Sonntag, Juni 26, 2022
StartNACHRICHTENDer Tag des Krieges im Überblick Kiew hat volle Rüstkammern – Putin...

Der Tag des Krieges im Überblick Kiew hat volle Rüstkammern – Putin sieht sich als Zar Peter

- Anzeige -


In Sievjerodonetsk führt die ukrainische Armee eine schicksalhafte Schlacht und nimmt dabei schwere Verluste in Kauf. Westliche Waffenlieferungen sorgen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew inzwischen für gut gefüllte Waffendepots. Russlands Präsident Putin sieht sich in den Fußstapfen von Zar Peter, Bundeskanzler Scholz sieht in ihm einen künftigen Verlierer. Der 106. Kriegstag auf einen Blick.

In Sjewjerodonezk toben blutige Häuserkämpfe

In der ostukrainischen Stadt Siewerodonezk wird laut Militärkommandant Petro Kusyk um jedes Haus gekämpft. Die gesamte Stadt steht unter Artilleriefeuer der russischen Streitkräfte. „Der gestrige Tag war erfolgreich für uns. Wir haben kontert und in einigen Bereichen konnten wir sie ein oder zwei Blocks zurückdrängen. In anderen haben wir sie buchstäblich ein oder zwei Häuser zurückgedrängt“, sagte er im Fernsehen. Gestern sagte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gaiday, Siewerodonezk sei „weitgehend“ unter russischer Kontrolle.

Die Ukraine verzeichnet täglich „bis zu 100 getötete und bis zu 500 verwundete“ Soldaten bei den Kämpfen mit der russischen Armee, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksiy Reznikov. Die Lage an der Front im östlichen Donbass ist schwierig. „Der Kreml übt weiterhin massiven Druck aus, stolpert, stößt auf starken Widerstand und erleidet schwere Verluste“, sagte Reznikov in einer Erklärung.

Kiew: NATO-Waffenvorräte größer als vor dem Angriff

Gleichzeitig berichtete Resnikov auf Facebook, dass die Armee über gut sortierte Munitionsarsenale verfüge. Diese seien nach seinen Angaben durch Lieferungen aus Nato-Beständen teilweise größer als zu Beginn des Krieges. Über 150 schwere 155-Millimeter-Haubitzen sind bereits aus dem Westen eingetroffen. Zudem seien auch rund 50 Geschütze anderer Kaliber eingetroffen, sagte der ukrainische Verteidigungsminister. Bei diesen betrugen die Munitionsvorräte gut 75 Prozent des Bestandes zu Kriegsbeginn. Außerdem wurden Dutzende von Raketenwerfern sowjetischen Typs und Hunderte von Mörsern mit der entsprechenden Munition geliefert.

Reznikov berichtete auch über den Erhalt von Hunderten von sowjetischen Panzern und gepanzerten Mannschaftstransportern sowie etwa 250 westlichen gepanzerten Fahrzeugen. Tausende von tragbaren Flugabwehr- und Panzerabwehrsystemen und Granatwerfern sowie Hunderte von Drohnen, darunter Dutzende von Angriffsdrohnen, wurden ebenfalls geliefert. Die Küstenverteidigung wurde durch „Harpoon“-Raketen entscheidend verstärkt.

Todesurteile gegen ausländische Kriegsgefangene

Der Oberste Gerichtshof der separatistischen Volksrepublik Donezk (DVR) hat drei ausländische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte als Söldner zum Tode verurteilt. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur TASS soll die Todesstrafe für „alle Verbrechen zusammengenommen“ verhängt werden. Bei den Angeklagten handelt es sich um zwei Briten und einen Marokkaner. Sie können das Urteil noch innerhalb eines Monats anfechten. Der Prozess gegen die drei Männer begann am Mittwoch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Russische Medien sagten auch, dass die drei Männer Gelegenheit hatten, bei der Führung der prorussischen Separatistenrepublik um Gnade zu ersuchen. Im Falle einer Annahme könnte die Todesstrafe in lebenslange Haft oder 25 Jahre Strafkolonie umgewandelt werden, hieß es. Die britische Außenministerin Liz Truss nannte die Todesstrafe „ein Scheinurteil ohne jede Legitimität“.

Dumagesetz will Litauens Staatlichkeit angreifen

Das russische Unterhaus will mit einem Gesetz die Unabhängigkeit Litauens aufheben. Der Duma-Abgeordnete Jewgeni Fjodorow legte einen entsprechenden Entwurf vor, in dem er nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti vor allem aus rechtlicher Sicht argumentierte. Demnach ist das Dekret „Über die Anerkennung der Unabhängigkeit der Republik Litauen“ aus der Zeit der Sowjetunion rechtswidrig. Laut dem Gesetzentwurf wurde das Dekret von einem angeblich verfassungswidrigen Gremium erlassen und verstößt gegen mehrere Artikel der Verfassung der UdSSR, berichtete Ria Novosti.

Finnland bereitet Grenzschutzsystem vor

Auch Finnlands Regierung bereitet derzeit ein Gesetz vor: Der Bau eines Zauns soll die Grenze zu Russland sicherer machen. Finnland reagierte damit auf Befürchtungen, Russland könnte mit hybrider Kriegsführung gezielt Migranten anlocken, um sie zum Grenzübertritt nach Finnland oder in die EU zu bewegen. Weißrussland hat dies in der Migrationskrise an den Grenzen zu Polen, Litauen und Lettland gezeigt. Innenministerin Krista Mikkonen sagte, die Regierung werde auf Anraten des Grenzschutzes entscheiden, wo an der 1.300 Kilometer langen Grenze zu Russland Absperrungen errichtet werden sollen.

Putin: „Erobere russischen Boden zurück“

Kremlchef Wladimir Putin stellte den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine auf eine Stufe mit dem Großen Nordischen Krieg unter Russlands Zar Peter I. und sprach von einem Rückholfeldzug auf russischem Boden. Der Zar habe das Gebiet um die heutige Metropole St. Petersburg nicht von den Schweden erobert, sondern zurückgewonnen, sagte Putin heute zum 350. Geburtstag von Peter dem Großen. „Offenbar ist es auch unser Los: zurückzubringen und zu stärken“, zog Putin Parallelen zum Krieg gegen die Ukraine. Schon damals erkannte kein europäischer Staat das Gebiet als russisch an. „Neben den finno-ugrischen Stämmen leben dort seit Jahrhunderten auch Slawen“, sagte der Kreml-Chef.

Scholz: Putin hat nicht verstanden, dass sein Plan schief geht

Bundeskanzler Olaf Scholz rechnet mit einer langen Dauer des Krieges. Putin habe noch nicht verstanden, dass seine Pläne nicht aufgehen würden, sagte die Kanzlerin dem Radiosender Antenne Bayern. Putin bombardiere vor allem den Donbass, „und hat offenbar die Idee, dass er, wenn er alles niedergebombt hat, Teil des russischen Imperiums werden kann“. Allerdings würden die Entwicklungschancen Russlands durch die vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen erheblich beeinträchtigt, sagte Scholz. „Und er wird sie nicht los, ohne das zu tun, worum wir ihn ständig bitten, nämlich seine Truppen abzuziehen und einen fairen Frieden mit der Ukraine zu vereinbaren.“

Weitere Artikel zum Ukrainekrieg:

Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Live-Ticker zum Ukraine-Krieg.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare