Samstag, September 24, 2022
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Club of Rome: "Kehrtwende" notwendig für eine lebenswerte Zukunft

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Eine neue Studie des Club of Rome fordert drastische Schritte für eine lebenswerte Zukunft. Die Saat für den Zusammenbruch ganzer Weltregionen wird gerade gesät – die Klimakrise ist nicht ohne eine Umverteilung des Reichtums zu lösen.

Eine Forschungsgruppe unter Beteiligung des Club of Rome fordert eine Wende in der internationalen Wirtschafts- und Klimapolitik, um angesichts des Klimawandels und der globalen Ungleichheit eine lebenswerte Zukunft der Menschheit zu sichern. „Wir stehen an einem Scheideweg“, sagte Jorgen Randers, einer der Autoren der Studie „A Survival Guide for Our Planet“. Sie stellt die Vorschläge der unter anderem vom Club of Rome ins Leben gerufenen Initiative „Earth4All“ für eine Wende in der internationalen Politik vor.

Die Menschheit säe derzeit die Saat für den „Zusammenbruch“ ganzer Weltregionen, erklärte der norwegische Klimastrategie-Professor Randers. Die Aufrechterhaltung des bestehenden Wirtschaftssystems werde „Spannungen verstärken und den Wohlstand verringern“. Johan Rockstrom, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und einer der Co-Autoren des Buches, sagte, die Umstellung müsse „innerhalb dieses Jahrzehnts“ beginnen.

Dem Bericht zufolge sind drastische Schritte auf Kosten der Reichen erforderlich, um den Planeten vor einer Klimakatastrophe zu retten. Ohne außergewöhnliche Maßnahmen zur Umverteilung des Reichtums in den nächsten 50 Jahren würden Gesellschaften so dysfunktional werden, dass sie Schwierigkeiten hätten, existenzielle Bedrohungen wie den Klimawandel anzugehen. Es droht eine explosive Kombination aus extremer politischer Destabilisierung und Stagnation. „Wir werden die Welt nicht retten, wenn die obersten 10 Prozent nicht die Rechnung bezahlen“, sagte Randers.

Als Lösung schlagen er und die anderen Autoren fünf „Kehrtwendungen“ vor. Die Bereiche Armut, Ungleichheit, Ernährung und Energie stehen auf dem Spiel, und auch das Empowerment von Frauen muss gefördert werden. Dem Bericht zufolge könnte die Erderwärmung unter der Zwei-Grad-Marke stabilisiert und die Armut beendet werden. Unter anderem sollen Lebensmittel regionaler produziert und Abfälle minimiert werden.

Erneuerbare Energien müssten Kohle, Öl und Erdgas ersetzen, die Treibhausgasemissionen etwa alle zehn Jahre halbiert werden. Die reichen Länder sollten alle Schulden der armen Länder erlassen. Außerdem sollten die reichsten Menschen in allen Ländern stärker besteuert werden. Ein Bürgerfonds soll zudem mehr Menschen am Reichtum der jeweiligen Länder teilhaben lassen.

In dem Bericht werden zwei Szenarien vorgestellt: Das eine beinhaltet eine tiefgreifende und unmittelbare Transformation der Wirtschafts-, Energie- und Ernährungssysteme, die als „Gigantsprung“ bezeichnet wird. Die Staaten sollten beschließen, dass Weltbank, Internationaler Währungsfonds und Welthandelsorganisation so umgestaltet werden, dass sie den ökologischen Wandel und Investitionen in Klima, Nachhaltigkeit und Wohlergehen unterstützen. Länder investieren laut Szenario in das bedingungslose Grundeinkommen, Bildung und Gesundheit. Es gilt der Grundsatz, dass den reichsten zehn Prozent nicht mehr als 40 Prozent des jeweiligen Volkseinkommens zustehen. Vermögenssteuern werden eingeführt und Steueroasen geschlossen. Industrien leisten eine Zahlung für die Nutzung gemeinsam genutzter Ressourcen.

Das zweite Szenario, in dem „zu wenig, zu spät“ passiert, behandelt eine ähnliche Entwicklung wie im Zeitraum zwischen 1980 und 2020 weltweit. Hier wächst die Ungleichheit, was in vielen Regionen zum Aufstieg von Populismus und Autoritarismus führt. Gemäß dem zweiten Szenario vergrößert sich die wirtschaftliche Kluft zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Regionen. Extreme Armut nimmt zu. Vermögen existiert noch privat, während die Staaten eine strenge Sparpolitik verfolgen. Die Klimamigration nimmt zu, Pandemien häufen sich. Im Jahr 2050 wird die globale Erwärmung zwei Grad überschreiten.

Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss von Experten aus verschiedenen Disziplinen und Ländern. Bei einem Treffen in Rom im Jahr 1965 identifizierten die Gründer „suizidale Ignoranz“ als Ursache für „den Irrweg der Menschheit“. 1972 wurde die von der Gruppe in Auftrag gegebene Studie „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht. Der vielbeachtete Bericht warnte damals davor, dass bei ungebremstem Wachstum von Bevölkerung, Wirtschaft und Konsum bis Mitte des 21. Jahrhunderts die Katastrophe drohe und Nahrungsmittel und Ressourcen zur Neige gingen.

Zukunftsforscher Randers, damals und heute Co-Autor des Club of Rome-Berichts, geht von einem „zu wenig, zu spät“-Szenario aus. Die kommenden Generationen müssten wahrscheinlich in einer Welt leben, die viel unattraktiver wäre als diejenige, die man erreichen würde, wenn man gegensteuern würde. Aber er wird weiter hart daran arbeiten, die Reichen der Welt davon zu überzeugen, jährlich zwei bis vier Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts zu zahlen. Denn mit diesem Geld könnten alle Probleme gelöst werden.

An dem „Survival Guide for Our Planet“ waren neben dem Club of Rome das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, die gemeinnützige schwedische Forschungseinrichtung Stockholm Resilience Center und die private norwegische Wirtschaftshochschule Norwegian Business School beteiligt.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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