Freitag, Juni 24, 2022
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Die Energiewende bietet Auszubildenden beste Perspektiven

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Für die Energiewende werden hunderttausende neue Fachkräfte benötigt. Und Handwerksbetriebe brauchen Ideen, um junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern. Nie waren die Aussichten in den „Klimaberufen“ besser.

Eigentlich wollte Lukas Wübbe aus Hennef Bundespolizist werden. Mittlerweile macht der 17-Jährige eine Ausbildung zum Dachdecker und installiert unter anderem Photovoltaikanlagen. Denn hier ist die Nachfrage riesig. Die Auszubildenden sind stolz darauf, in einem „Klimaberuf“ zu arbeiten. Er weiß aber auch, dass sich diese Botschaft nicht von alleine verbreitet. „Leider gibt es viel zu wenig Werbung aus dem Handwerk, also von den Unternehmen selbst. Und was da kommt, hat mir damals einfach nicht zugesagt – weil es oft veraltete Handwerksklischees zeigt“, sagt Wübbe.

Das Handwerk ist im Moment mehr als nachhaltig. Denn durch die geplante Energiewende werden klassische Handwerke plötzlich zu „Klimaberufen“: Elektriker, Mechatroniker, Installateure – und auch Dachdecker. Eine von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass bis 2030 rund 440.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt würden, um die Energieziele der Bundesregierung zu erreichen. Solar- und Windanlagen müssen gebaut und gewartet, Elektroautos fachmännisch repariert und Gebäude klimafreundlich saniert werden.

Doch der Trend in Deutschland geht schon lange zu höheren Bildungsabschlüssen, während gleichzeitig die Zahl der Auszubildenden seit Jahren sinkt. 2010 gab es laut Bundesinstitut für Berufsbildung in Deutschland noch 1,51 Millionen Auszubildende – 2020 waren es nur noch 1,21 Millionen.

Lukas Wübbe kam vor zwei Jahren auf einer Jobmesse an seiner Schule mit seinem jetzigen Ausbildungsbetrieb in Kontakt. „Vorher hat mir niemand das Handwerk so richtig verlockend gemacht. Bei meiner Firma war das anders, da gab es einen coolen Stand und etwas zum Ausprobieren“, erinnert er sich. „Also wurde mir klar, dass es vielleicht etwas für mich sein könnte.“ Trotzdem trug er die Visitenkarte noch eine ganze Weile mit sich herum, bis er sich für die Ausbildung entschied. Heute sagt er: „Ich fühle mich super. Und nach der Ausbildung möchte ich unbedingt weitermachen.“

Die Strategie, aktiv auf junge Menschen zuzugehen, zahlt sich für Geschäftsführer Tobias Setz aus. Er ist stolz darauf, dass er und sein Geschäftspartner bisher immer alle Ausbildungsplätze besetzen konnten. Mehr noch: Es gibt sogar mehr Bewerbungen als Plätze überhaupt. Eigentlich eine Seltenheit in der Branche, gerade im Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo es eine hohe Dichte an Handwerksbetrieben gibt.

„Man muss aber erwähnen, dass wir vom ersten Tag an in den Schulen auf Jobmessen präsent waren und im Unternehmen immer eine freundlichere Unternehmenskultur gelebt haben, als wir beide in unseren Ausbildungsbetrieben erlebt haben“, sagt Setz.

Trotz Fachkräftemangel blickt Setz optimistisch in die Zukunft. „Ich gehe davon aus, dass die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt von den nächsten Abschlussjahrgängen wahrgenommen wird und dadurch mehr Ausbildungsstellen besetzt werden“, sagt der Dachdeckermeister. Aber: „Mir ist ganz klar: Diejenigen Unternehmen, die jetzt an alten Konventionen festhalten und sich nicht für die Interessen der nächsten Generationen engagieren, werden auf absehbare Zeit abgehängt.“

Luke Wübbe wurde kürzlich sogar zum sogenannten Ausbildungsbotschafter ausgebildet. Ab Sommer besucht er Schulen, um andere Schüler für das Dachdeckerhandwerk zu begeistern. Und auch für seine eigene Zukunft hat er Pläne: „Wenn du hungrig bist auf ein Handwerk, dann willst du mehr. Dann willst du auf die Meisterschule.“



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