Dienstag, Oktober 19, 2021
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Bundeskanzlerin besucht Israel: „Beeindruckende, sehr starke Frau“

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Merkels letzte Israel-Reise als Kanzlerin soll ein Arbeitsbesuch sein. Dass sie auch ihr Verhältnis zu Israel zur Kritik nutzte, hat ihrer Popularität im Land nicht geschadet: Viele sehen in Merkel, was ihnen an der eigenen Regierung fehlt.

„Danke, dass Sie hier sprechen.“ Am 18. März 2008 wandte sich Angela Merkel an die Mitglieder des israelischen Parlaments, der Knesset. Sie empfinden diese Chance als große Ehre, sagte die Kanzlerin. Auf Hebräisch.

Diese Ehre wurde bisher keinem deutschen Regierungschef zuteil. Merkel nannte den von Deutschen verübten Massenmord an sechs Millionen Juden einen beispiellosen Zivilisationsbruch und erinnerte an die Verantwortung Deutschlands – auch für die Sicherheit Israels: „Deutschlands historische Verpflichtung ist Teil der Daseinsberechtigung meines Landes. Das heißt Israels Sicherheit.“ ist für mich als Bundeskanzlerin nie verhandelbar.“

In Deutschland ist vor allem diese Aussage aus der Knesset-Rede 2008 in Erinnerung geblieben: Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson. Unter Merkels Regierungszeit wurde dieses Prinzip durch die Lieferung weiterer deutscher U-Boote an Israel deutlich.

In Israel gilt Merkels Rede vor allem als Beweis für die enge Partnerschaft zwischen den beiden Ländern, erinnert sich Dani Kranz, Professor für Anthropologie an der Ben-Gurion-Universität im südisraelischen Beerscheba. „Die Rede in der Knesset hat definitiv etwas bewegt. Aber man sollte die Wirkung von Politik allein nicht überschätzen, denn eine Gesellschaft ist immer mehr als Politik“, sagt sie. Aber Deutschland werde in Israel inzwischen anders wahrgenommen – „vor allem durch viel mehr Reiseaktivitäten“.

Die deutsch-israelischen Beziehungen sind in den letzten Jahren intensiver und vielfältiger geworden, auch abseits der Politik. Politische Differenzen bestehen nach wie vor – insbesondere im Hinblick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Merkel hat wiederholt die Unterstützung Deutschlands für die sogenannte Zweistaatenlösung unterstrichen und auch die israelische Siedlungspolitik in den palästinensischen Gebieten kritisiert.

Sie habe solche Differenzen klar zum Ausdruck gebracht und auch kritisiert, sagt Kranz – „aber sie hat es so geschickt gemacht, dass man es verhandeln konnte. Also ich denke, sie hat diese sehr komplexe Beziehung sehr, sehr gut gemeistert.“

Merkels siebte und letzte Israel-Reise als Bundeskanzlerin ist offiziell ein Arbeitsbesuch: Im Mittelpunkt stehen politische Treffen mit Vertretern der neuen israelischen Regierung. Der Besuch bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Haifa an die Bundeskanzlerin könnte etwas persönlicher sein.

Merkel ist in Israel sehr beliebt. Sie steht für politische Stabilität – und damit für etwas, das sich viele Israelis mehr von ihrer eigenen politischen Klasse wünschen würden. Viele Einwohner Tel Avivs haben positive Erinnerungen an die Bundeskanzlerin: Sie sei eine „sehr beeindruckende, sehr starke Frau“, die schwierige Entscheidungen treffen könne – und Israel und Deutschland könnten voneinander lernen, heißt es.

Die politischen Entwicklungen in Deutschland nach der Bundestagswahl werden in Israel aufmerksam verfolgt. Die Israelis sind nicht sehr besorgt, dass sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verschlechtern könnten.

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