Samstag, November 26, 2022
StartNACHRICHTENAuch Schulmädchen protestieren Zwei junge Frauen im Iran getötet

Auch Schulmädchen protestieren Zwei junge Frauen im Iran getötet

- Anzeige -


Obwohl das Mullah-Regime im Iran das Internet drosselt, gehen die landesweiten Proteste weiter. Auch Schüler machen mit. Zwei junge Frauen bezahlen ihren Widerstand mit ihrem Leben. Tagelang galten sie als vermisst.

Gewalt gegen Demonstranten im Iran hat laut Human Rights Watch bereits fast hundert Menschen das Leben gekostet. Unter ihnen sind zwei junge Frauen, die bei den Protesten von Polizisten getötet worden sein sollen. Laut Amnesty International starb die 16-jährige YouTuberin Sarina Esmailzadeh, nachdem Sicherheitskräfte sie mit Schlagstöcken auf den Kopf geschlagen hatten. Ihr Tod wurde erst gemeldet, als die Behörden die Leiche freigaben. Ihre Familie hatte zuvor zehn Tage lang nach ihr gesucht.

Auch die 17-jährige Nika Shakarami verschwand am 20. September plötzlich während einer Protestkundgebung in der Hauptstadt Teheran. Seitdem wird sie von ihrer Familie vermisst. Ihre Angehörigen suchen in Gefängnissen, Krankenhäusern und sogar Leichenschauhäusern nach ihr, schreibt die britische Zeitung „The Sun“.

Atesh Shakarami, Nikas Tante, sagte gegenüber BBC Farsi, die junge Frau habe das Haus mit einer Flasche Wasser und einem Handtuch verlassen. Beides diente der Abwehr von Tränengas. Kurz vor ihrem Tod soll sie einen Freund angerufen haben. Sie sagte, sie sei „auf der Flucht vor den Sicherheitskräften“.

Nach tagelanger Suche kam die Gewissheit: Das Mädchen war in einem Leichenschauhaus identifiziert worden. Sie erlitt einen Schädelbruch und ihre Nase war zerschmettert. Die offizielle Todesursache war laut BBC Farsi ein Sturz aus großer Höhe. Angehörige glauben der offiziellen Version jedoch nicht. Nikas Familie glaubt es nicht, weil Bilder die am Boden liegende Leiche zeigen sollen; ihr Handy und eine Wasserflasche wurden „fürs Foto“ neben ihr arrangiert. Ihre Mutter wollte nicht schweigend trauern und schloss sich den Protesten auf der Straße an, wie ein Video auf Twitter zeigt.

An der Teheraner Sharif-Universität kam es in der Nacht zu Montag zu gewalttätigen Zusammenstößen: Die Polizei ging mit Tränengas und Paintball-Waffen gegen rund 200 Demonstranten vor. Offenbar kam es auch in Schulen zu Protesten. Von der kurdischen Menschenrechtsgruppe Hengaw veröffentlichtes Videomaterial zeigte Schulmädchen, die in zwei Städten in der iranischen Provinz Kurdistan protestierten. Im Zentrum von Mariwan riefen sie „Frauen, Leben, Freiheit“. Das Video konnte zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.

Auslöser der Proteste im Iran war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die junge Kurdin wurde am 13. September von der Sittenpolizei in Teheran festgenommen, offenbar weil sie das islamische Kopftuch nicht vorschriftsmäßig trug. Nach ihrer Festnahme brach Amini unter mysteriösen Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt. Nach Angaben der in Oslo ansässigen Organisation Iran Human Rights (IHR) wurden bei den Protesten bisher mindestens 92 Menschen getötet. Mehr als tausend Menschen wurden festgenommen.

Aufgrund der Einschränkungen im Internet gibt es derzeit nur wenige Informationen zu den Demonstrationen. Augenzeugen zufolge finden auch Proteste auf Hausdächern statt. Nachbarn versammeln sich dort und rufen systemkritische Parolen. Unklar ist das Schicksal eines Musikers: Der iranische Sänger Schwerwin Hajipur hatte mit einem Protestsong mehr als 40 Millionen Klicks auf Instagram – doch das Video wurde am Donnerstagabend entfernt. Der Sänger soll im Norden des Landes festgenommen worden sein. Das Lied mit dem Titel „Für“ beschreibt unter anderem die Forderungen der Demonstranten. „Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben, nach Tanzen auf der Straße, nach Küssen ohne Angst“, heißt es in dem Song.

In Berlin hat ein 34-Jähriger versucht, einen Brandanschlag auf die iranische Botschaft zu verüben. Der Mann habe am Montagnachmittag eine Flüssigkeit auf den Bürgersteig vor dem Botschaftsgebäude im Stadtteil Dahlem gegossen und angezündet, teilte die Polizei mit. Beamte des Hausschutzes bemerkten dies und hielten den Mann fest, bis weitere Beamte eintrafen. Ruß blieb auf einem Steinbetonsockel des Zauns und einem daran befestigten Schild zurück. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand. Der 34-Jährige wurde nach erkennungsdienstlicher Behandlung aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Das Handy des Mannes, mit dem er die Tat gefilmt haben soll, wurde beschlagnahmt. Der Staatsschutz übernahm die weiteren Ermittlungen.

Als Reaktion auf das gewaltsame Vorgehen gegen friedliche Demonstranten im Iran haben die USA weitere Sanktionen gegen Teheran angekündigt. Die USA würden „iranische Beamte weiterhin zur Rechenschaft ziehen und das Recht der Iraner unterstützen, ungehindert zu protestieren“, sagte US-Präsident Joe Biden am Montag (Ortszeit) in Washington.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare