Sonntag, November 28, 2021
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Corona-Pandemie in Bayern – Kliniken warnen zu Weihnachten vor schwerem Notfall

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Bayern ist neben Sachsen und Thüringen eines der am stärksten von der vierten Corona-Welle betroffenen Bundesländer. Bayerische Kliniken warnen nun vor einem Weihnachtsdrama.

Angesichts der rasant steigenden Zahl von Corona-Patienten befürchten Bayerns Kliniken zum Jahresende einen beispiellosen Notfall in der Pflege. Die Verlegung von Covid-Intensivpatienten in andere Bundesländer wird nach Angaben der Bayerischen Krankenhausgesellschaft nur kurzfristig Abhilfe schaffen können.

„Alle Prognosen deuten darauf hin, dass die Patientenzahlen weiter steigen werden und wir in Bayern nicht über ausreichende Intensivkapazitäten verfügen“, sagte BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen der Deutschen Presse-Agentur. „Die aktuell noch verfügbaren Intensivkapazitäten im Norden werden uns nur für wenige Wochen helfen können, da auch dort die Auslastung steigt.“

Wegen der Überlastung der bayerischen Kliniken ist derzeit die Verlegung von rund 50 Patienten in andere Bundesländer in Vorbereitung. Doch aktuell wird in Bayern täglich eine zweistellige Zahl zusätzlicher Intensivpatienten in die Kliniken aufgenommen, allein am Mittwoch waren es über 40. „Wir müssen die Zahl der Neuinfizierten in Bayern reduzieren“, sagte Engehausen. „Sonst geraten wir zwischen Weihnachten und Neujahr in ein Drama, das es noch nie zuvor gegeben hat.“

Schon jetzt gebe es laut Enghhausen zunehmend Schwierigkeiten bei der Aufnahme und Betreuung von Notfallpatienten. „Wenn Sie heute einen schweren Unfall haben, zum Beispiel in Südostbayern, ist die Luftrettungskapazität für längere Distanzen immer mehr notwendig, aber dafür reicht sie nicht aus“, sagte der BKG-Geschäftsführer. „Der Weg in eine aufnahmebereite Klinik wird derzeit leider immer länger.“

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern ist den zweiten Tag in Folge laut RKI-Dashboard von 644,3 auf 641,1 am Donnerstagmorgen leicht zurückgegangen. Doch die absolute Zahl der Neuinfektionen steigt weiter an. Das bayerische Gesundheitsamt meldete dem RKI innerhalb eines Tages 17.871 Neuinfektionen und 88 Corona-Tote.

„Die vierte Infektionswelle in der Corona-Pandemie stellt Krankenhäuser in Bayern vor bisher unbekannte Herausforderungen“, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die durchschnittliche Gesamtauslastung der Intensivkapazitäten in Bayern liegt bei rund 90 Prozent. „Damit stehen pro Standort durchschnittlich nur 1,5 kostenlose Intensivbetten zur Verfügung“, sagte ein Sprecher.

In einzelnen Regionen Bayerns, insbesondere in Oberbayern, Niederbayern und Schwaben, habe es nach Angaben des Ministeriums eine „bundesweite Überlastung“ gegeben, auch in den anderen Regierungsbezirken seien die Kapazitäten am Limit.

In mehreren Gemeinden in Bayern wird das öffentliche Leben heruntergefahren, weil die siebentägige Inzidenz über der 1.000er-Marke liegt: Restaurants, Hotels, Sport- und Kulturstätten müssen schließen. Dies galt am Donnerstag für elf Städte und Landkreise. Der Landkreis Freyung-Grafenau meldete mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1.486,8 die höchsten Zahlen. Nur knapp darunter lagen die Bezirke Unterallgäu, Deggendorf und Altötting.

„Wir freuen uns über die Kleeblatt-Verordnung, aber das bedeutet keine Entspannung“, sagte Engehausen über das bundesweit abgestimmte Vorgehen. „Die Zahl der Covid-Patienten steigt weiter an.“ Am Mittwoch wurden in Bayern 1.013 Covid-Intensivpatienten behandelt. Zum Vergleich: Mitte August waren es noch unter 50, Mitte Oktober noch unter 300. Inzwischen haben mehr als ein Drittel der knapp 3.000 Intensivbetten Corona-Patienten.

Die normale Auslastung einer Intensivstation liege bei rund 80 Prozent, sagte Engehausen. „Über neunzig Prozent Auslastung lassen sich nicht dauerhaft managen, auch weil das Personal überlastet ist.“

Krankenhäuser und Mediziner verbergen ihre Wut auf die Politik nicht mehr. Die künftige Ampelkoalition kritisierte zutiefst: „Ich bin immer noch fassungslos, dass die Pandemie-Situation im Bundestag politisch beendet wurde.“ Neue bürokratische Anforderungen bedeuten laut Engehausen auch eine zusätzliche Belastung für die Kliniken.

„Aus meiner Sicht ist es ein echter Skandal, dass die neuen 2Gplus-Testregeln für geimpftes Personal mit dem neuen Infektionsschutzgesetz plötzlich Krankenhäusern mit hohen Dokumentations- und Kontrollpflichten auferlegt werden, die praktisch nicht umsetzbar sind“, so die BKG-Geschäftsführerin Direktor. „Das ist seit Mittwoch in Kraft. In einer uns noch nicht bekannten Struktur müssen die Krankenhäuser alle zwei Wochen die Impfung ihrer Mitarbeiter bei einer uns noch nicht bekannten Stelle melden.“

Die Regel ist laut Krankenhausgesellschaft sinnlos: „Wer profitiert, wenn man weiß, wie oft geimpfte Mitarbeiter getestet werden?“ Fragte Engehausen. „Wir verschwenden Zeit mit Bürokratie, anstatt unseren Job zu machen.“

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