Sonntag, Januar 29, 2023
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Angriff auf Wohnhaus Tragödie von Dnipro beendet kurze Ruhephase

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Wieder einmal setzt Russland eine unpräzise Rakete gegen eine dicht besiedelte Stadt ein. Bisher wurden 40 Todesfälle bestätigt, und die Zahl dürfte weiter steigen. Auch wenn das Wohnhaus in Dnipro nicht das Ziel der Russen war, kommt der Einsatz solcher Waffen einem Kriegsverbrechen gleich.

Nachdem Russland um die Neujahrsfeiertage Raketen- und Drohnenfeuer auf die Ukraine gestartet hatte, ließen die Luftangriffe auf die Ukraine und ihre Energieinfrastruktur für eine Weile nach. Allerdings war klar, dass eine neue schwere Angriffswelle nur eine Frage der Zeit ist. Die Tatsache, dass es in Kiew seit dem 6. Januar keinen Luftalarm gegeben hat, hat mehr Sorge als Beruhigung ausgelöst.

Am Samstag, dem orthodoxen Neujahr, war es soweit. Für die Hauptstadt begann der Schrecken des Tages früher als für den Rest des Landes: Kiew wurde am Morgen von lauten Explosionen geweckt, obwohl es zuvor keinen Fliegeralarm gegeben hatte. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerten die Russen modernisierte S-300- oder S-400-Raketen ab, die auch im Boden-Boden-Format eingesetzt werden können und auf die die Flugabwehr nicht schnell genug reagieren kann. Böse Überraschung für die Hauptstadt: Russland sollte nicht zu viele solcher Raketen haben, aber es trägt nicht zum Sicherheitsgefühl der Menschen bei, dass es ohne Luftalarm jederzeit zu Schlägen kommen kann. Unklar bleibt, ob Russland aus Weißrussland geschossen hat, was schon lange nicht mehr der Fall ist, oder aus der Region Brjansk.

Später am Tag wurde der übliche Beschuss fortgesetzt, hauptsächlich von strategischen Bombern aus der Nähe des Kaspischen Meeres. Den Zahlen zufolge war der Angriff kleiner als viele zuvor: Üblicherweise feuern die Russen rund 60 Raketen ab, diesmal waren es mehr als 30. Doch der Schaden an der Energieinfrastruktur war groß. Neben Kiew gab es Treffer in den Bezirken Charkiw, Iwano-Frankiwsk, Saporischschja, Lemberg und Winnyzja. Nach Angaben der ukrainischen Energieversorger besteht mittlerweile ein enormes Stromdefizit. Auch einige thermische Kraftwerke sind vorerst komplett ausgefallen. Immerhin helfen Temperaturen im Plusbereich, die Ausfälle etwas zu reduzieren.

Aber die Tragödie in Dnipro, wo eine russische Rakete einen Wohnblock traf, ist größer als der Schaden an der Infrastruktur. Mindestens 40 Menschen sind bisher gestorben, Tendenz steigend. Es ist ein ähnlicher Fall wie beim Beschuss eines Einkaufszentrums in Krementschuk im Juni, bei dem mindestens 21 Menschen ums Leben kamen. In beiden Situationen setzte Russland eine alte sowjetische Ch-22-Rakete ein, die Flugzeugträgern und Marineverbänden entgegenwirken sollte. Die Rakete ist sehr schnell, hat aber ein primitives Radar und gilt als äußerst ungenau.

Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass das Einkaufszentrum Kremenchuk und das neunstöckige Wohnhaus in Dnipro die beabsichtigten Ziele der Russen waren. Der Einsatz solch unpräziser Waffen in der Nähe von Wohngebieten hat dennoch den Charakter eines Kriegsverbrechens, weil bewusst der Tod von Zivilisten in Kauf genommen wurde. Gleiches gilt für den Einsatz älterer S-300-Raketen auf frontnahe Städte wie Saporischschja. Im Boden-Boden-Regime sind solche Flugabwehrraketen sehr ungenau.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Zerstörung in Dnipro nicht durch einen direkten Treffer verursacht wurde, sondern durch den Abschuss der Ch-22 durch die ukrainische Flugabwehr. Das behauptete der ehrenamtliche Berater des ukrainischen Präsidialamts Oleksiy Arestovych auf seinem YouTube-Kanal mit Blogger Mark Feygin, wo er als Privatperson auftritt. Arestovych begründete diese Ansicht später mit Informationen, die er von einem ehemaligen Flugabwehrsoldaten erhielt, der die Einschläge am Boden in Dnipro gehört haben soll. Während sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow heute indirekt auf Arestowytschs Worte bezog, dementierte die Führung der ukrainischen Luftwaffe seine Darstellung ausdrücklich.

Tatsächlich hat die Ukraine derzeit wenig bis gar keine technischen Möglichkeiten, um Ch-22-Raketen abzufangen – was sich mit der Lieferung von Patriot-Systemen ändern sollte. Keines der derzeit verfügbaren Systeme schafft es, eine so schnelle Rakete zu starten. Tatsächlich meldete die ukrainische Luftwaffe im vergangenen Jahr den Start von drei Ch-22-Raketen. Ihr Sprecher Jurij Ihnat sprach in Bezug auf diese Meldungen von „Fehlern“, was durchaus wahrscheinlich ist: Im Falle eines Beschusses bleibt die Lage auch für die Luftwaffe unübersichtlich, sodass erste Einschätzungen im Detail meist nicht ganz zutreffend sind.

Der eigentliche Skandal ist jedenfalls der systematische Einsatz von Waffen wie der Ch-22 gegen dicht besiedelte Städte wie Dnipro und Krementschuk, was einmal mehr zeigt, dass der russischen Führung die ukrainische Zivilbevölkerung egal ist. Das gilt auch für die russischsprachigen Ukrainer in Charkiw, Dnipro oder Saporischschja, die von der russischen „Sonderoperation“ geschützt werden sollen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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