Dienstag, Dezember 7, 2021
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Deutschland isoliert sich, aber die Mutation ist schon in der Welt

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Die Entdeckung der neuen Corona-Variante trifft Europa mitten in der vierten Welle. Die Forschung in Südafrika läuft auf Hochtouren, Experten gehen von einem hohen Ansteckungsrisiko aus. Berlin verhängt strenge Einreiseverbote – die kommen aber nach Ansicht eines Experten wohl zu spät.

MITEuropa isoliert sich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres von Südafrika. Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla gab am Donnerstag die Entdeckung einer neuen Corona-Variante, bisher bekannt als B.1.1.529, bekannt. Es weist mit 32 eine enorm hohe Anzahl an Mutationen im Spike-Protein auf und ist – laut südafrikanischen Virologen – noch ansteckender als die Delta-Variante. Impfstoffe können auch weniger wirksam sein als andere Varianten.

Deutschland hat am Freitag Südafrika und vermutlich weitere Länder der Region zu Virusvariantengebieten erklärt. „Diese neu entdeckte Variante macht uns Sorgen“, sagte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter, „deshalb handeln wir proaktiv und frühzeitig. Das Letzte, was uns jetzt noch fehlt, ist eine neue Variante, die eingeführt wurde, die noch mehr Probleme bereitet. “

Nach den geplanten Regelungen dürfen Fluggesellschaften Deutsche erst ab Samstagabend nach Deutschland zurückbringen. Geimpfte Personen müssen sich zudem 14 Tage nach ihrer Einreise in Quarantäne befinden.

Das betrifft Tausende, in Südafrika hat die Hauptreisezeit begonnen. Einige Airlines hatten ihre Kapazitäten wieder nahe an das Niveau vor Kapazitätsbeginn gebracht. Am Donnerstag, nur wenige Stunden nach der südafrikanischen Ankündigung, hatte England Flüge aus Südafrika und fünf umliegenden Ländern verboten. Sehr zum Entsetzen der südafrikanischen Regierung. „Wir werden Gespräche mit der britischen Regierung suchen – mit der Bitte, diese Entscheidung zu überdenken“, sagte Außenministerin Naledi Pandor. Die Maßnahme wird dem Tourismussektor und anderen Unternehmen in beiden Ländern schaden.

Im Zusammenhang mit der im Dezember 2020 in Südafrika entdeckten Beta-Variante des Virus gab es in Südafrika acht Monate lang weitreichende Reisebeschränkungen – was teilweise zu der Wahrnehmung führte, dass Südafrika für seine konsequente Sequenzierung bestraft wird .

Doch national und international ist man dieser Tage alarmiert, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für Freitag ein Treffen mit südafrikanischen Regierungsvertretern angekündigt – danach bekommt B.1.1.529 einen neuen Namen.

Zunächst warnte die WHO vor neuen Reisebeschränkungen. Die Organisation empfiehlt den Ländern, „bei der Verhängung von Reisebeschränkungen weiterhin einen risikobasierten und wissenschaftlichen Ansatz zu verfolgen“, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Freitag in Genf. „Es gibt eine Warnung vor der Auferlegung von Reisebeschränkungen“, fügte er hinzu.

Wolfgang Preiser, Virologe an der Universität Stellenbosch in Südafrika, kennt die aktuellen Reisebeschränkungen. „Diese Virusvariante scheint sich rasant zu verbreiten, sie wurde bereits nach Hongkong und wahrscheinlich auch nach Botswana exportiert“, sagte der deutsche Wissenschaftler The Aktuelle News. „Das ist verheerend für Südafrika, diese Entwicklung kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.“

Preiser betont aber auch, dass sich die Forschung zu B.1.1.529 in einem „frühen Stadium“ befinde. Derzeit laufen Studien auf Hochtouren, um den klinischen Verlauf und die Wirksamkeit von Antikörpern gegen das Virus zu untersuchen.

In Südafrika wird nun angenommen, dass B.1.1.529 der Beginn der vierten Welle ist. Mitte November gab es täglich rund 300 Infektionen, am Mittwoch waren es bereits 1000. Die Zahlen steigen rasant, vor allem im Großraum der Wirtschaftsmetropole Johannesburg, der Drehscheibe des Landes. In einigen Kreisen war in den vergangenen Tagen fast jeder dritte Test positiv. Die meisten Fälle, so berichtet Preiser, scheinen bislang mild verlaufen zu sein. Das ist aber wenig aussagekräftig, da die meisten Infizierten relativ jung sind.

Immerhin: 41 Prozent der erwachsenen Südafrikaner sind geimpft. Anders als in vielen anderen Ländern des Kontinents gibt es seit Wochen genügend Impfstoffe und Kapazitäten, um diese Zahl deutlich zu erhöhen. Aber Impfskepsis ist weit verbreitet; Nur jeder fünfte junge Erwachsene ist geimpft. Es überrascht nicht, dass einer der frühesten Infektionscluster unter Studenten in Pretoria war.

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