Samstag, Juni 25, 2022
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Deutschlands Hilfsbereitschaft endet mit Übergewicht

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Die Bundesregierung sieht das jedoch anders. Sie will für den Transport durch Deutschland auf die Binnenschifffahrt und den Schienenverkehr setzen, wie ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums gegenüber theaktuellenews sagte. Von diesen beiden Verkehrswegen erwartet man mehr als von Lkw.

Vertreter der Agrarlogistik können das nicht nachvollziehen. Um das Potenzial voll ausschöpfen zu können, müssten alle Wege gefördert werden, sagten theaktuellenews Unternehmer und Branchenvertreter, die anonym bleiben wollen. Der agrarpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Albert Stegemann (CDU), sagt: „Die Straße kann das Problem nicht lösen, aber sie kann es lindern.“

Denn gerade das Schienennetz ist ohne zusätzliche Transporte aus der Ukraine bereits völlig überlastet. Laut Verkehrsminister Wissing im Mai arbeitet DB Cargo daran, künftig große Mengen Getreide zu transportieren und fährt bereits im Auftrag privater Getreideexporteure. Ende Mai teilte DB Cargo seinen Kunden aber auch mit, dass es wegen Bauarbeiten zu monatelangen Unterbrechungen in zentralen Korridoren kommen werde, wie das „Handelsblatt“ berichtete. Die Agrarlogistiker bezweifeln, dass Agrarprodukte aus der Ukraine noch stärker über das Schienennetz transportiert werden können.

Bereits im April schlugen sie der Bundesregierung bestimmte Maßnahmen vor, um die Transportkapazität von Lkw zu erhöhen. Auch der Gütertransport auf der Straße hat mit massiven Problemen zu kämpfen: Es fehlt an Fahrern – und seit dem kriegsbedingten Verlust russischer und ukrainischer Arbeitskräfte hat sich die Lage verschlechtert.

Außerdem beginnt in Deutschland bald die Erntesaison. Die Agrarlogistiker forderten, Lkws mit Übergewicht zuzulassen. Statt 40 Tonnen sollen sie 44 Tonnen wiegen dürfen. Rechnet man das Fahrzeuggewicht ab, entspricht dies einer Kapazitätssteigerung von 15 Prozent.

Die Zahl von 44 Tonnen ist nicht willkürlich gewählt: Auf dieses Gewicht werden Lkw in Deutschland geprüft. Außerdem wiegen Lastwagen, die Waren zu oder von Zügen transportieren, bereits 44 Tonnen. In bestimmten Notfällen, etwa nach einem großen Unwetter, können auch Holztransporte diese Sondergenehmigung erhalten. Auf einen, auf sechs Monate befristeten, hoffen nun auch die Agrarlogistiker.

Doch die Ministerien blockierten die Initiative im Mai, wie theaktuellenews erfuhr: Das Verkehrsministerium wies darauf hin, dass selbst eine vorübergehende Erhöhung das deutsche Straßennetz überlasten könnte. Eine Ausnahme für Getreideexporte ist laut Ministerium nicht handhabbar.

Zudem verweist das Ministerium auf den Gleichbehandlungsgrundsatz: Wenn die Landwirtschaft eine Ausnahmeregelung bekommt, wollen andere das auch. Das Landwirtschaftsministerium verwies in seiner Antwort auf die Entscheidung des Verkehrsministeriums und ergänzte: Die Ernährungsversorgung in Deutschland ist trotz Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg grundsätzlich gesichert.

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