Montag, September 26, 2022
StartNACHRICHTENBefreite Gebiete bei Izyum: Folterräume und Hunderte von Gräbern

Befreite Gebiete bei Izyum: Folterräume und Hunderte von Gräbern

- Anzeige -


Schreckensbilder in den befreiten Gebieten bei Isjum: Nach ukrainischen Angaben starben viele Opfer bei russischen Angriffen, manche verhungerten, manche wurden gefoltert. Die UN nennt die Funde schockierend.

Hunderte Gräber und mehrere „Folterräume“ wurden in der Region Charkiw entdeckt, die von ukrainischen Truppen zurückerobert wurde. Insgesamt wurden 443 Gräber in der Nähe von Izyum gefunden. Laut ukrainischen Quellen handelt es sich bei den Leichen überwiegend um Zivilisten.

Auch die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf ukrainische Behörden von einem Grab mit 17 Soldaten. Augenzeugen berichten von einem weiteren Fund – rund 200 Holzkreuze wurden in der Nähe eines Friedhofs entdeckt.

Die ukrainischen Behörden haben heute mit der Exhumierung der Leichen begonnen.

Die Gräber seien während der Kämpfe um die Eroberung Isjums durch Russland im März und während der russischen Besatzung ausgehoben worden, sagte Oleg Kotenko, Regierungsbeauftragter der Ukraine für Vermisste. Einige Menschen starben an Hunger. „Dieser Teil der Stadt war abgeschnitten, es gab keine Versorgungsmöglichkeiten“, sagte Kotenko.

Nach Angaben des Leiters der Staatsanwaltschaft von Charkiw, Oleksandr Filchakov, weisen einige der exhumierten Leichen Folterspuren auf. Einige wurden mit auf den Rücken gefesselten Händen und Seilen um den Hals gefunden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, die Stätte sei ein Beispiel dafür, „wohin die russische Besatzung geführt hat“.

Der ukrainische Polizeichef Ihor Klymenko beschuldigte russische Soldaten, in der Region Charkow Kriegsverbrechen in großem Umfang begangen zu haben: „Bis heute haben wir mindestens zehn Folterkammern in verschiedenen Siedlungen gefunden.“ Zwei davon stehen in der Stadt Balaklija, einer auf dem Gelände der örtlichen Polizeistation: „Das war ein Souterrain, eine Einzelzelle. In den Zellen waren etwa 40 Menschen.“

Seit letzter Woche wurden mehr als 200 Strafverfahren gegen russische Soldaten wegen Kriegsverbrechen eingeleitet.

„Monatelang herrschten in den besetzten Gebieten Terror, Gewalt, Folter und Massenmord“, twitterte Zelenskyi-Berater Mykhailo Podoliak zu Fotos eines Waldes, der mit Holzkreuzen auf frischem, schlammigem Boden übersät ist. „Will noch jemand den Krieg ‚einfrieren‘, anstatt Panzer zu schicken? Wir haben kein Recht, die Menschen mit dem Bösen allein zu lassen“, schrieb Podoliak.

Das Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen kündigte an, Beobachter nach Izyum zu entsenden. „Sie wollen dorthin gehen, um mehr darüber herauszufinden, was passiert sein könnte“, sagte Sprecherin Liz Throssell. Sie nannte die Funde schockierend. Wann ein solcher Besuch stattfinden könnte, ist noch unklar.

Russland hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. In der Vergangenheit hat der Kreml bestritten, dass seine Truppen Gräueltaten begehen oder Zivilisten angreifen.

Unterdessen dämpften ukrainische Beamte nach einer Woche rascher Vorstöße im Nordosten die Erwartungen, dass ihre Truppen in diesem Tempo weiter vorrücken könnten. Russische Truppen, die aus der Region Charkiw geflohen sind, sollen sich verschanzt haben und planen, Gebiete in den benachbarten Provinzen Luhansk und Donezk zu verteidigen.

„Es ist natürlich äußerst ermutigend zu sehen, dass die ukrainischen Streitkräfte in der Lage waren, Territorium zurückzuerobern und auch hinter die russischen Linien vorzudringen“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg der BBC. „Gleichzeitig müssen wir verstehen, dass dies nicht der Anfang vom Ende des Krieges ist. Wir müssen uns auf eine lange Zeit einstellen.“

Die ukrainische Armee hingegen greift nun massiv die südliche Region Cherson an. Laut Sprecherin Natalia Humenyuk haben die Truppen in den vergangenen Stunden Hunderte von Angriffen auf russische Einheiten verübt. Laut Humenjuk steht fast die gesamte Region Cherson unter ukrainischem Beschuss. Obwohl diese Informationen derzeit nicht unabhängig überprüft werden können, wurden ukrainische Angriffe auf Cherson von der dort stationierten pro-russischen Regierung bestätigt.



Quelllink

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare