Sonntag, Januar 23, 2022
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Antarktis: 60 Millionen Eisfischnester entdeckt

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Wissenschaftler aus Bremerhaven haben im Süden des antarktischen Weddellmeeres ein Fischbrutgebiet von der Größe der Insel Malta gefunden. Die Forscher sind fasziniert von der Tatsache, dass es nicht vor langer Zeit entdeckt wurde.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven erforschen seit Anfang der 1980er Jahre die Antarktis an Bord des Forschungsschiffs „Polarstern“. Bisher haben sie nur einzelne Eisfische und kleinere Nester gefunden.

Nun berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Current Biology“ über Erstaunliches: Nahe dem Filchner Schelfeis im Süden des antarktischen Weddellmeeres könnte es rund 60 Millionen Eisfischnester geben. Das Gebiet mit einer Gesamtfläche von 240 Quadratkilometern könnte das größte bisher bekannte Fischbrutgebiet sein. Es ist ungefähr so ​​groß wie die Insel Malta.

„Der Gedanke, dass ein so riesiges Brutgebiet von Eisfischen im Weddellmeer noch nicht entdeckt wurde, ist total faszinierend“, sagt Tiefseebiologe Autun Purser, der am Alfred-Wegener-Institut arbeitet.

Im Februar 2021 fotografierten und filmten die Forscher die runden, etwa 15 Zentimeter tiefen Fischnester mit einem Durchmesser von etwa 75 Zentimetern. Durch die Aufnahmen konnten sie mehr als 16.000 Nester bestätigen und mit Hilfe von Sonarsignalen vom Kameraschlitten sogar mehrere Hunderttausend aufspüren. Die Gesamtgröße berechneten die Wissenschaftler später.

Das Einzugsgebiet in einer Tiefe von 420 bis 535 Metern entspricht nach Angaben des Alfred-Wegener-Instituts einer Zone wärmeren Tiefenwassers aus dem Weddellmeer. Das Brutgebiet sei ein „extrem wichtiges Ökosystem für das Weddellmeer“, auch weil es ein begehrtes Ziel für Weddellrobben sei, die dort vermutlich auf Nahrungssuche gingen.

Die Entdeckung sei ein weiterer Beleg für die dringende Notwendigkeit, Meeresschutzgebiete in der Antarktis einzurichten, sagt Institutsleiterin Antje Boetius. Die Internationale Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresressourcen in der Antarktis hat bereits einen Vorschlag des Alfred-Wegener-Instituts vorgelegt, diesem aber noch nicht zugestimmt.

„Aber jetzt, da der Standort dieser außergewöhnlichen Brutkolonie bekannt ist, sollten Deutschland und andere Kommissionsmitglieder dafür sorgen, dass dort künftig kein Fischfang und ausschließlich nicht-invasive Forschung betrieben wird“, sagte Boetius.



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