Donnerstag, Januar 20, 2022
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Australien entzieht Djokovic das Visum

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Australien hat dem Tennis-Weltranglistenersten Djokovic das Visum entzogen. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes liegt dies im öffentlichen Interesse. Djokovic weigert sich, sich gegen Corona impfen zu lassen.

Er darf, er darf nicht, er darf – und jetzt wieder nicht. An einem Freitag kurz vor 18 Uhr Ortszeit kündigte Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke in einer schriftlichen Erklärung an, dass er dem Weltranglistenersten das Visum entziehe. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes liegt dies im öffentlichen Interesse. Aber was bedeutet das konkret für die Australia Open?

„Es ist eine Regel, dass Herr Djokovic jetzt wieder in einem Abschiebelager festgehalten wird“, erklärt der frühere Einwanderungsminister Abdul Rizwi. „Ich vermute, dass es das gleiche Abschiebehotel sein wird, in dem er zuvor untergebracht war. Seine Anwälte haben bereits eine einstweilige Verfügung beantragt, damit Herr Djokovic noch bei den Australian Open spielen kann. Ein Richter wird das alles berücksichtigen – und eine Entscheidung treffen Entscheidung.“

Dass der beste Tennisspieler der Welt ab Montag bei den Australian Open spielt, ist also nicht ganz ausgeschlossen – aber äußerst unwahrscheinlich. Beobachter rechnen nicht mit einer Entscheidung über Djokovics Berufung vor dem Ende des Grand-Slam-Turniers.

Einwanderungsminister Alex Hawke brauchte lange, um das Visum zu stornieren – das öffentliche Interesse ist riesig. Er habe keine Fehler machen wollen, alle Fakten sorgfältig geprüft, schreibt sein Büro.

Da waren die Widersprüche bei der angeblich überwundenen Covid-Erkrankung, die er als Grund für die Einreise ohne Impfung angab, den Verdacht der Manipulation seines angeblich positiven PCR-Tests. Oder das falsch ausgefüllte Anmeldeformular: Darin wird gefragt, ob er in den vergangenen zwei Wochen gereist ist – und Djokovic hat „nein“ angekreuzt.

Der in Monaco lebende Tennisprofi spielte in dieser Zeit sowohl in Spanien als auch in seiner Heimat Serbien. Während das eher nach einem Flüchtigkeitsfehler als nach einer vorsätzlichen Lüge aussieht, sind die Regeln sehr klar, dass eine falsche Darstellung ein schweres Vergehen ist.

Minister Hawke hat möglicherweise schon lange darüber nachgedacht, ein Gerichtsurteil außer Kraft zu setzen. Am Montag hatte ein Gericht in Melbourne die Abschiebung von Djokovic für rechtswidrig erklärt, weil die Serben bei der Befragung am Flughafen zu stark unter Druck gesetzt worden seien.

In rot-blau-weiße Fahnen gehüllte serbische Fans skandierten nach dem Urteil „Free Nole“ – es klang, als würde ein Freiheitskämpfer gefeiert. Es kam zu Unruhen und die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Die Szenen in Melbournes Straßen jetzt nach dem Ministerbeschluss verheißen nichts Gutes, die Stimmen aus Belgrad auch nicht. Ein zum Nationalhelden stilisierter Tennisspieler, Djokovics Vater vergleicht ihn mit Jesus, seine Mutter beschuldigt die australischen Behörden, ihren Sohn gefoltert zu haben.

Für die überwiegende Mehrheit der Australier muss der Einwanderungsminister jedoch aus dem Herzen gesprochen haben, als die Serben rausgeschmissen wurden.

Ein Zuschauer aus Melbourne fasste die Gefühle der meisten zusammen: „Er ist ein egoistischer, ungeimpfter Irrlichter, der vor der Wahrheit davonläuft und keinen Respekt vor dem zeigt, was wir hier in Victoria durchgemacht haben. Sie sollten ihn zum nächsten bringen So schnell wie möglich in den Flieger nach Hause steigen und sein Vater sollte ernsthaft mit seinem Sohn sprechen, anstatt Unsinn zu verbreiten und ein absolutes Chaos in Serbien zu verursachen.“

Die Australian Open-Stadt Melbourne hatte 262 Tage Sperrzeit – das ist Weltrekord. Familien wurden getrennt – viele sahen ihre Liebsten anderthalb Jahre nicht, durften nicht an Hochzeiten oder Beerdigungen teilnehmen. Mehr als 90 Prozent aller Australier sind mittlerweile vollständig geimpft, doch die Zahlen steigen wieder rasant an, Neuinfektionen knacken erstmals die Millionengrenze. Die Sympathien für den bekennenden Impfgegner Djokovic sind Down Under also überschaubar.



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