Mittwoch, Oktober 27, 2021
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Belastung für Verbraucher: Wie teuer wird Energie?

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Ob zum Heizen, Tanken oder bei der Stromrechnung: Verbraucher müssen immer mehr Geld für Energie bezahlen. Was sind die Gründe? Bleibt es beim Trend? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mit Beginn der Heizsaison belasten die stark gestiegenen Energiepreise die Haushalte. Zweistellige prozentuale Zuschläge innerhalb eines Jahres lassen vielen Bundesbürgern in ihrem Haushaltsbudget keinen Spielraum. Der Anstieg der Energiepreise hat eine Reihe von Ursachen und Auswirkungen – und Experten gehen davon aus, dass die Verbraucher längerfristig mit höheren Kosten für Benzin, Gas oder Strom rechnen müssen.

Die Energiepreise haben in den letzten Monaten die gesamte Inflationsrate in Deutschland in die Höhe getrieben. Laut Statistischem Bundesamt sind die Kosten im August um 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Heizöl stieg im Durchschnitt um 57 Prozent, Treibstoff um 27 Prozent.

Bei Erdgas liegen die durchschnittlichen Kosten eines Haushalts mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch laut Vergleichsportal Verivox im Oktober 2021 mit durchschnittlich 1402 Euro pro Jahr rund 300 Euro höher als ein Jahr zuvor. Für Strom müssen die Verbraucher 9,3 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahr. Ein Privathaushalt, der 4.000 Kilowattstunden pro Jahr benötigt, zahlt mit 1255 Euro jetzt rund 100 Euro mehr.

Den rasanten Preisanstieg für Gas und Rohöl bzw. Benzin in den letzten Wochen führen Experten auf mehrere Faktoren zurück. Der Zusammenschluss der Ölförderländer OPEC+ hielt Anfang Oktober an der Steigerung der Ölförderung um 400.000 Barrel pro Tag fest. Angesichts der stark gestiegenen Nachfrage nach dem coronabedingten Einbruch im vergangenen Jahr ist dies jedoch weniger als erwartet. Öl bleibt knapp und daher teuer. Im europäischen Gasmarkt haben leere Gasspeicher und Wartungsarbeiten an der Infrastruktur zu einem rasanten Preisanstieg geführt. Tanker mit Flüssigerdgas (LNG), das hauptsächlich aus den USA kommt, steuern Asien statt Europa an, wo noch höhere Preise erzielt werden können. Auch Spekulationen von Finanzmarktakteuren auf dem Gasmarkt halten Experten für einen Faktor. Die Beschaffungspreise für Erdgas und Strom am Terminmarkt haben sich Experten zufolge in den letzten Monaten in etwa verdreifacht.

Die extremen Preissteigerungen der vergangenen Woche sind Experten zufolge eher vorübergehender Natur. Wenn sich die Gasspeicher füllen und auch die neue Pipeline North Stream 2 mehr Gas liefert, dürften die Preise sinken. Russland hat bereits angekündigt, mehr Gas nach Europa zu transportieren. Das russische Unternehmen Gazprom wird damit als Lieferant für die EU noch wichtiger. Langfristig werden sich die Verbraucher aber wohl an steigende Preise für Benzin, Gas oder Strom gewöhnen müssen. Dies ist aufgrund der höheren CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe auch klimapolitisch gewollt.

Frankreich, Italien und Spanien haben bereits angekündigt, den Anstieg der Energiepreise zu kappen oder mit Steuerrückerstattungen abzufedern. Die ersten Rufe nach EU-weiten Erleichterungen für Verbraucher sind laut. In Deutschland hat beispielsweise der Städte- und Gemeindebund kürzlich die Einführung einer Heizkostenförderung für Geringverdiener und sozial benachteiligte Haushalte gefordert. Die neue Bundesregierung wird sich demnächst mit dem Thema beschäftigen müssen – zumal es auf europäischer Ebene Anzeichen für Bewegung gibt. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen sich auf ihrem Gipfel Ende Oktober mit den hohen Gaspreisen auseinandersetzen. Ziel könnten beispielsweise gemeinsame Gaseinkäufe für Europa sein. Auch Vorschläge für eine strategische Gasreserve wurden ins Spiel gebracht.

Steigende Energiepreise haben in Deutschland und Europa zu einem deutlichen Anstieg der Inflation geführt. Da bei der Herstellung vieler Güter Energie aufgewendet werden muss, tendieren viele Produkte dazu, teurer zu werden. Dies zeigt sich bereits an den massiv gestiegenen Großhandelspreisen, wird aber auch den Einzelhandel treffen.

Wenn es um das Energiesparen im privaten Bereich geht, haben Verbraucher viele Möglichkeiten. So lässt sich beispielsweise der Stromverbrauch durch sparsame Elektrogeräte oder LED-Lampen reduzieren. Der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters kann sich gerade jetzt lohnen, Vergleichsportale bieten Orientierung. Wer die Spritkosten niedrig halten möchte, kann Apps auf seinem Smartphone nutzen, die den Fahrern die besten Zeiten und Tankstellen anzeigen.

In vielen Haushalten sind auch durch Investitionen niedrigere Heiz- oder Stromkosten möglich, beispielsweise in eine bessere Gebäudedämmung oder die Umrüstung auf eine moderne Gas- oder Wärmepumpenheizung. Viele Maßnahmen werden mit staatlichen Zuschüssen oder Krediten finanziert. Schließlich reduziert eine eigene Solaranlage die Abhängigkeit vom Stromanbieter deutlich. Darüber hinaus gibt es eine staatliche Förderung in Form von Einspeisevergütungen für Solarstrom.

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