Mittwoch, Oktober 27, 2021
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Detektiv für die Unterdrückten

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Die Journalistin Maria Ressa prangert seit Jahren furchtlos die totalitären Methoden des philippinischen Herrschers Duterte an. Ihr Friedensnobelpreis „wird der Regierung nicht gefallen“, sagt sie.

„Ich stehe unter Schock“, waren ihre ersten Worte, als sie erfuhr, dass sie dieses Jahr den Friedensnobelpreis erhalten würde. Doch dann erholte sich Maria Ressa schnell und sagte: „Wir werden weitermachen, was wir tun.“ Mit ihrer Ermittlungsplattform „Rappler“ deckt sie seit Jahren auf, wie der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte seine Macht missbraucht und die Möglichkeiten der sozialen Medien geschickt ausgenutzt hat.

Ressa ist eine Frau, die es schafft, auch unter enormem Druck und Stress immer noch viel Selbstvertrauen auszustrahlen. Seit Jahren kämpft sie als investigative Journalistin gegen staatlich sanktioniertes Unrecht in ihrem Heimatland. Es widersetzt sich den Versuchen der Mächtigen, das Internet und die sozialen Medien zu manipulieren und die freie Presse zu kontrollieren. Sie prangert an, dass Diktatoren in vielen Teilen der Welt ganze Trollarmeen einsetzen, um ihre Gegner zu vernichten.

Der 58-Jährige war schon immer ein tapferer Gegner des blutigen Anti-Drogen-Krieges, den Präsident Duterte nach seinem Wahlsieg in seinem Land entfacht hat. Seine brutale Kampagne hat Schätzungen zufolge Zehntausende Tote gefordert.

„Das wird der Regierung nicht gefallen“, sagte sie nach Bekanntgabe des Preises. Ihre Gegner auf den Philippinen haben in den letzten Jahren viele Hebel in Bewegung gesetzt, um Ressa und ihre Mitstreiter zu bremsen und einzuschüchtern. Sie brachten den Journalisten nicht zum Schweigen. Sie wurde vorübergehend festgenommen und wegen angeblicher Verleumdung angeklagt; sie wurden mit anonymen Morddrohungen über das Internet überschwemmt; einige kündigten an, sie zu vergewaltigen und zu foltern; andere beschimpften sie als Hure und Schlampe. Sie ertrug all diesen Dreck – und machte weiter. Das verschafft ihr Respekt nicht nur im eigenen Land, sondern weltweit.

Ihre Furchtlosigkeit, gepaart mit einem Detektivinstinkt, lässt sie nicht aufgeben, wenn sie auf explosive Spuren stößt. Und sie sind fast überall auf den Philippinen zu finden, wo Menschen von Todesschwadronen gejagt werden oder bei offiziellen Polizeirazzien unter äußerst dubiosen Umständen sterben, wo Sicherheitskräfte vertuschen statt aufklären, wo Journalisten täglich ihr Leben aufs Spiel setzen, wenn sie versuchen, Korruption und Missbrauch aufzudecken.

Maria Ressa hat nicht immer auf den Philippinen gelebt. Ihre Eltern verließen ihr Zuhause während der Marcos-Diktatur und zogen in die Vereinigten Staaten, als sie noch ein junges Mädchen war. Später studierte sie Molekularbiologie und Theater in Princeton. Sie kehrte nach Manila zurück, als sich das Volk gegen den Diktator auflehnte; die Erfahrung von „Volksmacht“ hat sie geprägt.

Nach ihren ersten Erfahrungen als Reporterin kam Ressa zu CNN, wo sie viele Jahre Karriere machte. Sie arbeitete als Büroleiterin in Manila und Jakarta und recherchierte zeitweise viel über al-Qaida-Terrornetzwerke. Als Duterte später seinen Siegeszug antrat, gründete sie ihre Plattform „Rappler“ und konzentrierte sich darauf, Manipulationen und Machenschaften im Raum Duterte aufzudecken.

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