Dienstag, Oktober 19, 2021
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Boom mit Hindernissen

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Die deutsche Wirtschaft wächst, aber Lieferprobleme hemmen das Wachstum. Und die Inflation? Wieder zurück, sagen Ökonomen.

Lieferprobleme bremsen den Aufschwung nach der Corona-Krise. Führende Wirtschaftsinstitute erwarten in ihrer Herbstprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr lediglich ein Wachstum von 2,4 Prozent. Im Frühjahr waren sie von 3,7 Prozent ausgegangen. Im Gegenzug erwarten die Forscher nun für 2022 einen stärkeren Aufschwung als zuvor. Bei der Inflation geben sie Entwarnung: Der Preisanstieg wird in den nächsten Jahren wieder geringer ausfallen.

Insgesamt erholt sich die deutsche Wirtschaft deutlich von der Corona-Krise. Die fünf führenden Institute geben an, dass die Unternehmen wieder stark einstellen. Viele Unternehmen leiden jedoch darunter, dass Chips und andere Vorprodukte fehlen, auch als Folge des weltweiten Aufschwungs nach Corona. Die Branche produziert weniger als zu Jahresbeginn. Deshalb senken die Forscher ihre Konjunkturprognose. „Im Frühjahr waren wir zu optimistisch in Bezug auf die Lieferkettenprobleme“, räumte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ein.

Auch im Winter wird die Pandemie das Wachstum wieder drosseln. Restaurants und andere Dienstleister werden in normalen Zeiten wahrscheinlich nicht so viele Kunden empfangen, wie sie können. Experten gehen davon aus, dass das Auftauchen neuer Virusvarianten die Weltwirtschaft belasten würde.

Erst ab Frühjahr 2022 wird die Pandemie keine nennenswerten Auswirkungen mehr auf die Wirtschaft haben. Die Forscher erwarten, dass sich auch die Lieferschwierigkeiten im Laufe des Jahres lösen. Sie gehen auch davon aus, dass die Verbraucher dann deutlich mehr Geld ausgeben werden: Einen Teil der Ersparnisse, die sie in der Corona-Krise zwangsläufig angesammelt haben, als Geschäfte und Restaurants geschlossen wurden. Im nächsten Jahr soll die Wirtschaft um 4,8 Prozent wachsen – statt wie bisher prognostiziert knapp vier Prozent.

Ökonomen teilen die Sorge vieler Bundesbürger nicht, dass die Preise weiter stark steigen. „Wir können Entwarnung für den akuten Inflationsdruck geben“, sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Im September lag der Preisanstieg vor allem aufgrund der Energiekosten mit 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr so ​​hoch wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Für das Gesamtjahr 2021 gehen die Institute allerdings nur von drei Prozent Inflation aus. Timo Wollmershäuser vom ifo Institut führt dies zur Hälfte darauf zurück, dass die Mehrwertsteuer in diesem Jahr wieder auf das gewohnte Niveau angehoben wurde – und dass Energie in der Corona-Krise billiger und nun entsprechend teurer geworden ist.

„Bei vielen Gütern und Dienstleistungen jenseits der Energie entwickeln sich die Preise bereits wieder normal“, sagte Wollmershäuser. Die Forscher sagen voraus, dass die Energie den Preisanstieg langsam abklingen lässt. Im nächsten Jahr erwarten sie eine Inflation von 2,5 Prozent. In den Folgejahren ging der Preisanstieg wieder auf Werte von rund zwei Prozent zurück.

Die Ökonomen warnen vor Eingriffen in den Gaspreis. „Das löst das Problem nicht“, sagt Kooths. Ein Preiserhöhungsrisiko wären aus ihrer Sicht hohe Tarifabschlüsse von über vier Prozent. Das erwarten sie jedoch nicht. Die Inflationserwartungen der Verbraucher für die Zukunft sind leicht gestiegen, aber nur leicht, so Oliver Holtemöller vom IWH. „Deshalb gibt es keine Signale, dass wir dauerhaft höhere Inflation bekommen.“

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