Freitag, Juni 24, 2022
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Baukredite für nachhaltige Immobilien sind oft günstiger

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Die Immobilienbranche kämpft mit den Folgen steigender Bauzinsen. Gleichzeitig soll sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Folge: In vielen Fällen gibt es beim Kauf nachhaltigerer Immobilien bessere Kreditkonditionen.

In der Immobilienbranche sind die Sorgen groß: Im Fokus stehen vor allem die stark steigenden Bauzinsen. Im ersten Halbjahr stiegen sie von weniger als einem Prozent auf über drei Prozent. Dadurch werden Wohnungsbaudarlehen deutlich teurer.

Hermann-Josef Tenhagen vom „Finanztipp“ rechnet vor: „Wenn ich einen 400.000-Euro-Kredit aufnehme, musste ich vor neun Monaten 1.300 Euro im Monat zahlen, jetzt muss ich 2.000 Euro im Monat zahlen“, sagt er.

Insgesamt wird das Bauen teurer – auch wegen der dramatisch gestiegenen Material- und Rohstoffkosten. Der Traum vom Eigenheim ist für viele in weite Ferne gerückt. Da die Banken die Zinsen an den Inflationserwartungen orientieren, könnten die Zinsen noch weiter steigen. Experten halten vier bis fünf Prozent für realistisch.

Zuschüsse werden immer wichtiger – zum Beispiel von der staatlichen Förderbank KfW. Die Nachfrage ist so groß, dass viele Fördermittel bereits ausgeschöpft sind. Doch gerade beim nachhaltigen Bauen gibt es Bewegung. Immer mehr Banken gewähren Kunden günstigere Zinsen, wenn sie sich für energieeffiziente Häuser oder Wohnungen entscheiden.

Dies gilt auch für die GLS Bank. „Der Zins setzt sich aus Refinanzierungskosten und Risikokosten zusammen“, erklärt Benedikt Altrogge, Branchenkoordinator Wohnungswirtschaft bei GLS: „Natürlich gehören auch Nachhaltigkeitsrisiken dazu, denn wir gehen davon aus, dass wir, wenn wir eine nachhaltige Immobilie haben, auch eine haben auch ein geringeres Ausfallrisiko bei der Kreditvergabe. Dadurch können wir auch andere Konditionen anbieten als bei rein konventionellen Gebäuden.“

Das ist für Kunden lukrativ und hilft auch, den Klimazielen näher zu kommen. Bisher waren Immobilien eher eines der großen Probleme im Klimaschutz. Wie die Universität Stuttgart errechnet hat, sind Gebäude für gut ein Drittel des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich.

Noch wichtiger als wirtschaftliches Bauen sei die Sanierung bestehender Gebäude, sagt Wolfgang Schuster vom Institut für nachhaltige Stadtentwicklung in Stuttgart. „Entscheidend ist, dass wir den Bestand sowohl ökologisch als auch sozial sanieren. Das sage ich ganz bewusst. Denn technisch kann man natürlich machen, was man will“, sagt Schuster. „Aber am Ende muss es sich rechnen. Rechnen Sie damit, dass der Mieter es maßgeblich mitfinanzieren muss und das sozialverträglich sein muss.“

Das ist auch ein Problem für Immobilienkonzerne wie Vonovia. Die Sanierung von Bestandswohnungen wird komplizierter und Neubauprojekte werden aufgrund der schwierigen Finanzierung immer unattraktiver. Dies spiegelt sich auch an der Börse wider. Die Aussicht auf höhere Zinsen treibt Anleger aus Immobilienpapieren. Seit Jahresbeginn hat die Vonovia-Aktie fast ein Viertel ihres Wertes verloren. TAG Immobilien sogar die Hälfte.

Ein weiteres Problem für die Branche sind die Immobilienpreise. Sie kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach oben. Das ändert sich jetzt. Steigende Zinsen würden sich auch auf die Preise auswirken, sagt Ralph Henger, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft IW. „Wir können uns durchaus vorstellen, dass die Preise in den kommenden Monaten und dann vielleicht mittel- bis langfristig sinken oder stagnieren“, sagt Henger. Nicht nur, weil die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern zurückgeht, sondern auch, weil andere Anlageformen für Investoren attraktiver werden.



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