Dienstag, Oktober 26, 2021
StartNACHRICHTENCorona-Podcast Drosten denkt über die Impfquoten-Debatte nach "totaler Slapstick"

Corona-Podcast Drosten denkt über die Impfquoten-Debatte nach "totaler Slapstick"

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Die gemeldete Impfrate entspreche offenbar nicht den tatsächlichen Zahlen, teilte das RKI mit. In der Folge flammte Kritik am Institut auf. Diese Aufregung sei „völlig kostenlos“, meint Virologe Christian Drosten.

In der Debatte um die genaue Impfquote in Deutschland verteidigte der Virologe Christian Drosten das Robert Koch-Institut (RKI). Er halte die einseitige Schuldzuweisung an das RKI und Lothar Wieler für nicht gerechtfertigt, sagte der Experte der Berliner Charité im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. Auch das Thema ist nicht neu, das RKI weist schon lange auf die Problematik hin.

Laut einem in der vergangenen Woche erschienenen Bericht zu einer RKI-Impfumfrage sind hierzulande unter den Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft, als die Daten des Meldesystems vermuten lassen. Bei einmalig und vollständig geimpften Personen ab 18 Jahren könne die Quote um bis zu fünf Prozentpunkte höher liegen, hieß es. Bereits im August meldete das RKI „eine gewisse Unsicherheit“ bei der Interpretation der Impfratendaten.

Letztlich sei die öffentliche Aufregung über die Diskrepanz „völlig vergeblich“, sagte Drosten. Die Situation hat sich nicht geändert. „Das ist nur der totale Knall, was da passiert ist.“ Man müsse mit der Durchimpfungsrate der Gesamtbevölkerung (und nicht der Erwachsenen) rechnen, sagte Drosten: Der Unterschied zwischen dem Meldesystem und der RKI-Begleituntersuchung sei gering und für die Beurteilung der Gesamtsituation „irrelevant“. Auch die begleitende Studie, eine Umfrage, weist einige Einschränkungen auf.

Auch Drosten plädierte dafür, die Corona-Schutzmaßnahmen nur schrittweise zu lockern: „Das Wichtigste ist, die Impfstoff-Picks zu schließen. Und dann öffnen wir schrittweise, Schritt für Schritt.“ Die Quote solle „so hoch wie möglich“ erhöht werden.

Es war die 100. Folge des Podcasts. Das Format soll laut NDR in den kommenden Wochen mit kürzeren Folgen als zuletzt fortgesetzt werden. Im Wesentlichen sei sein Projekt, wissenschaftliche Informationen auf diese Weise zu verbreiten, jedoch abgeschlossen, seit Impfstoffe weit verbreitet seien, sagte Drosten. Wissenschaft geliefert. „Das Ganze ist jetzt Aufgabe der Politik.“

Ab Februar 2020 hatte Drosten im preisgekrönten Format zunächst täglich über Sars-CoV-2 informiert. Der Podcast erscheint mittlerweile in der Regel alle zwei Wochen. Drosten und die Virologin Sandra Ciesek wechseln sich ab.

Der Experte aus Frankfurt sagte, die weitere Entwicklung der Pandemie in Deutschland sei derzeit schwer abzuschätzen. Allerdings ist oft zu beobachten, dass die Zahl der Infektionen nach den Schulferien wieder ansteigt.

Ciesek kritisierte die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz (Covid-19-Neueinweisungen in Kliniken innerhalb von sieben Tagen) „als Maß aller Dinge“: Der Indikator bilde laut dem Virologen die tatsächliche Exposition in vielerlei Hinsicht ungenau ab. Sie plädierte beispielsweise dafür, den Standort der Universitätskliniken genauer unter die Lupe zu nehmen, da diese Covid-19-Patienten Vorrang einräumten. Auch innerhalb einzelner Krankenhäuser sind Abteilungen unterschiedlich stark belastet. Auch der NDR meldete eine große Verzögerung bei der Berichterstattung.

Kein Wunder, sagte Drosten, dass die noch relativ neue Meldepflicht nicht reibungslos funktioniere – aber auch so etwas könne „nicht schnell verbessert werden“.

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