Mittwoch, September 28, 2022
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Deutsche Bankenprovinz im Visier von Finanzinvestoren

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Die Oldenburgische Landesbank setzt ihren Expansionskurs fort und kauft die Frankfurter Degussa Bank für 200 Millionen Euro. Die Übernahme ist Teil eines großen Plans angelsächsischer Finanzinvestoren.

Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank: Kaum eine andere Fantasie hat den deutschen Bankensektor in den letzten Jahren so beschäftigt wie diese. Viele hoffen auf eine große Konsolidierung, also eine Bereinigung der stark fragmentierten deutschen Bankenlandschaft. Bisher ist jedoch jeder Versuch gescheitert, die beiden großen Frankfurter Institute zusammenzuführen.

Doch jenseits der börsennotierten Finanzinstitute und abseits des medialen Interesses hat sich in den vergangenen Jahren in der deutschen Provinz einiges getan. Mächtige angelsächsische Finanzinvestoren übernehmen ein Regionalinstitut nach dem anderen, fusionieren sie miteinander und bilden größere Banken, die sich zunehmend an Sparer in der ganzen Republik richten.

Bestes Beispiel: die Oldenburgische Landesbank, kurz OLB. Das Norddeutsche Landesinstitut ist nicht mehr nur in seiner angestammten Region im Nordwesten Deutschlands unterwegs. Seit fünf Jahren will die OLB mehr. Sie befindet sich seit fünf Jahren in den Händen angelsächsischer Finanzinvestoren.

2017 übernahm der US-Finanzinvestor Apollo gemeinsam mit der texanischen Lehrerpensionskasse Teacher Retirement Systems of Texas und dem britischen Finanzinvestor Grovepoint die norddeutsche Landesanstalt vom Versicherungsriesen Allianz und verschmolz sie mit der zuvor gekauften Bremer Kreditbank Apollo und die Neelmeyer-Bank. Später kam die Wüstenrot Bank hinzu.

Gestern Abend folgte der nächste große Knall: Die OLB übernahm die Frankfurter Degussa Bank für 220 Millionen Euro von ihren Eigentümern, den Hamburger Bankiers Max Warburg und Christian Olearius. Die Degussa Bank betreibt 60 Filialen auf dem Gelände großer Unternehmen vor allem in Süd- und Westdeutschland und stellt ihre Mitarbeiter als Kunden in den Mittelpunkt.

OLB-Chef Stefan Barth bezeichnete die Übernahme in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters als „Meilenstein“: „Durch die Übernahme von Degussa-Kunden steigern wir unsere bundesweite Präsenz von 620.000 auf fast eine Million.“

Die angelsächsischen Finanzinvestoren verfolgen mit der OLB aber nicht nur eine bundesweite Expansion. Sie können das Finanzinstitut auch auf Rentabilität trimmen. Dazu gehört in der Welt der Finanzanleger natürlich auch, Kosten durch Personalabbau zu reduzieren: stolz berichtete OLB-Chef Stefan Barth im Sommer im „Handelsblatt“, dass die Bank 2021 innerhalb von sechs Monaten 360 Vollzeitstellen abbauen konnte .

Barth weiß, was Finanzinvestoren wollen und wie sie funktionieren. Vor seinem Wechsel zur OLB hatte er unter der Ägide des US-Finanzinvestors Cerberus, benannt nach dem vielköpfigen Höllenhund, das österreichische Unternehmen Bawag als Chief Risk Officer an die Börse gebracht.

Ein Ziel, das die angelsächsischen Finanzinvestoren um Apollo laut Medienberichten nun auch mit der OLB verfolgen. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit an den Finanzmärkten rechnen Insider jedoch erst 2023 mit einem Börsengang. Alternativ käme auch ein Verkauf in Frage – etwa an eine ausländische Bank, die ihre Präsenz in Deutschland verstärken will.

Das Ergebnis der OLB-Expansionsoffensive durch die Bundesländer kann sich jedenfalls sehen lassen: Ende 2021 verfügte die Oldenburgische Landesbank über eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite – der Indikator für die Rentabilität einer Bank – erreichte 7,3 Prozent.

Das können nicht viele Banken in Deutschland; Laut OLB-Chef Barth sollen es mittelfristig sogar 13 bis 15 Prozent sein. Zum Vergleich: Die deutlich größere börsennotierte Commerzbank erzielte 2021 eine Eigenkapitalrendite von 1,5 Prozent, bis 2024 will sie „über sieben Prozent“ erreichen.

Aufgrund des bundesweiten Expansionskurses und der Fokussierung auf höhere Profitabilität demonstrieren die angelsächsischen Finanzinvestoren mit der OLB auf der Bühne der kleinen deutschen Banken, was auf der großen Bank noch kommen kann.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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