewöhnlich heißen Sommers in Spanien und weiten Teilen Europas war die Wassertemperatur im Mar Menor im August auf über 31 Grad gestiegen. Umweltschützer und Fischer entfernten in diesem Jahr mehr als 14.000 Tonnen Biomasse aus der Lagune.

Zuletzt war die Mar Menor im August 2021 umgekippt, als nach Tagen mit 40 Grad Lufttemperatur fünf Tonnen tote Tiere aus dem Wasser geholt wurden. 70.000 Menschen bildeten daraufhin eine 73 Kilometer lange Menschenkette um die Lagune. Der Umwelt ihre eigenen durchsetzbaren Rechte einzuräumen, sei eine „Revolution, die dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem, das den Planeten zerstört, Grenzen setzen wird“, sagte Philosophieprofessorin Teresa Vicente von der Universität Murcia im April.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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