Donnerstag, Januar 20, 2022
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Corona-Politik in Dänemark: „Wir sind gescheitert“ – Schuldeingeständnis einer Zeitung und ihr Angriff auf die Behörden

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Die dänische Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ titelt mit einem Schuldeingeständnis, weil sie die vermeintlich falschen Corona-Zahlen der Regierung kritiklos übernommen hat. Doch statt Selbstkritik greift das Medium vor allem die Behörden an – die sich nun wehren.

„Seit fast zwei Jahren beschäftigen wir uns – die Presse und die Bevölkerung – geradezu hypnotisch mit den täglichen Corona-Zahlen der Behörden“, schreibt der Journalist Brian Weichardt im Leitartikel der Boulevardzeitung „Ekstra“ Bladet. Die durch die Zahlen ausgelöste mentale Alarmierung – und deren Deutung durch die Behörden, das ständig schlummernde Corona-Monster, hat alle an den Nerven gezerrt. „Deshalb müssen wir eine eigene Bilanz ziehen“, schreibt Weichardt. „Und wir haben versagt.“

Tatsächlich handelt es sich bei dem Artikel, der in den sozialen Medien für Furore sorgte, hauptsächlich um eine Zahl. Die Journalisten müssten vor allem den Unterschied zwischen den Patienten erkennen, die weil Corona und diejenigen, die Mit Corona in den Krankenhäusern habe sie nicht kritisch genug hinterfragt, sagt Weichardt. Nach Angaben des Journalisten hatten im Dezember mehr als ein Viertel der registrierten Covid-19-Patienten in dänischen Krankenhäusern eine andere Hauptdiagnose.

Allerdings zielt die Boulevardzeitung in ihrer Redaktion nicht primär auf sich selbst ab. „Natürlich sind in erster Linie die Behörden dafür verantwortlich, die Bevölkerung richtig, genau und ehrlich zu informieren“, schrieb Weichardt. „Die Zahlen darüber, wie viele an Corona erkrankt und gestorben sind, hätten aus naheliegenden Gründen schon längst veröffentlicht werden müssen, damit wir uns ein klares Bild von dem Monster unter dem Bett machen können.“

Der zugrunde liegende Vorwurf: Die Regierung habe die tatsächlichen Ausmaße der Pandemie größer gemacht, als sie waren.

Die Behörden weisen den Vorwurf zurück. Der Direktor des staatlichen Forschungszentrums Statens Serum Institut (SSI), Henrik Ullum, sagte der The Aktuelle News: „SSI hat vollständig offengelegt, dass Patienten in die Berechnungen einfließen könnten, die keine Covid-19-Diagnose, sondern nur ein positives SARS-CoV- 2 PCR-Test.“ Zu Beginn der Pandemie hätten rund 90 Prozent der Corona-Patienten in Krankenhäusern eine solche Diagnose gehabt.

In diesem Herbst waren es rund 80 Prozent, wie ein Mitte November veröffentlichter Bericht zeigt. „Mit der Omikron-Variante hat sich das Bild sehr verändert, weil viel mehr Menschen infiziert und aufgenommen wurden, ohne besonders zu erkranken“, sagt Ullum. Daher gilt es jetzt zu differenzieren.

Mehrere Forscher stimmen in seiner Kritik mit Weichardt überein. „Wir prahlen damit, die besten Gesundheitsdaten der Welt zu haben. Und dann können wir nicht einmal einen der wichtigsten Covid-Indikatoren richtig messen“, sagte Jes Søgaard, Professor für Gesundheitsökonomie an der Syddansk-Universität der Berlingske-Zeitung. Søgaard betont auch, dass die offiziellen Zahlen die Belastung der Krankenhäuser noch immer gut widerspiegeln weil viele der infizierten Patienten isoliert werden müssen.

Trotz der rekordhohen Zahl von Corona-Infektionen und einer landesweiten Inzidenz von über 2000 ist die Zahl der Patienten in Krankenhäusern in Dänemark derzeit stabil bis leicht rückläufig. Weil die Omikron-Welle das Gesundheitssystem bisher nicht so stark belastet hat wie befürchtet, werden einige Beschränkungen bereits am Sonntag aufgehoben. So dürfen beispielsweise Kinos, Theater, Zoos, Konzertsäle und Museen wieder öffnen.

Bisher vertrauen die Dänen ihrer Regierung und ihrer Corona-Strategie mehr als in vielen anderen Ländern. Dieses Vertrauen gefährdet die Regierung, wenn sie ungenau kommuniziert, so das Fazit von „Ekstra Bladet“.

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