Sonntag, September 25, 2022
StartNACHRICHTENBGH: Konkrete Corona-Gefahr rechtfertigt Absage der Reise

BGH: Konkrete Corona-Gefahr rechtfertigt Absage der Reise

- Anzeige -


Dürfen Reiseveranstalter Stornogebühren erheben, wenn eine Pauschalreise wegen Corona storniert wird? Je konkreter das Ansteckungsrisiko ist, desto wahrscheinlicher ist es laut BGH, dass Sie kostenlos zurücktreten können.

Das Gesetz scheint in solchen Fällen eindeutig. Das Bürgerliche Gesetzbuch besagt: Pauschalreisende können vor Reiseantritt zurücktreten. Dafür kann der Veranstalter aber eine angemessene Entschädigung – dh Rücktrittskosten – verlangen.

Nur: Verbraucher müssen diese Entschädigung nicht zahlen, wenn unvermeidbare außergewöhnliche Umstände eintreten, die die Reise erheblich beeinträchtigen würden. Ist das weltweite Corona-Risiko ein solch unvermeidbarer und außergewöhnlicher Umstand, der einen kostenlosen Rückzug erlaubt?

Das sehen die Gerichte in Deutschland bisher ganz anders. Daher ist eine generelle Klarstellung durch das oberste deutsche Zivilgericht, den Bundesgerichtshof, wichtig.

Leider ist jeder Fall anders. Das zeigte sich heute, als der Bundesgerichtshof drei sehr unterschiedliche Klagen verhandelte. The Falls: Eine Ostseekreuzfahrt, eine Donaukreuzfahrt und ein Hotelurlaub auf Mallorca. Alle Pauschalreisen. Alles geplant für den Sommer 2020, in den ersten Monaten der Pandemie. Alle von Verbrauchern storniert.

Im ersten Fall hatte ein Mann, der im August 2020 eine Ostseekreuzfahrt unternehmen wollte, bereits im März sicherheitshalber angekündigt, die Reise nicht antreten zu wollen. Tatsächlich wurde die Reise später abgesagt.

Im zweiten Fall kündigte eine 84-jährige Frau, die die Donaukreuzfahrt unternehmen wollte, im Juni 2020 kurz vor Reiseantritt – ebenfalls mit Hinweis auf eine vorangegangene Lungenentzündung. Allerdings fand die Flusskreuzfahrt trotz Corona nur mit deutlich weniger Personen und einem Hygienekonzept statt.

Und im dritten Fall kündigte ein Mann gut einen Monat vor Antritt der Mallorca-Reise. Das Hotel, in das er mit seiner Familie wollte, war damals geschlossen.

In allen drei Fällen verlangen die Reiseveranstalter die Stornokosten. Eine große Frage: Was gilt, wenn ein Reisender zu einem Zeitpunkt storniert, zu dem noch nicht feststeht, dass die Reise eines Tages storniert wird?

Da es sich um EU-Recht handelt, muss diese grundsätzliche Frage vom höchsten Gericht der EU, dem EuGH in Luxemburg, geklärt werden. Wie die Ostsee-Kreuzfahrt enden wird, ist noch nicht klar. Im zweiten Fall – Rücktritt kurz vor Beginn der Flusskreuzfahrt – sagt der BGH: Das durfte die Frau. Die Ansteckungsgefahr war bereits sehr konkret.

Auch das geänderte Hygienekonzept musste sie nicht hinnehmen, zumal sie einer Risikogruppe angehörte. Auch mit weniger Reisenden ist der Platz auf einem Kreuzfahrtschiff ziemlich beengt. Sie hat also den Prozess gewonnen und muss keine Stornokosten zahlen.

Im dritten Fall ist dagegen noch alles offen. Das geplante Hotel auf Mallorca war geschlossen, andere hatten geöffnet. Und vielleicht hätte der Reiseveranstalter vorher etwas anderes anbieten sollen, bevor der Kunde kostenlos aussteigen durfte.

Was lernen andere daraus, die aus Angst vor Corona ebenfalls eine Reise abgesagt haben? Dabei kristallisiert sich eine Faustregel heraus: Je konkreter die Gefahr, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie kostenlos zurücktreten können. Aber in welchen Fällen Stornokosten berechnet werden können, wird wohl erst klar sein, wenn der Europäische Gerichtshof und der Bundesgerichtshof mehrere Fälle entschieden haben.



Quelllink

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare