Sonntag, Januar 23, 2022
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Bürgerkrieg in Äthiopien: "Am Rande einer humanitären Katastrophe"

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Nach Angaben der UN sind seit Anfang des Jahres in Tigray mehr als hundert Menschen bei Luftangriffen ums Leben gekommen. Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, bekommen sie aber nicht.

Kritik an der äthiopischen Regierung unter Premierminister Abiy Ahmed kommt von vielen Seiten. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, wirft der Zentralregierung vor, den Menschen in der nördlichen Region Tigray mit einer Blockade bewusst Lebensmittel und Medikamente vorenthalten zu wollen. Die Bedingungen vor Ort sind eine „Hölle“.

„Wir stehen am Rande einer humanitären Katastrophe“, stimmt Michael Dunford, Direktor des Welternährungsprogramms (WFP), zu. Aufgrund der heftigen Kämpfe konnte das WFP Tigray seit Dezember nichts mehr liefern. 9,4 Millionen Menschen dort und in den angrenzenden Regionen benötigen jedoch dringend Nahrungsmittelhilfe.

Unterdessen meldet der UN-Hochkommissar für Menschenrechte mindestens 108 Tote und 75 Verletzte bei Luftangriffen in Tigray. Sie sollen von der Luftwaffe der Zentralregierung ausgeführt worden sein. Auch eine Bildungseinrichtung, ein Bus, ein Flüchtlingslager und andere zivile Ziele wurden getroffen.

Allein am Montag wurden nach Angaben des Menschenrechtsbeauftragten bei einem Drohnenangriff auf eine Mühle 17 Menschen getötet. Die Vereinten Nationen forderten die Einhaltung der Grundsätze des humanitären Völkerrechts und insbesondere den Schutz der Zivilbevölkerung. Verstöße könnten als Kriegsverbrechen interpretiert werden.

Seit November 2020 kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der äthiopischen Regierung und der Tigray People’s Liberation Front (TPLF). Die äthiopische Armee (ENDF), verschiedene regionale Milizen und die Armee des benachbarten Eritrea stehen auf der Seite von Premierminister Abiy. Insbesondere die Oromia Liberation Army (OLA) kämpft gemeinsam mit der TPLF und ihrem militärischen Arm (TDF).

Beiden Konfliktparteien werden schwere Verbrechen vorgeworfen. Die Kämpfe haben sich längst auf andere Gebiete ausgeweitet. Zehntausende Menschen wurden getötet und Millionen sind geflohen.

Mittlerweile hat sich sogar das Nobelpreiskomitee an Abiy gewandt, obwohl es, wie das Komitee selbst schreibt, nicht seine Aufgabe sei, „die Haltung eines Friedenspreisträgers nach Erhalt des Preises zu beurteilen“. Abiy wurde 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, nachdem er nach Jahrzehnten des Konflikts Frieden mit Eritrea geschlossen hatte.

Jetzt warnt das Nobelpreiskomitee, dass Abiy eine besondere Verantwortung hat, zum Frieden in Tigray beizutragen. Es ist inakzeptabel, dass es nicht genügend humanitäre Hilfe gibt.



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