Freitag, Juni 24, 2022
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Bildungsbericht 2022: Pandemie hat Probleme verschärft

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Die Corona-Pandemie hat einem neuen Länderbericht zufolge die Probleme im deutschen Bildungssystem verschärft. Und die Chancen im Bildungssystem sind nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig.

Die Corona-Pandemie beeinflusst weiterhin die Entwicklungen im deutschen Bildungssystem. In den vergangenen zwei Jahren wurden Familien, Lernende und pädagogische Fachkräfte mit erheblichen Mehrbelastungen konfrontiert, wie der neue „Bildungsreport 2022“ zeigt.

Die Pandemie hat bestehende Probleme wie den Fachkräftemangel, die Notwendigkeit der Digitalisierung und soziale Ungleichheiten bei den Bildungschancen verschärft. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine sei eine weitere Herausforderung, sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Kultusministerin Karin Prien (CDU).

Sie wies darauf hin, dass allein die Schulen bundesweit in den vergangenen Monaten zusätzlich 138.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine aufgenommen hätten.

„Chancengleichheit bleibt die zentrale Herausforderung“, betonte Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Es kann nicht sein, dass die soziale Herkunft hierzulande immer noch entscheidend für Bildungswege ist. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland unter dem Durchschnitt.

Sie wies auch darauf hin, dass die Pandemie bei Kindern und Jugendlichen „tiefe psychische und physische Spuren“ hinterlassen habe. Es soll demnach zu keinen erneuten landesweiten Schulschließungen kommen.

Gleichzeitig ist dem Bericht zufolge das Qualifikationsniveau der deutschen Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Demnach verfügten 2020 rund 26 Prozent oder rund ein Viertel der Menschen hierzulande über einen höheren beruflichen oder akademischen Abschluss. 2010 lag der Anteil um fünf Prozentpunkte niedriger. Laut Bildungsbericht haben nur 1,5 Prozent der unter 20-Jährigen keinen Abschluss.

Allerdings gibt es noch immer einen relativ konstanten Anteil an Erwachsenen ohne Berufsabschluss bzw. ohne Hochschulzugangsberechtigung. Besonders hoch ist dieser Zusammenhang bei Menschen mit Migrationshintergrund.

Der Bildungsbericht wird alle zwei Jahre von Experten im Auftrag des Bundes und der Länder erstellt, um einen Überblick über die Entwicklungen und den Stand des Bildungssystems zu geben. Alle Bereiche von der Kita über das Schul- und Hochschulsystem bis hin zur Erwachsenenbildung werden wissenschaftlich untersucht.

Insgesamt nahm die Zahl der Bildungsangebote zwischen 2010 und 2020 um vier Prozent oder rund 600.000 zu. Gründe dafür waren dem Bericht zufolge eine vorübergehend höhere Geburtenrate, Zuwanderung aus dem Ausland und ein allgemeiner Trend zum lebenslangen Lernen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Bildungseinrichtungen um vier Prozent oder rund 4.000, vor allem in Kitas und Universitäten.

Im Jahr 2021 lag der Anteil der in Kitas betreuten Drei- bis Sechsjährigen bei rund 92 Prozent, bei den unter Dreijährigen bei 34 Prozent. Das Angebot an Ganztagsschulen wurde in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Im Schuljahr 2005/2006 hatten nur 28 Prozent aller Schulen ein Ganztagsangebot, im Schuljahr 2020/2021 waren es bereits 71 Prozent. Gleichzeitig geht das Gutachten davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter steigen und insbesondere in den alten Bundesländern mehr als 500.000 zusätzliche Ganztagsplätze benötigt werden.

Diese und andere Entwicklungen führen auch im Bildungsbereich zu einem wachsenden Bedarf an Fachkräften. Dem Bericht zufolge werden es bis 2025 etwas mehr als hunderttausend sein. Mit der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung bis 2030 werden es bis zu knapp 66.000 mehr sein.

Dem Bericht zufolge gebe es Hinweise darauf, dass die Lesekompetenz bei Grundschülern im Jahr 2021 im Vergleich zu 2016 zurückgegangen sei. Ob dies allein an der Pandemie liege, sei mangels Daten noch unklar, sagte Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Lebenslanges Lernen, die gemeinsam mit anderen wissenschaftlichen Instituten den Bildungsbericht erstellt hat.

Erste Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Jungen, leistungsschwache Schüler und Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund oder aus sozial benachteiligten Familien in den vergangenen zwei Jahren besonders von negativen Folgen in der Lernentwicklung betroffen sein könnten.



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