Donnerstag, Juni 23, 2022
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Bahn-Aufsichtsratsvorsitzender Odenwald tritt zurück

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Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Michael Odenwald, hört vorzeitig auf. Das teilte er nach der Entscheidung zur Neuordnung des Vorstands der Deutschen Bahn mit – und Äußerungen des Verkehrsministers zum Sanierungsstau im Konzern.

Die Deutsche Bahn verliert überraschend ihren bisherigen Cheflotsen. Aufsichtsratsvorsitzender Michael Odenwald hat heute seinen Rücktritt zum 1. Juli bekannt gegeben. Findet sich bis zum Ausscheiden Odenwalds kein Nachfolger, übernimmt zunächst sein bisheriger Stellvertreter, der Chef der Gewerkschaft Eisenbahn und Verkehr (EVG), Klaus-Dieter Hommel, den Aufsichtsratsvorsitz.

Der 64-jährige Jurist leitet das Aufsichtsgremium seit April 2018 und war bis März 2025 bestellt. Er ist seit 2012 Mitglied des Aufsichtsrats. „Nach zehn Jahren Tätigkeit im Aufsichtsrat ist es Zeit für einen Wechsel ”, sagte Odenwald nach der heutigen Aufsichtsratssitzung, ohne weitere Gründe für sein Ausscheiden zu nennen.

Laut einem Bericht des „Spiegel“ soll Odenwald wegen einer Pressekonferenz von Bahn-Chef Richard Lutz und Verkehrsminister Volker Wissing verärgert gewesen sein. Gestern stellten Lutz und Wissing ein neues Konzept zur grundlegenden Sanierung des maroden Bahnnetzes zwischen 2024 und 2030 vor.

Wissing hatte kritisiert, dass die Infrastruktur „jahrelang vernachlässigt und durch Unterfinanzierung und politisches Versagen an ihre absolute Grenze getrieben“ worden sei. Der FDP-Minister kündigte an, die Bahnen stärker zu beobachten und die Interessen des Bundes als Bahneigentümer gegenüber dem Aufsichtsrat durchzusetzen – obwohl der Bund dort selbst vertreten ist.

Zuvor hatte der DB-Konzern eine Neuordnung des Bahn-Vorstands angekündigt. Zwei neue Mitglieder treten dem Vorstand bei: die 49-jährige Evelyn Palla und der 51-jährige Michael Peterson. Palla ist die dritte Frau im achtköpfigen Vorstand der Deutschen Bahn. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Infrastrukturdirektor Ronald Pofalla war eine Neuordnung der Führungsspitze notwendig geworden. Der ehemalige CDU-Politiker arbeitet heute für ein Immobilienunternehmen.

Nachfolger von Pofalla wird ab dem 1. Juli Berthold Huber, der bisherige Vorstand für Personenverkehr. „Herr Huber ist seit über 20 Jahren für die Deutsche Bahn tätig“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Odenwald. Unter anderem hatte sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für Huber als neuen Infrastrukturchef ausgesprochen.

Als Infrastrukturvorstand muss sich der 58-Jährige nun der vordringlichsten Aufgabe im Bahnunternehmen stellen: der Sanierung des maroden Streckennetzes. Ab 2024 sollen die wichtigsten Korridore saniert werden, jährlich zwei bis drei dieser Abschnitte. Allerdings sind noch viele Fragen offen.

Die Deutsche Bahn leidet zunehmend unter den Folgen ihres überlasteten Netzes mit kaputten Weichen, veralteten Stellwerken und vielen Baustellen. Aufgrund der Probleme nehmen die Verzögerungen zu.

Hubers bisheriger Aufgabenbereich Personenverkehr wird künftig in eine Regional- und eine Fernverkehrsabteilung aufgeteilt. Evelyn Palla, bisherige CFO der DB-Tochter DB Fernverkehr, kümmert sich künftig um den Regionalverkehr. Der bisherige DB-Fernverkehrschef Michael Peterson übernimmt im Vorstand die Verantwortung für den Fernverkehr. Das neue Führungsteam sei „jünger und weiblicher denn je“, erklärte Bahn-Chef Lutz.

Palla muss unter anderem klären, wie es mit dem Neun-Euro-Ticket weitergeht. Das noch bis September erhältliche Ticket hat für einen Ansturm auf die Regionalzüge gesorgt. Über 16 Millionen Tickets wurden verkauft.



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