Mittwoch, Februar 1, 2023
StartNACHRICHTENBluttat im Regionalexpress Messerangreifer war polizeibekannt

Bluttat im Regionalexpress Messerangreifer war polizeibekannt

- Anzeige -


In einem Regionalexpress zwischen Kiel und Hamburg richtet ein Mann am Mittwochnachmittag ein Blutbad an. Er sticht mit einem Messer auf andere Passagiere ein, tötet zwei Menschen und verletzt drei weitere schwer. „Es muss ein ganz großes Durcheinander gewesen sein“, sagt eine Polizeisprecherin zu den Ereignissen im Zug. Der Täter war zuvor mehrfach als Gewaltverbrecher aufgetreten.

Im Regionalexpress muss es furchtbare Szenen gegeben haben: Ein Angreifer hat im Zug von Kiel nach Hamburg zwei Menschen getötet und sieben Menschen verletzt, drei davon schwer. Dutzende Menschen waren Zeugen der Tat, tapfere Passagiere haben wohl Schlimmeres verhindert. Der Angreifer ist ein staatenloser Palästinenser, wie Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack am Abend am Bahnhof Brokstedt sagte. Der 33-Jährige wurde laut Polizei mit mittelschweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

„Die Hintergründe sind noch unklar, ebenso die Identität der Opfer“, sagte eine Polizeisprecherin. Aus Sicherheitskreisen hieß es, es gebe erste Hinweise, dass der Angreifer geistig verwirrt sein könnte. In Norddeutschland war er nach vorläufigen Erkenntnissen noch nicht als Extremist aufgefallen, es laufen Ermittlungen in alle Richtungen. Nach Informationen von „Spiegel“ und „Welt“ soll der Mann mehrfach bei der Polizei vorstellig geworden sein und laut NDR mehrere Vorstrafen haben. Zu den ihm zur Last gelegten Delikten zählen sexuelle Nötigung und zwei schwere Körperverletzungen. Er soll bis vergangene Woche in Untersuchungshaft gewesen sein. Laut NDR und „Spiegel“ saß er zuletzt in Untersuchungshaft. Der 33-Jährige wurde in Gaza geboren und kam 2014 nach Deutschland, schreibt der „Spiegel“, wo ihm 2016 der subsidiäre Schutzstatus zuerkannt wurde. Allerdings läuft derzeit ein Verfahren, ihm den Titel zu entziehen.

Der Mann sticht offenbar wahllos auf Passagiere ein, nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll er einer Frau die Kehle durchgeschnitten haben, bevor andere Passagiere ihn überwältigen konnten. Die Zeitung zitiert einen Zeugen, der berichtet, der Täter habe sich zunächst in einem anderen Zugabteil erstochen, „dann ist er bei uns aufgetaucht, hat das Messer gehoben. Ein Fahrgast hat einen Koffer nach ihm geworfen“, sagte der 61-Jährige.

Zeugen hätten den Angreifer festgenommen, teilte die Polizei mit. Demnach gelang es den Helfern, den Verdächtigen unmittelbar nach der Tat bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte zu stoppen. Sie hätten „den Täter vermutlich daran gehindert, Schlimmeres zu begehen“, sagte Sütterlin-Waack und dankte denen, die „mutig genug“ gewesen seien, „sich dem Täter entgegenzustellen“. Der Innenminister will am Donnerstagvormittag auf einer Pressekonferenz über den aktuellen Erkenntnisstand berichten. Die Bahn richtete eine Hotline für Betroffene und ihre Angehörigen ein.

Gegen 15 Uhr gingen bei der Polizei mehrere Anrufe von Fahrgästen ein. Der Zug wurde nach Benachrichtigung gestoppt, danach verlagerte sich das Geschehen auf den Bahnsteig, so die Sprecherin. Die Tat ereignete sich kurz vor Ankunft des Zuges am Bahnhof Brokstedt im Kreis Steinburg. Brokstedt ist eine kleine Gemeinde an der Bahnstrecke zwischen Elmshorn und Neumünster.

Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten sich rund 120 Menschen im Zug befunden, sagte eine Polizeisprecherin in Itzehoe. „Es muss ein sehr großes Durcheinander gewesen sein.“ Etwa 70 Zeugen wurden von der Polizei in einem nahe gelegenen Gasthof verhört und betreut. Der Zug verließ den Bahnhof Brokstedt wenige Stunden nach der Tat. Das Spurensicherungsteam war mit mehreren Kräften im Einsatz. Spurensicherungsbeamte in weißen Schutzanzügen arbeiteten an einem Bahnübergang mit offenen Schranken.

Wenige Meter vom Bahnhof entfernt wartete eine Frau aus Bad Bramstedt auf ihre Tochter. Der 18-jährige Student war mit dem Zug von der Universität in Kiel zurückgekehrt. „Sie hat gesehen, wie eine Person vier Reihen vor ihr auf jemanden eingestochen hat“, sagte die Mutter. Sie könne derzeit nicht mit ihrer Tochter sprechen, nur schreiben, sagte die sichtlich bewegte Frau. Die Tochter wartet noch auf eine Aussage bei der Polizei. Die junge Frau blieb unverletzt. „Aber ich denke, es geht ihr schlecht. Was für Leute machen das?“ Sagte die Mutter.

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser schrecklichen Tat und ihren Angehörigen“, twitterte Bundesinnenministerin Nancy Faeser und sprach von „verheerenden Nachrichten“. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sprach von einer schrecklichen und sinnlosen Tat, die zwei Menschen das Leben kostete. „Schleswig-Holstein trauert – es ist ein schrecklicher Tag“, sagte Günther in Kiel. Zum Gedenken an die Opfer werden am Donnerstag in Schleswig-Holstein Trauerfahnen gehisst.

In Brokstedt zeugten am Bahnsteig verteilte kleine Schilder mit Nummern von den schrecklichen Ereignissen, die sich kurz zuvor im Zug ereignet hatten. Die Ermittler gingen mit Kameras über den Bahnsteig, neben dem der Regionalzug „RE70 Hamburg Hbf“ stand. Eine Bäckerei nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt versorgte Rettungskräfte und Fahrgäste mit Heißgetränken und Backwaren. „Das ist für uns selbstverständlich“, sagt eine Verkäuferin.

Der Zugverkehr zwischen Flensburg und Hamburg sowie zwischen Kiel und Hamburg war für mehrere Stunden beeinträchtigt. Die Deutsche Bahn teilte am Abend mit: „Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Wir wünschen den Verletzten schnelle und vollständige Genesung.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare