Mittwoch, Dezember 8, 2021
StartNACHRICHTENCorona-Entwicklung in Südafrika Lauterbach besorgt: "Nichts ist schlimmer als eine neue Variante"

Corona-Entwicklung in Südafrika Lauterbach besorgt: "Nichts ist schlimmer als eine neue Variante"

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In Südafrika breitet sich eine Corona-Variante aus, die schlimmer sein könnte als Delta. Mehrere Länder verschärfen die Reisebestimmungen. Auch Karl Lauterbach weist auf mögliche Einschränkungen hin.

Die Entdeckung einer neuen Corona-Variante in Südafrika sorgt für internationale Unruhen. Auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte sich Sorgen um die Mutation: „Reisebeschränkungen könnten schnell notwendig werden“, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. „Wir müssen Zeit gewinnen. Nichts ist schlimmer als eine neue Variante in einer laufenden Welle“, ergänzte Lauterbach.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) rechnet damit, dass der Flugverkehr von Deutschland ins südliche Afrika wegen der neuen Corona-Variante „in Kürze“ unterbrochen werden muss. „Die Wissenschaftler sind alle sehr alarmiert“, sagte Braun am Freitagmorgen im ARD-Morgenmagazin. Der designierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) verwies bei Maßnahmen gegen die neue Variante auf die geschäftsführende Regierung von Angela Merkel (CDU). „Das muss die noch amtierende Bundesregierung entscheiden“, sagte Wissing am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Er empfiehlt aber „auch Maßnahmen im Flugverkehr“.

Die britische Regierung kündigte am Donnerstagabend eine vorübergehende Aussetzung von Reisen in sechs afrikanische Länder an. Gesundheitsminister Sajid Javid sagte, alle Flüge nach Großbritannien aus Südafrika, Namibia, Lesotho, Eswatini, Simbabwe und Botswana würden ab Freitagmittag gestrichen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird voraussichtlich am Freitag in einer Sondersitzung über B.1.1.529 diskutieren.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Variante „möglicherweise übertragbarer ist als die Delta-Variante und dass Impfstoffe (…) möglicherweise weniger wirksam sind“, sagte Javid. In Großbritannien habe sich die Variante bislang nicht bewährt, fügte er hinzu. Britische Wissenschaftler haben sich jedoch „sehr besorgt“ über die Entwicklung geäußert.

Reisende, die bis Freitag aus einem der betroffenen afrikanischen Länder nach Großbritannien einreisen, müssten sich in Quarantäne begeben und am zweiten und achten Tag einen PCR-Test machen. Javid rief zudem alle Reisenden, die in den vergangenen zehn Tagen aus diesen Ländern gekommen waren, auf, sich zu isolieren und sich testen zu lassen.

Israel stufte auch die Länder Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini als „rote Länder“ ein. Ausländer dürfen aus diesen Ländern nicht mehr nach Israel einreisen, teilte das Büro von Premierminister Naftali Bennett mit. Wenn Israelis aus diesen Ländern nach Hause zurückkehren, müssen sie bis zu 14 Tage in Quarantäne in einem Corona-Hotel sein, können sich aber nach einer Woche mit zwei negativen PCR-Tests selbst testen. Die neue Variante werde genau überwacht, um eine Verbreitung in Israel zu verhindern, hieß es.

Die japanische Regierung beschloss, die Grenzkontrollen für Reisende aus Südafrika und fünf weiteren afrikanischen Ländern zu verschärfen, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji. Auch Indien reagiert auf die neue Coronavirus-Variante: Internationale Reisende aus Südafrika und anderen Ländern sollen konsequent getestet und kontrolliert werden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Die WHO sagte, sie beobachte die Variante „genau“. Experten der Organisation sollen bei ihren Beratungen am Freitag entscheiden, ob B.1.1.529 als Variante „von Interesse“ oder als „besorgniserregend“ einzustufen ist. Es dürfte auch, wie bisher, in einen Buchstaben des griechischen Alphabets umbenannt werden. „Frühe Analysen zeigen, dass diese Variante eine hohe Zahl von Mutationen aufweist, die weitere Studien erfordern“, teilte die WHO mit.

Zuvor hatten südafrikanische Wissenschaftler angekündigt, dass die neue Variante mit dem wissenschaftlichen Namen B.1.1.529 „Anlass zur Sorge“ sei. Inzwischen ist die Variante auch in Botswana und Hongkong bei Reisenden aus Südafrika nachgewiesen worden.

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla bezeichnete die Variante als „ernsthaft besorgniserregend“ und als Ursache für einen „exponentiellen“ Anstieg der gemeldeten Fälle in seinem Land. Die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen diese Virusvariante ist daher noch unklar. Phaahla sagte, die neue Variante bestätige die „Tatsache, dass dieser unsichtbare Feind sehr unberechenbar ist“. Er forderte die Südafrikaner auf, Masken zu tragen, Abstand zu halten und sich insbesondere impfen zu lassen. „Wir haben auch das zusätzliche Vehikel der Impfung, das uns helfen wird, schwere Krankheiten zu vermeiden, die in einer Klinik landen oder sogar dem Virus zum Opfer fallen“, sagte er.

Die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Südafrika ist zuletzt dramatisch gestiegen. Am Mittwoch meldeten die Behörden innerhalb von 24 Stunden 1200 Neuinfektionen. Anfang November lag dieser Wert noch bei 106 Fällen. In Südafrika sind 35 Prozent der Erwachsenen vollständig gegen Covid-19 geimpft.

In Südafrika sind nach Angaben des Nationalen Instituts für übertragbare Krankheiten (NICD) der Regierung bisher 22 Fälle einer Infektion mit der neuen Corona-Variante nachgewiesen worden. In der Provinz Gauteng mit der Wirtschaftsmetropole Johannesburg sei insgesamt ein rasanter Anstieg der Neuinfektionen und die positive Rate zu beobachten, erklärte das NICD. Im Zuge der laufenden Genomanalysen ist mit weiteren Fällen zu rechnen. „Obwohl die Datenlage noch begrenzt ist, arbeiten unsere Experten mit allen Monitoringsystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit verbundenen möglichen Implikationen zu verstehen.“

Die Beta-Variante des Virus wurde im vergangenen Jahr in Südafrika entdeckt. Mit rund 2,95 Millionen Corona-Fällen und mehr als 89.600 Toten ist Südafrika nach offiziellen Angaben das am stärksten betroffene Land Afrikas.

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