Sonntag, Mai 22, 2022
StartNACHRICHTENAuch Lenkflugkörper sind Mangelware Russen nutzen Späne aus Spülmaschinen in Panzern

Auch Lenkflugkörper sind Mangelware Russen nutzen Späne aus Spülmaschinen in Panzern

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Nach US-Angaben zwingen US-Hightech-Sanktionen Russland nun dazu, Chips aus Haushaltsgeräten in Panzern und anderem Militärgerät zu verwenden. Aus dem gleichen Grund könnten den Moskauer Truppen bald die Lenkwaffen ausgehen.

Bei einer Anhörung im US-Senat machte Handelsministerin Gina Raimondo bemerkenswerte Aussagen über Russlands Versorgungsprobleme für den Krieg in der Ukraine. „Wir haben Berichte von Ukrainern erhalten, dass russische Militärausrüstung, die sie in der Kampfzone finden, mit Halbleitern gefüllt ist, die sie aus Geschirrspülern und Kühlschränken entnommen haben“, zitierte sie die „Washington Post“.

Grund dafür sind laut dem Minister die US-Sanktionen, die nach dem Angriff auf die Ukraine gegen Russland und Weißrussland verhängt wurden. Die US-Tech-Exporte nach Russland seien seit Beginn der Sanktionen Ende Februar um fast 70 Prozent zurückgegangen, sagte sie.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen die Exporte um 85 Prozent und wertmäßig sogar um 97 Prozent zurück, fügte ihre Sprecherin hinzu. Raimondos Aussage basiert auf dem Bericht ukrainischer Beamter. Demnach wurden in russischen Panzern nicht nur Halbleiter aus Haushaltsgeräten gefunden, sondern auch aus Maschinen, die in Gewerbe- und Industriebetrieben eingesetzt werden.

Die Handelsministerin teilte dem Senat mit, sie habe Berichte erhalten, dass zwei russische Panzerfabriken bereits die Produktion wegen fehlender Komponenten eingestellt hätten. Laut einem Bericht des Weißen Hauses handelt es sich um das Tscheljabinsker Traktorenwerk und dessen Muttergesellschaft Uralwagonsadov.

Die meisten Chips und andere Hightech-Komponenten werden mit US-Patenten oder Patenten aus anderen westlichen Ländern hergestellt. Viele dieser Waren durften schon vor dem Angriff vom 24. Februar nur mit einer Sondergenehmigung nach Russland verschifft werden, wenn sie für militärische Zwecke entwickelt wurden. Unter das Embargo fallen inzwischen auch Komponenten oder Software, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.

Viele Chips & Co. werden zwar in China produziert, aber Moskau hat wenig Hoffnung, von dort mit den begehrten Komponenten beliefert zu werden. Wie die USA bisher nur beim chinesischen Konzern Huawei, müssen Unternehmen weltweit mit Sanktionen rechnen, wenn sie verbotene Waren nach Russland oder Weißrussland verkaufen, die US-Patenten unterliegen oder mit US-Maschinen oder -Software hergestellt wurden. Ein Risiko, das auch chinesische Unternehmen fürchten, deren Hauptkunden im Westen sitzen.

Eine Analyse des britischen Royal United Services Institute for Defense and Security lässt erahnen, wie hart die Sanktionen die russische Militärindustrie treffen werden. In einem Beispiel listet es 12 Komponenten der automatisierten Funkstörstation Borisoglebsk-2 auf, die Tonnen von Komponenten aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Taiwan, Südkorea und den Niederlanden enthält.

Aber die Sanktionen sind wohl nicht der einzige Grund, warum Russland weiße Ware kannibalisieren muss, um seine Militärmaschine halbwegs am Laufen zu halten. Denn auch in westlichen Ländern herrscht aufgrund der Corona-Pandemie ein großer Mangel an Halbleitern und vielen anderen elektronischen Bauteilen.

Auch hier greifen Unternehmen offenbar zu „russischen Mitteln“. Die Chipknappheit sei inzwischen so schlimm geworden, dass große Industrieunternehmen Waschmaschinen anschaffen, um die Chips auszureißen und wiederzuverwenden, sagte ASML-Geschäftsführer Peter Wennink dem Wirtschaftsportal „Protocol“. ASML ist der weltweit größte Anbieter von Lithografiesystemen, die für die Halbleiterindustrie unverzichtbar sind. Nahezu jeder Chiphersteller ist ASML-Kunde.

In einer solchen Mangelsituation eine großangelegte militärische Offensive zu starten, zeugte entweder von großer Dummheit des Kreml, von der Unkenntnis der eigenen Abhängigkeit oder – wahrscheinlicher – von der Überzeugung, dass sie in wenigen Tagen abgeschlossen sein würde.

Ein weiteres Beispiel für das russische Hightech-Dilemma sind die immer knapper werdenden Lenkflugkörper. Damit Marschflugkörper und Co. selbstständig ihr Ziel finden, werden auch Chips benötigt. In einem Pentagon-Briefing sagte ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums, es sei bekannt, dass Russland bereits viele seiner präzisionsgelenkten Munition „verbrannt“ habe.

Ein Beispiel dafür ist Mariupol, wo zunehmend „dumme Bomben“ eingesetzt werden. Die Sanktionen haben es den Russen erschwert, die Vorräte wieder aufzufüllen, sagte der Beamte, „insbesondere wenn es um einige der elektronischen Komponenten geht, die in präzisionsgelenkter Munition verwendet werden.“

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