Samstag, Juni 25, 2022
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"Deutliche antisemitische Hetze" Der Skandal um das Documenta-Bild eskaliert weiter

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Wenige Tage nach der Eröffnung der Documenta 15 sorgte ein Werk für einen antisemitischen Skandal. Kulturstaatsminister Roth, der Zentralrat der Juden und die Leiterin des Bildungswerks Anne Frank sind empört, dass die AfD die Kunstmesse sogar komplett beenden will.

Kurz nach der Eröffnung der Documenta 15 befeuerten neue Vorwürfe die seit Monaten schwelende Antisemitismus-Debatte rund um die Ausstellung. Die Direktorin der Bildungseinrichtung Anne Frank, Meron Mendel, forderte die Verantwortlichen der Weltkunstausstellung in Kassel auf, einen Beitrag des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi wegen antisemitischer Motive zu entfernen.

Auf dem großflächigen Banner auf dem Friedrichsplatz ist unter anderem ein Soldat mit Schweinegesicht zu sehen. Er trägt einen Schal mit Davidstern darauf und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“. Das ist der Name des israelischen Auslandsgeheimdienstes. „Das ist ein klarer Grenzübergang“, sagte Mendel. „Diese Bilder lassen absolut keinen Raum für Interpretationen. Das ist eine klare antisemitische Hetze.“ Die Arbeiten müssten sofort abgedeckt oder bestenfalls entfernt werden, forderte er. Im zweiten Schritt muss ein Dialog darüber geführt werden, was schief gelaufen ist und wo die blinden Flecken dieser documenta liegen.

Vor Monaten warf ein Bündnis in Kassel dem indonesischen Kuratorenkollektiv Ruangrupa vor, auch Organisationen einzubeziehen, die den Kulturboykott Israels unterstützten oder antisemitisch seien. Ruangrupa und die Documenta wiesen die Vorwürfe entschieden zurück. Später schaltete sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ein. Eine Gesprächsreihe zur Beruhigung wurde abgesagt.

Bisher hatte sich Mendel in der Debatte hinter die Documenta gestellt. Er sehe dort keinen Antisemitismus, kritisierte aber den Mangel an Positionen jüdischer Künstler aus Israel. Mendel betonte, dass nicht die gesamte Ausstellung als antisemitisch bezeichnet werden dürfe. „Da muss man differenzieren. Irgendwas muss schief gelaufen sein. Aber so etwas darf nicht passieren.“ Die Verantwortung dafür liegt nun bei den Kuratoren und der Leitung der documenta five.

Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth fand deutliche Worte: „Das ist aus meiner Sicht eine antisemitische Bildsprache“, sagte die Grünen-Politikerin. „Ich sage es noch einmal: Menschenwürde, Schutz vor Antisemitismus, sowie vor Rassismus und jeglicher Form von Menschenfeindlichkeit sind die Grundlagen unseres Zusammenlebens, und hier findet die künstlerische Freiheit ihre Grenzen.“ Das müsse die Documenta den Kuratoren und Künstlern unverzüglich klarmachen und „die notwendigen Konsequenzen“ ziehen.

„Mein persönlicher Eindruck ist, dass es hier antisemitische Bilder gibt“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Documenta-Aufsichtsrats, Hessens Kunstministerin Angela Dorn. Sie kontaktierte daher umgehend die Generaldirektorin der Documenta, Sabine Schormann, mit dem Ziel, den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären – notfalls mit Hilfe von Antisemitismus-Experten aus der Wissenschaft.

Laut Dorn hat Schormann bereits Maßnahmen ergriffen. Sie erwarte, „dass wir uns als Gesellschafter der Documenta gGmbH demnächst in einer Sondersitzung mit den Ergebnissen befassen“, erklärte die Grünen-Ministerin. „Ich habe immer gesagt, dass man auf der Documenta keine antisemitischen Ressentiments und Antisemitismus äußern sollte.“ Das haben die Documenta und Ruangrupa selbst immer wieder betont.

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, war empört. Der Rat war von vielen Seiten für seine Bedenken hinsichtlich der diesjährigen Documenta kritisiert worden. Ihm wurde sogar indirekt Rassismus vorgeworfen. „Es spielt jedoch keine Rolle, woher Künstler kommen, die Antisemitismus verbreiten“, betonte Schuster. Künstlerische Freiheit endet dort, wo Misanthropie beginnt. „Diese rote Linie wurde auf der Documenta überschritten.“ Die Verantwortlichen müssten nun ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und Konsequenzen ziehen, forderte er.

Die AfD im Hessischen Landtag forderte sogar die Beendigung der Documenta 15. Die antisemitische Kunst müsse sofort entfernt und Schormann zurücktreten, sagte Frank Grobe, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. „Sie ist dafür verantwortlich, dass auf der weltweit wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst ausgerechnet in Deutschland antisemitische Bilder gezeigt werden.“

Vor dem Hintergrund der Debatte um die 15. Ausgabe der Documenta hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bereits bei der Eröffnung der Schau am Samstag die Grenzen der Kunstfreiheit betont. Sie ist eine wichtige Säule demokratischer Gesellschaften, hat aber auch ihre Grenzen. „Kunst darf anstößig sein, sie soll Debatten auslösen.“ Kritik an der israelischen Politik ist erlaubt. „Aber wo die Kritik an Israel zur Infragestellung seiner Existenz wird, ist die Grenze überschritten“, sagte er.

Die Documenta, die seit 1955 in Kassel stattfindet, gilt neben der Biennale in Venedig als die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Es findet nur alle fünf Jahre statt. Die Show dauert bis zum 25. September.

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