Montag, November 29, 2021
StartNACHRICHTENCorona-Talks im ZDF Bovenschulte erklärt Bremens Impferfolg

Corona-Talks im ZDF Bovenschulte erklärt Bremens Impferfolg

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Schlechte Nachrichten jagen sich in der Corona-Krise. Mehr als 100.000 Menschen sind inzwischen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Der Inzidenzwert steigt und steigt. Am Donnerstagabend diskutierten Maybrit Illner und Markus Lanz mit ihren Gästen im ZDF, ob die Krise noch eingedämmt werden könne.

Der Sommer war schön. Die Inzidenzen waren gering und die Impfkampagne in Deutschland in vollem Gange. Und dann waren viele Politiker im Wahlkampfmodus. Dies war nicht die Zeit für schlechte Nachrichten. Also schwieg die Politik. Und sie schwieg zu lange. Inzwischen scheint die Corona-Pandemie nicht mehr beherrschbar. In den Talkshows von Maybrit Illner und Markus Lanz gestern Abend versuchten mehrere Politiker, Wege aus der Pandemie aufzuzeigen. Das war nicht immer überzeugend. Aber immerhin gibt es ein Bundesland, das zumindest bei der Impfquote für alle anderen Länder Vorbild sein könnte.

Andreas Bovenschulte ist SPD-Politiker. Der 56-Jährige ist seit gut zwei Jahren Bremer Bürgermeister. Und er hat in der Corona-Krise für die beiden Städte Bremen und Bremerhaven, die das Land Bremen bilden, vieles richtig gemacht. Gut 80 Prozent aller Einwohner des kleinen Landes sind geimpft.

Bovenschulte ist in Norddeutschland nüchtern, nichts kann ihn so leicht stören. Bremen, erklärt er Markus Lanz, Bremen habe die 2G-Regel sehr früh eingeführt. Bei Menschen über 60 liegt die Impfrate derzeit bei 93 Prozent, bei jüngeren Menschen ist sie ebenfalls sehr hoch. „Wir wären mit der Pandemie eigentlich durch“, sagt er. Das würde auch für die Krankenhäuser gelten. In Bremen werden derzeit 22 Menschen auf Intensivstationen behandelt, auf dem Höhepunkt der Pandemie waren es 65. Doch Bovenschulte bleibt Realist: In Bremen ist die Lage trotz geringerer Inzidenz als im Vorjahr ernst, in den anderen Regionen ist die Lage ernst es ist sehr ernst.

Warum in Bremen so viele Menschen geimpft werden, erklärt Bovenschulte mit einer „technisch soliden und groß angelegten Impfkampagne“. Unterstützt wurde das Land von Hilfsorganisationen und der Wirtschaft. In Bremen und Bremerhaven gab es viele mobile Impfteams, die zu den einzelnen Quartieren fuhren. „Wir sind mit unseren Impf-Trucks dorthin gefahren, wo die Impfquote niedrig war“, sagt Bovenschulte – und damit vor allem sozial benachteiligte Gebiete mit hohem Ausländeranteil.

Still-Kanzleramtsminister Helge Braun sagte in derselben Sendung, es gebe in ganz Deutschland mobile Impfangebote. Aber sie waren nicht wirklich erfolgreich. Für Braun gibt es jetzt einen schnellen Weg, die Krise zu dämpfen: Die Kontakte müssten um 70 Prozent reduziert werden. Dazu müssten Großveranstaltungen und Weihnachtsmärkte ebenso verboten werden wie volle Fußballstadien. Außerdem ist jetzt die Zeit gekommen, in der sich alte und neue Regierungen zusammensetzen und das Problem lösen.

Ganz ähnlich äußerte sich Norbert Röttgen von Maybrit Illner. Röttgen und Braun haben sich um den CDU-Vorsitz beworben. Vielleicht haben sie sogar zugestimmt, denn Röttgen fordert eine überparteiliche Lösung. „Es wäre ein Zeichen der Überparteilichkeit, wenn sich die aktuelle Kanzlerin und die neue Kanzlerin in einer Fernsehansprache direkt an die Bürger wenden würden. Ich appelliere, dass wir überparteiliche Verantwortung übernehmen.“

Das reicht dem FDP-Generalsekretär Volker Wissing nicht. Der künftige Verkehrsminister will es konkretisieren. Sein Vorschlag: „Handeln Sie sofort und nutzen Sie die Maßnahmen, die im Infektionsschutzgesetz möglich sind – aber diskutieren Sie nicht darüber.“ Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen, Verschärfungen oder ein Verbot von Großveranstaltungen könnten morgen von den Ländern umgesetzt werden. Wissing: „Das kann die künftige Regierung nicht, die Länder können das sofort!“ Die Maßnahmen seien jedenfalls noch nicht ausgeschöpft, sagte Wissing.

Auch Grünen-Co-Chef Robert Habeck sieht die Bundesländer in der Pflicht. Er sagte zu Illner, dass entweder die Inzidenzwerte nun sinken würden, was er erhoffe. „Oder wir müssen über andere Maßnahmen sprechen.“

Für Bovenschulte ist es wichtig, den Menschen klar zu machen, was die Politik will. Wer einen kompletten Lockdown fordert, fordert ihn auch für Geimpfte. Das muss man deutlich sagen.

Zwei Dinge werden heute Abend deutlich – ein Rücktritt von der alten Regierung und ein gewisses Zögern bei der neuen. Oder, um zwei Politiker zu zitieren – Röttgen: „Die jetzige Regierung ist gescheitert, die neue ist schon im Galopp“, und Robert Habeck: „Es ist nicht leicht für die kommende Regierung, die richtigen Entscheidungen zu treffen; für die scheidende Regierung Regierung Sie damit muss man rechnen.“

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