Donnerstag, Januar 20, 2022
StartNACHRICHTEN"Brauche eine Wende" - Studie: Krankenschwestern fliehen massenhaft aus ihrem Job

"Brauche eine Wende" – Studie: Krankenschwestern fliehen massenhaft aus ihrem Job

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Experten fordern eine Trendwende in der Pflege: Einer neuen Studie zufolge wollen zahlreiche Berufstätige ihre Arbeit aufgeben. Viele klagen darüber, dass sie ihren Job nicht mehr richtig machen können.

Schlechte Bezahlung, hoher Stress und zu wenig Zeit für Alte: Laut einer neuen Studie wollen viele Pflegekräfte in der Altenpflege in Deutschland ihren Job aufgeben.

40 Prozent der Befragten überlegen, ihren Job zu kündigen, sagte Bernadette Klapper, Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbandes der Pflegeberufe, am Donnerstag über die gemeinsam mit dem Vincentz Network Altenpflege Verlag initiierte Studie „Altenpflege im Fokus“. „Das ist alarmierend. Wir brauchen eine Trendwende in der Altenpflege.“

Für die Studie wurden im August und September 2021 insgesamt 686 Beschäftigte in der stationären Pflege befragt. Gleichzeitig kritisierte die Bertelsmann Stiftung, dass wichtige Informationen zur Qualität von Pflegeheimen, etwa zum Personaleinsatz, vorlägen in allen Ländern, wurde aber oft unter Verschluss gehalten und den Verbrauchern nicht zur Verfügung gestellt. Menschen, die ein Pflegeheim suchen, werden somit Informationen über wichtige Auswahlkriterien vorenthalten.

Experten haben laut dem Fachverlag errechnet, dass bis 2030 rund 500.000 Pflegekräfte fehlen werden. 73 Prozent der Befragten gaben an, der Personalmangel habe sich in den vergangenen zwei Jahren, mitten in der Corona-Pandemie, verschärft. 2018 sagten dies 71 Prozent. 68 (2018: 60) Prozent gaben an, dass es immer schwieriger werde, eine gute Versorgung sicherzustellen.

Das liegt auch daran, dass für die Bewohner zu wenig Zeit bleibt, sagten 67 (2018: 65) Prozent der Befragten. 56 Prozent gaben an, dass neue Qualitätsprüfungsregeln mehr Bürokratie schaffen.

Die Mitarbeiter trugen diese Sorgen nach Hause, denn mehr als ein oder zwei Personen spüren negative Auswirkungen auf das Familien- und Privatleben, so die Studie. Zudem belasten die Herausforderungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie seit zwei Jahren. Den Angaben zufolge glaubten 96 Prozent der Befragten nicht einmal, dass die Politik die Situation verstanden hat und versucht, sie zu verbessern.

Insgesamt planen laut der Studie 67 Prozent der Befragten einen beruflichen Wechsel – entweder durch eine Weiterbildung in der Pflege (41 Prozent), ein Studium (14 Prozent) oder einen Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber (22 Prozent).

Mehr Fachkräfte in der Altenpflege zu halten oder zu gewinnen, kann nach Schätzungen von 90 Prozent der Befragten nur gelingen, wenn mehr Personal eingestellt wird. Gelingt es nicht, den Personalbestand zu verbessern, wird das vorhandene Personal nicht gehalten – und potenzielle zusätzliche Mitarbeiter abgeschreckt.

Klapper forderte daraufhin eine ganze Reihe von Maßnahmen: mehr Personal, bessere Löhne und eine Reform der Pflegeversicherung. Laut der Studie gaben nur 8 Prozent der Befragten an, ihr Gehalt habe sich in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert, während 38 Prozent sagten, dass sich die Situation in der Pflege nur verbessern würde, wenn Pflegekräfte besser bezahlt würden.

Prof. Herrmann Brandenburg, Inhaber des Lehrstuhls für Gerontologische Pflege an der Fachhochschule Vallendar, betonte, dass das Problem nicht nur darin bestehe, dass das Pflegepersonal zu wenig verdiene. Sie erlebten auch das Dilemma eines Missverhältnisses zwischen dem, was sie unter guter Pflege verstehen, und der Tatsache, dass sie von anderen kontrolliert werden.

In diesem Zusammenhang kritisierte er private Ketten auf dem deutschen Markt und behauptete, dort gebe es oft Qualitätsprobleme. Der Privatsektor müsse zurückgefahren werden, forderte er. Auch die Anwerbung im Ausland sei eine „Anklage gegen Armut“.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der Deutschen Presse-Agentur, mehr als zwei Drittel der Altenpfleger bezweifeln, eine gute Versorgung gewährleisten zu können. „Die Opfer dieser Misere sind 820.000 Pflegeheimbewohner und über eine Million Menschen, die auch zu Hause von einem ambulanten Dienst betreut werden“, sagte Brysch.

Er forderte ein nachhaltiges und attraktives Konzept, um die Menschen im Job zu halten: „Es muss auch klar sein, dass Pflegebedürftige im Gegensatz zu den Fachkräften ihrem Schicksal nicht entkommen können.“

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