Dienstag, Oktober 26, 2021
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Angst vor der Zukunft Steht Deutschland wirklich "vor einem Rückgang"?

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Große Probleme ohne absehbare Lösung: Wie eine neue Studie zeigt, sieht eine Mehrheit der Deutschen die Zukunft eher negativ. Die Reaktionen darauf sind ganz unterschiedlich. Aber es gibt auch Hoffnung.

Zwei Drittel der Deutschen haben laut einer Studie Zukunftsängste. Mangelndes Vertrauen in Staat und Institutionen sowie die Angst vor gesellschaftlicher Spaltung erzwingen den Rückzug ins Private. Gleichzeitig wächst aber auch die Bereitschaft eines Teils der Bevölkerung, allein oder mit Gleichgesinnten für eine lebenswerte Zukunft zu arbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative und tiefenpsychologische Studie des Rheingold Instituts in Köln in Zusammenarbeit mit der Stiftung Philosophie Identitätsstiftung in Düsseldorf.

Schwere Krisen hätten das Vertrauen in die Zukunft grundlegend erschüttert, sagte Rheingold-Gründer Stephan Grünewald. Die größte Zukunftsangst betrifft daher den Klimawandel mit seiner fortschreitenden Polarisierung und dem Auseinanderdriften der Gesellschaft. Das während der Corona- und Klimakrise erlebte staatliche Handeln wurde als unzureichend angesehen.

Dem Satz „Deutschland steht vor einem Niedergang“ stimmen laut Studie 61 Prozent zu, 88 Prozent stimmen der These „Wir stehen vor drastischen Veränderungen durch Krisen wie Corona und Klimawandel“ zu.

Viele Bürger befinden sich in einem Machbarkeitsdilemma: Einerseits würden sie die großen Probleme der Zukunft erkennen, andererseits konnten sie sich nicht vorstellen, wie diese überwunden werden könnten. Das Ergebnis: Rückzug ins Schneckenhaus, ins Privatleben.

Es lassen sich verschiedene Arten von Futures unterscheiden. Das Spektrum reicht von den Eingeschlossenen, die Zukunftsfragen lieber ignorieren oder die Vergangenheit verherrlichen, über die „Tribalisten“, deren Aktionsradius in der Nachbarschaft oder im Verein endet, bis hin zu den Missionaren, die sich zum Beispiel engagieren Veganismus.

Im Kleinen herrscht aber auch eine hoffnungsvolle Grassroots-Mentalität: Viele entwickeln das Gefühl, selbst etwas Sinnvolles zu einer besseren Welt beitragen zu können.

Nachbarschaftsinitiativen, veränderte Ess- und Konsumgewohnheiten, soziale und ökologische Netzwerke oder postkapitalistische Geschäftsmodelle rücken immer stärker in den Fokus. Dass diese vielen kleinen Pflanzen zu einem breiten gesellschaftlichen Trend zusammenwachsen könnten, ist derzeit die große Hoffnung eines ansonsten ernüchternden Bildes.

„Wir erleben einen Wendepunkt“, sagte Grünewald. Noch ist unklar, ob sich letztlich die Tendenzen zum Rückzug und zur weiteren Unterteilung durchsetzen oder die Kräfte der gesellschaftlichen Konvergenz und der Überwindung von Trennlinien.

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