Samstag, Juni 25, 2022
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Bundeswehr-Elitekommando KSK hat Personalprobleme

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Das KSK kann nicht genügend geeignete Soldaten finden. Das geht aus einem Schreiben des Verteidigungsministeriums hervor WDR und NDR gegenwärtig. Eine schwierige Situation, denn die Elitesoldaten sollen bald weitere Aufgaben innerhalb der Nato übernehmen.

Die Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) sind für die besonders gefährlichen Einsätze der Bundeswehr zuständig. Zum Beispiel für Geiselbefreiungen im Ausland oder streng geheime Anti-Terror-Einsätze. Die körperlichen und charakterlichen Anforderungen an die Eliteeinheit sind naturgemäß hoch.

Dennoch versucht die Bundeswehr seit Jahren mit zahlreichen Werbemaßnahmen, Personal für das KSK zu gewinnen. Offenbar mit eher mäßigem Erfolg. Das geht aus einem Schreiben des Verteidigungsministeriums hervor („VS-Only for official use“) WDR und NDR gegenwärtig.

Demnach waren zum 31. Mai nur etwa 83 Prozent der insgesamt rund 1.420 Militärposten im KSK besetzt. Der Anteil der „auf Dienstposten ausgebildeten Oberfeldwebel“ liege hingegen mit rund 67 Prozent „deutlich niedriger“. Und das, obwohl eine Kommandokompanie aufgelöst und viele Soldaten nach Rechtsextremismus-Vorwürfen zu anderen Kompanien versetzt worden waren.

Die Personalrekrutierung sei „unzureichend“, so das Ministerium, und „bleibe hinter dem erforderlichen Umfang zurück“. Da in den kommenden Jahren zahlreiche Soldaten die Bundeswehr verlassen würden, sei absehbar, dass „mehr ausgebildete Feldwebel das KSK verlassen werden, als rekrutiert werden können“.

Die Situation könnte erhebliche Folgen für die multinationalen Verpflichtungen der Bundeswehr haben: Nach den Plänen der Bundesregierung soll Deutschland innerhalb der Nato nach den USA die zweitgrößte Zahl militärischer Spezialkräfte stellen.

In dem Schreiben des Ministeriums heißt es, die Zahl der Bewerber und Teilnehmer am Potenzialfeststellungsverfahren des KSK sei „zuletzt erfreulich groß“ gewesen. Die Zahl der Soldaten, die sich schließlich für die Kommandoausbildung qualifizieren konnten, war jedoch zu gering, um den Bedarf zu decken.

Zudem seien die „wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das KSK“ für eine Rekrutierung ungünstig, da im Südwesten nahezu Vollbeschäftigung herrsche.“ Das KSK-Grundstück befinde sich in der Graf-Zeppelin-Kaserne im Württemberg.

Das KSK war in den vergangenen Jahren wegen mehrerer Fälle von Rechtsextremismus, aber auch wegen unsachgemäßem Umgang mit Waffen und Munition in Verruf geraten. Im Mai 2020 entdeckte die Polizei im Garten eines KSK-Soldaten in Sachsen vergrabene Kisten, die Schusswaffen, Granaten und allerlei andere Ausrüstung enthielten.

Auch gegen den ehemaligen Kommandeur des KSK, Markus Kreitmayr, wurde ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat den Soldaten nun angeklagt. Er soll den KSK-Angehörigen erlaubt haben, illegal gestohlene Munition ungestraft und anonym zurückzugeben.

Auch die damalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte 2021 beschlossen, die zweite Kommandokompanie aufzulösen, in der es zu mehreren rechtsextremen Vorfällen gekommen war. Gleichzeitig wurde eine umfassende Reform des KSK angekündigt und ein 60-Punkte-Maßnahmenkatalog vorgelegt.

58 dieser Punkte seien nach Angaben des Verteidigungsministeriums inzwischen umgesetzt worden, „über alle Ebenen hinweg“ habe sich das KSK von rechtsextremen Vorfällen und dem „Fehlverhalten einzelner KSK-Angehöriger“ distanziert.

Inzwischen seien im Heereskommando mehrere Maßnahmen entwickelt worden, um die Personalsituation im KSK zu verbessern, so das Verteidigungsministerium in seinem Bericht. So sollen die regionale Personalgewinnung ausgebaut und virtuelle Bewerbungsformate intensiviert werden.

Außerdem sei eine „Entlastung im Routinebetrieb“ geplant, mit der „die Arbeitszufriedenheit der Angehörigen der Spezialkräfte“ gefördert werden solle. Für Kommandos, „die ihre Befähigung zum Einsatz eines Kommandos nachgewiesen haben, wollen sie künftig auf den zusätzlichen jährlichen Nachweis der körperlichen Eignung und der individuellen Grundfertigkeiten verzichten“.

Nach den Wünschen des Verteidigungsministeriums soll das KSK insgesamt modernisiert und schlagkräftiger gemacht werden. Zur Weiterentwicklung der Spezialkräfte sind mehr als 120 Projekte geplant, die bis 2032 umgesetzt werden sollen.

Darüber hinaus wurde das Einsatzführungskommando beauftragt, eine Studie zu den Spezialkräften der Bundeswehr durchzuführen, die Defizite in der Struktur und im Einsatz der Verbände aufzeigen soll. Die ersten Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen.

Das KSK war in den letzten Jahren vor allem in Afghanistan im Einsatz. Zuletzt bei der Evakuierungsaktion am Flughafen Kabul nach dem Abzug der Nato-Truppen im August 2021. Seitdem sei die „Einsatzbelastung des KSK (…) gering“, heißt es in dem Papier des Verteidigungsministeriums. Die Elitesoldaten sind aber auch in anderen Ländern aktiv, etwa in Mali, Tunesien oder Jordanien – dort vor allem in Ausbildungseinsätzen für lokale Spezialeinheiten.



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