Samstag, September 24, 2022
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Bürgerberichte aus Kryvyi Rih "Wir haben den Dammangriff erwartet"

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Der russische Beschuss eines Staudamms in der Südukraine beeinträchtigt die Infrastruktur der Stadt Kryvyi Rih. Für die Anwohner kam der Angriff nicht überraschend. Ein 23-Jähriger erklärt, warum es keine Todesfälle gab.

Als die russischen Raketen am frühen Mittwochabend in der südukrainischen Industriemetropole Kryvyi Rih in den Staudamm einschlugen, bediente Roman einen Kunden im Getränkegeschäft, in dem er arbeitete. „Ich habe laute Explosionen gehört, der Kunde hat sich auch erschrocken. Sein Arbeitsplatz liegt im Zentrum der Stadt. Wenige Kilometer südlich davon wird der Inhulets-Fluss zum Karachunivka-Stausee aufgestaut. Dieser ist zentral für die Trinkwasserversorgung der Bewohner von Kryvyi Rih. „Dann hat es wieder geknallt, insgesamt sechs oder sieben Mal“, sagt der 23-jährige Roman The Aktuelle News. Teile des Damms wurden stark beschädigt.

Die Angriffe der russischen Armee richten sich zuletzt vermehrt gegen die zivile Infrastruktur der Ukraine. Vor allem im Osten des Landes beschießen Moskaus Truppen immer wieder Kraftwerke und Umspannwerke. Anfang der Woche war die Stadt Charkiw zeitweise ohne Strom und fließendes Wasser. Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht darin einen Versuch, die ukrainische Bevölkerung zu demoralisieren. „Alles, was die Besatzer tun können, ist Panik zu säen, einen Notfall zu schaffen, Menschen ohne Licht, Wärme, Wasser oder Nahrung zurückzulassen“, schreibt Selenskyj auf Instagram. „Kann uns das kaputt machen? Überhaupt nicht.“

Der Raketenbeschuss auf den Damm in Kryvyi Rih – Selenskyjs Heimatstadt, mit der er bis heute eng verbunden ist – führt zu Ausfällen in der Wasserversorgung. Laut ukrainischen Quellen wurden sieben oder acht Raketen von russischen Kampfflugzeugen aus der Ferne abgefeuert. Ehemaliger Minister für Infrastruktur der Ukraine Volodymyr Omelyan ein Video auf Twitter geteilt, in dem reißende Wassermassen unter einer stark beschädigten Brücke stromabwärts fließen. Einige Teile der Stadt seien von Überschwemmungen bedroht, teilte die Ukraine mit.

Die Studentin Kateryna lebt im Distrikt Karnavatka, rund sieben Kilometer östlich des Stausees. Sie habe auch sechs oder sieben laute Explosionen gehört, sagt sie The Aktuelle News. „Die Flut hat mich nicht erreicht, aber ich weiß, dass die Bootsstation und die umliegenden Gebäude des Stausees überflutet wurden.“ Der Leiter der örtlichen Militärverwaltung, Oleksandr Wilkul, schreibt in seinem Telegram-Kanal, dass 112 Häuser und Grundstücke rund um den Stausee infolge des Dammbruchs unter Wasser gestanden hätten. Bewohner der Stadt Inhulez am Ufer des gleichnamigen Flusses wurden evakuiert.

Roman war von den Angriffen nicht überrascht. „In unserer Stadt haben wir damit gerechnet, dass die Russen den Damm angreifen würden.“ Ein Bekannter beim Militär hatte ihn seit Kriegsausbruch davor gewarnt. Ein schnelles Eingreifen der Rettungskräfte, so Roman, habe Schlimmeres verhindert. „Das Militär und die Verwaltung waren darauf vorbereitet. Deshalb gab es keine Verletzten.“ Als Reaktion sprengten die Behörden zwei weitere Dämme, um das Wasser umzuleiten. Rettungskräfte konnten die beschädigte Absperrung reparieren.

Die Stadt habe auch Fässer mit Trinkwasser in die vom Versorgungsausfall betroffenen Gebiete gebracht, sagt Roman. Er glaubt nicht, dass der Angriff in erster Linie darauf abzielte, die Stadt zu überfluten oder die Wasserversorgung der Menschen abzuschneiden. „Der Fluss ist strategisch sehr wichtig. Russland will mit dem Angriff unsere Gegenoffensive beeinflussen.“ Denn weiter südlich bei Cherson bilden die Inhulets die Frontlinie zwischen ukrainischen und russischen Truppen. Überschwemmungen könnten die Überquerung des Nebenflusses Dnipro erschweren. Außerdem nutzen beide Seiten des Inhulez Pontonbrücken, die einer Flut kaum standhalten können.

Die Studentin Kateryna hingegen ist sich sicher, dass der Angriff auch auf die Bewohner von Kryvyi Rih abzielte. „Die Russen wollen unsere Stadt und die ganze Welt in eine ökologische und ökonomische Katastrophe stürzen“, sagt der 22-Jährige. „Russland ist ein Terrorstaat.“



Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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