Freitag, August 12, 2022
StartNACHRICHTENCommerzbank warnt vor Risiken durch Gasengpässe

Commerzbank warnt vor Risiken durch Gasengpässe

- Anzeige -


Massiver Stellenabbau und Filialschließungen führen bei der Commerzbank zu überraschend hohen Gewinnen. Doch die Energiekrise bereitet dem Finanzinstitut Sorgen – die Reserven für mögliche Kreditausfälle steigen.

Ungeachtet des Konjunktureinbruchs peilt die Commerzbank in diesem Jahr Milliardengewinne an – sieht die Energiekrise aber als Risiko für ihr Geschäft. Damit der Gewinn wie geplant die Milliarden-Euro-Grenze überschreitet, darf sich die wirtschaftliche Lage nicht weiter verschlechtern, sagte Commerzbank-Finanzvorstand Bettina Orlopp heute bei der Vorlage der Quartalsbilanz: „In diesem Zusammenhang ist die Gasversorgung der Die deutsche Wirtschaft bleibt ein großer Unsicherheitsfaktor.

Im zweiten Quartal verdiente die Commerzbank insgesamt 470 Millionen Euro. Das waren fast 100 Millionen Euro mehr als Analysten erwartet hatten. Sowohl das Privat- als auch das Firmenkundengeschäft haben sich nach Angaben der Bank gut entwickelt. Noch vor einem Jahr hatten hohe Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen das Institut mit 527 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerissen.

In der zweiten Jahreshälfte erwarte sein Institut „Licht und Schatten“, sagte Commerzbank-Chef Manfred Knof. So hat die Bank beispielsweise 106 Millionen Euro für den Ausfall möglicher Kredite zurückgestellt, um die negativen Folgen des Krieges in der Ukraine und der Sperrgaslieferungen aus Russland abzufedern. Das ist ein Fünftel mehr als vor einem Jahr – aber weniger als erwartet. Die Problemkreditquote liegt mit 0,8 Prozent bislang auf niedrigem Niveau. Die Risikovorsorge der Bank für ausfallgefährdete Kredite soll in diesem Jahr 700 Millionen Euro betragen.

Auch die Deutsche Bank, die vergangene Woche ihre Zahlen vorgelegt hat, erhöht ihre Risikovorsorge deutlich. Mit 292 Millionen Euro stellte der Konzern viermal so viel Geld für mögliche Kreditausfälle bereit wie im Vorjahreszeitraum.

Für die Commerzbank summierten sich die finanziellen Belastungen durch den Krieg in der Ukraine auf 228 Millionen Euro. Bis Mitte Juli habe die Bank ihre Risiken in Russland um 45 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro reduziert.

Im zweiten Halbjahr werden weitere Belastungen für die Bank hinzukommen. Aufgrund eines neuen Gesetzes im Land können Kunden der polnischen Commerzbank-Tochter mBank ihre Ratenzahlungen für Hypothekendarlehen nun bis zu acht Mal bis Ende nächsten Jahres aussetzen. Die mBank rechnet daher für das dritte Quartal mit Belastungen zwischen 210 und 290 Millionen Euro.

Trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen verdiente die Commerzbank in den ersten sechs Monaten insgesamt 768 Millionen Euro. Dies entspricht rund drei Viertel des angestrebten Jahresüberschusses. Die Bank sieht sich auf Kurs für einen möglichen Milliardengewinn – sollte sich die Konjunktur nicht weiter eintrüben. Sollte Russland die Gaslieferungen komplett einstellen, „würde die deutsche Wirtschaft wahrscheinlich in eine schwere Rezession stürzen, ähnlich wie nach der Finanzkrise 2009“, heißt es in dem Zwischenbericht.

Die Erträge der Bank stiegen im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent – von 1,9 Milliarden Euro auf 2,4 Milliarden Euro – dank des starken Kundengeschäfts und steigender Zinsen. Angesichts der jüngsten Geschäftszahlen sieht sich Commerzbank-Chef Knof in seiner Strategie bestätigt: „Es ist uns gelungen, die Widerstandsfähigkeit der Commerzbank in einer sehr schwierigen Zeit zu stärken.“

Der Manager übernahm Anfang 2021 die Führung der Bank und leitete kurz darauf ein umfangreiches Sparprogramm mit radikalem Stellenabbau ein. Bis Ende des Jahres will die Bank den Abbau von 10.000 Brutto-Vollzeitstellen weitgehend geregelt haben. Für 7700 Stellen sei dies bis Ende Juni bereits geschehen, hieß es.

Auch beim Abbau ihres Filialnetzes sei die Commerzbank deutlich schneller vorangekommen: Bis Ende Juni sei die Zahl der Filialen in Deutschland bereits auf 450 gesunken, hieß es in der Mitteilung. Zu Beginn des Sparprogramms gab es 790 Filialen. Allein im ersten Halbjahr 2022 hat die Commerzbank 100 Filialen geschlossen.

Commerzbank-Aktionäre erhalten in diesem Jahr eine Dividende: Das Institut will 30 Prozent des auf die Aktionäre entfallenden Jahresgewinns als Dividende ausschütten.



Quelllink

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare